Die Folgen der Anbiederung

Wer sich im kommunistischen Dreck suhlt, fängt irgendwann selbst an zu stinken:

SPD verhöhnt Maueropfer

„Zweck der Stiftung ist es, die Geschichte der Berliner Mauer und der Fluchtbewegungen aus der DDR sowie die Übersiedlungen in die DDR als Teil und Auswirkung der deutschen Teilung zu dokumentieren.“

(Quelle)

Diesen Satz, den Relativierung zu nennen, man kaum umhin kommt, hat die SPD-SED-Koalition im Berliner Abgeordnetenhaus mit ihrer gemeinsamen Stimmenmehrheit in das Gesetz zur Gründung der Stiftung Berliner Mauergedenkstätte geschrieben. Als wäre auf West-Ost-Übersiedler ebenso geschossen worden wie auf DDR-Flüchtlinge, als wären sie auch vorher inhaftiert, von ihren Kindern getrennt, sozial geächtet und sonstwie in vergleichbarer Form diskriminiert worden.

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29 Kommentare zu “Die Folgen der Anbiederung”

  1. stefanolix
    4.09.2008 | 16:52

    Das gibt doch nur so einen Sinn:

    „Zweck der Stiftung ist es, die Geschichte der Berliner Mauer und der Fluchtbewegungen aus der DDR sowie die Übersiedlungen in die BRD als Teil und Auswirkung der deutschen Teilung zu dokumentieren.“

    Übersiedlungen in die BRD würde im Sinne von freiwilliger Ausreise per Ausreiseantrag oder im Sinne von erzwungener Ausreise (Ausweisung) aus der DDR einen Sinn ergeben.

    Obwohl den SED-Kommunisten im neuen Gewand alles zuzutrauen ist: Geben wir wenigstens der SPD die Chance, dass sie es so gemeint haben könnten?

  2. 4.09.2008 | 16:56

    @stefanolix

    Offenbar meinten sie es so wie es da steht. Siehe verlinkten FOCUS.

  3. stefanolix
    4.09.2008 | 17:11

    Wenn das SPD-Politiker wörtlich so aufgeschrieben haben, dann sind sie mit historischer Blindheit und politischer Dummheit geschlagen. Ich hatte wirklich an einen Druckfehler geglaubt.

    Sicher kann man auch an die Menschen denken, die aus der BRD in die DDR übersiedelten, darunter dürfte es etliche tragische Fälle gegeben haben. Normalerweise müsste das aber nicht nur in einem anderen Satz, sondern in einem ganz anderen Gesetz stehen.

    Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas knapp 20 Jahre nach der Wiedervereinigung möglich ist.

  4. Lina
    4.09.2008 | 17:50

    “Die Grünen finden dagegen, die freiwilligen Übersiedler seien überhaupt nicht gedenkwürdig”, heisst es im Focus-Artikel.

    Das finde ich auch, ganz unabhängig von Grün; es waren freie Entscheidungen, sich in Unfreiheit zu begeben. Ihrer muss man nicht gedenken, auch wenn sie gelitten haben sollten. Auch wenn ich das Argument der CDU, Die Linke (und damit die mit ihr koalierende SPD) könne so behaupten, ihre Vorgänger von der SED hätten die Mauer gar nicht haben wollen, sie sei ihnen von Moskau aufgedrängt worden, als billiges oppositionelles Getöse empfinde, verstehe ich die Empörung: nur um die wahren, die echten Opfer des Mauerbaus hat es zu gehen. Ich baue auf Wowereit, soviel Einsehen und Mumm wird er haben, den Zweck der Stiftung gerade zu rücken.

  5. Lina
    4.09.2008 | 18:07

    PS: Weisst Du, wie mir das - auch! - vorkommt, Boche? So, als wolle man Mengenrabatt beim Gedenken…

  6. R.A.
    4.09.2008 | 18:08

    Es hat wohl über die 40 Jahre DDR einige hundert Fälle gegeben, wo Leute freiwillig von West nach Ost wechselten (z. B. der Vater von Angela Merkel, der dort als Pfarrer seine Kirche stützen wollte).

