3. September 2008
Auf halbem Weg
Es gibt Leute, die eine Lösung des Problems der von der EU in die Mitgliedsstaaten schwappenden zunehmenden Bevormundungen in einer Stärkung des EU-Parlaments sehen. Diese Romantiker dürften jetzt um eine Hoffnung ärmer sein.
Die in Brüssel und Straßburg hin und wieder tagenden Damen und Herren sehen es offensichtlich als ihre Aufgabe an, eine ideale Gesellschaft zu gestalten. Und wenn sie das schon in der Substanz nicht schaffen, dann soll es nach außen wenigstens so aussehen. Eine beliebte Spielwiese für diese Art von Sozialingenieurswesen ist die Werbung. Die mag ja außer denen, die sie in Auftrag geben, gestalten und senden, eigentlich niemand. Deswegen sind auch keine Proteste zu erwarten, wenn unsere demnächst wieder zu wählenden Erlöser dort ein Verbot nach dem anderen erlassen.
Die Hausfrau an Herd oder Waschmaschine soll nach dem Willen des Europa-Parlaments aus der Fernsehwerbung verschwinden. Mit großer Mehrheit forderten die Abgeordneten ethisch oder rechtlich verbindliche Regeln für Reklamesendungen. Damit könnten Werbespots unterbunden werden, die diskriminierende oder entwürdigende Botschaften auf der Grundlage von Geschlechterklischees vermitteln oder zu Gewalt anstacheln, teilte die Parlamentsverwaltung zum Inhalt des Vorstoßes mit.
Das wird sicher einer Menge Leute auf Dauer viel Beschäftigung verschaffen. Vielleicht verstehe ich das ja auch falsch, und es handelt sich in Wirklichkeit um eine Maßnahme im Angesicht einer schwächelnden Konjunktur.
Das Parlament wünscht zudem Aufklärungsaktionen und Bildungsprogramme, um gegen sexistische Beleidigungen und entwürdigende Bilder von Frauen und Männern in der Werbung und im Marketing vorzugehen. Klischeehafte Bilder oder Botschaften, die die menschliche Würde verletzen, sollen dem rechtlich nicht bindenden Beschluss zufolge auch aus Lehrbüchern, Videos, Computerspielen und dem Internet verbannt werden.
Ich finde, dafür lohnte sich sogar ein eigenes Ethik-Ministerium. Das hätte ganz generell, auch ohne diese lästige und selbst in hohem Maße diskriminierende Beschränkung auf das Geschlechterbild allgemein unethische Motive aus unserer Umwelt zu verbannen. Die römisch-katholische Kirche und viele praktizierende Imame stehen da als Berater sicherlich gerne zur Verfügung. Aber nur als Berater, denn schließlich geht es hier ja um die Vollendung unseres demokratischen Gemeinwesens.
Verfasst von Rayson um 19:28 Uhr in der Kategorie EU, Innenpolitik, International, Politik (Trackback)