28. August 2008
Früher war alles besser
Seitdem ich das politische Geschehen verfolge (also seit etwa 35 Jahren), gibt es in Deutschland einen permanenten Sozialabbau, es wird durchweg Jahr für Jahr schlechter und vor allem ungerechter.
Jedenfalls wenn man linken Verlautbarungen glaubt.
Da überraschen dann aktuelle Meldungen nicht.
Ausnahmsweise wollte ich mal näher nachforschen, auf welche Faktengrundlage sich die zitierte “Studie” stützt. Also mal im Original nachgelesen.
Und das kommt mir doch etwas merkwürdig vor.
Das fängt schon damit an, daß in der ersten Graphik die Entwicklung von Löhnen und Gewinnen verglichen wird.
Aber bei den Löhnen wird das reale (also inflationsbereinigte) Netto genommen, bei den Gewinnen das nominale Brutto.
Dann werden eine Menge Entwicklungstendenzen referiert, bei den meisten können die Autoren aber nicht wirklich angeben, was eigentlich Sache ist.
Um dann im Fazit zu eigenartigen Schlußfolgerungen zu kommen:
Steigende Preise für Nahrungsmittel und Energie werden auch in diesem Jahr die Realeinkommensentwicklung dämpfen.
Obwohl die Autoren kurz vorher noch gesagt haben, genau diese Preissteigerungen wären im wesentlichen durch den höheren Eurokurs kompensiert worden.
Nur die Mehrwertsteuererhöhung und die “administrierten Preise” hätten durchgeschlagen.
Der von vielen als Belohnung für die Lohnzurückhaltung versprochene zusätzliche Beschäftigungsanstieg hat sich nicht eingestellt
Im Text war im Gegenteil noch davon die Rede, es hätte deutlich mehr Beschäftigung gegeben.
Nur eben nicht in den vom DGB gewünschten Bereich der Tarifangestellten, sondern bei Minijobs, Zeitarbeit etc. (wohl eher für die weniger qualifizierten Arbeitslosen) und der Selbständigkeit (wohl eher für die Qualifizierteren).
Auf jeden Fall sind eine Million Arbeitslose in Lohn und Brot gekommen (wenn auch oft zu niedrigem Lohn) - das ist nun mal ein Beschäftigungsanstieg.
Die versprochene Beschäftigungsdividende für Lohnmoderation und Arbeitsmarktflexibilisierung fiel damit aus
Das scheint mir ziemlicher Unsinn zu sein. Denn eine saubere ceteris paribus Beweisführung läßt sich angesichts der heftig veränderten politischen Rahmenbedingungen ohnehin kaum führen.
Und daß die Tarifangestellten eine “Dividende” in Form von Arbeitsplätzen und Lohnsteigerungen erhalten haben, stellen die Autoren ja vorher durchaus dar.
Das wird doch nicht dadurch in Frage gestellt, daß der Staat sich in Form von Steuererhöhungen den Löwenanteil dieser “Dividende” abgreift, oder daß die neu hinzukommenden, schlecht verdienenden Ex-Arbeitslosen den Lohnschnitt natürlich drücken.
Das sind jetzt nur meine erste Eindrücke. Es gibt einige Fachkundige hier im Forum, die werden das vielleicht noch korrigieren können.
Aber letztlich scheint mir der DGB im wesentlichen darüber Klage zu führen, daß Arbeitslose inzwischen Arbeit haben und in der Lohnstatistik auftauchen.
Verfasst von R.A. um 17:09 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)