    Es ist aber in der Tat lächerlich, oder besser gesagt peinlich, wenn man diese Übersiedlungen zum Untersuchungszweck einer Stiftung macht und gleichsetzt mit Flucht aus der DDR.

    Die SED ist mit ihrem Geschichts-Revisionismus schon weit gekommen …

  7. R.A.
    4.09.2008 | 18:10

    @Lina:

    Ich baue auf Wowereit,

    Willst Du nicht lieber einen Wackelpudding an die Wand nageln?
    Da sind die Erfolgschancen höher …

  8. 4.09.2008 | 18:29

    “Die Grünen finden dagegen, die freiwilligen Übersiedler seien überhaupt nicht gedenkwürdig”

    Dafuer wird die CDU wahrscheinlich um so mehr auf solcher Wuerdigung bestehen, gehoert doch deren Vorsitzende Angela Merkel, geborene Kasner, selbst zu diesen West-Ost Uebersiedlern, “einige Wochen nach der Geburt der Tochter, siedelte die Familie Kasner von Hamburg in die DDR über”.

    :-D

  9. Lina
    4.09.2008 | 18:32

    @ R.A.

    Meinst Du? Halte ihn für vernünftig, seit er meine E-postalisch überbrachten Bedenken gegen den Vorjahres-Parteitag der Rechten mitten in Berlin persönlich geteilt hat; und er steht schliesslich auch den Stones näher als Beck…

  10. stefanolix
    4.09.2008 | 18:48

    Ich bin nicht sicher, ob es nur wenige hundert Menschen waren. Ich bin aber nach Medienberichten aus der Nachwendezeit sicher, dass es unter diesen Leuten auch tragische Fälle gab: ich habe von bitterer Enttäuschung über die Realität in der DDR, Stasi-Überwachung und Stasi-Anwerbung gelesen.

    Ich bin sicher, dass Erwachsene auch Minderjährige mitgenommen haben, was wohl für die Kinder später eine große Belastung dargestellt hat. So soll man gern in Berlin auch an diese Menschen denken, aber nicht in einem Kontext mit dem Gedenken an die Maueropfer.

    Herr Wowereit steht den beiden Stein-Genossen nach meiner Ansicht nicht allzu nahe, zumindest wenn man seine bevorzugte Koalition und seine praktische Politik sieht.

  11. Lina
    4.09.2008 | 19:02

    @ stefanolix

    Nicht nur, dass der Tod (laut Paul Celan) “ein Meister aus Deutschland” ist, wir sind auch Meister im formalen Gedenken; da lassen wir uns nicht lumpen, auch wenn die Gedenksteine noch so hohl ausfallen. Deinen Verweis (samt Hintergrund) auf die Zugezogenen (die warum auch immer Hingezogenen) in Ehren, aber man kann es auch übertreiben.

  12. Robin
    4.09.2008 | 19:19

    Einen anderen Aspekt finde ich, ehrlich gesagt, nicht weniger fragwürdig. Mauerbau und Todesschüsse als “Teil und Auswirkung der deutschen Teilung zu dokumentieren”. Werden sie dann demnächst auch eine Stiftung gründen, die uns den zweiten Weltkrieg als “Teil und Auswirkung” des Versailler Vertrags vermittelt? Ich mein ja nur…

    Viele Grüße
    Robin

  13. 4.09.2008 | 19:31

    ?

  14. 4.09.2008 | 19:40

    Boche, sag mal, den Mankiw kriegst Du auch nicht mehr durch, oder?

    Zum Thema: Das ist wirklich ekelerregend.

  15. Dirk
    4.09.2008 | 19:43

    @Robin
    Das dachte ich auch. In dem Sätzen wird fast aufdringlich jeder Bezug zu einem Subjekt vermieden. Als sei die Mauer die bedauernswerte Auswirkung einer Naturkatastrophe. Des Klimawandels oder so

  16. Boris Eichler
    4.09.2008 | 20:05

    @ lina
    Du baust auf Wowereit? Wer auf Wowereit baut, hat schon verloren. Wowereit hat in Berlin noch nichts, aber auch gar nichts zustande gebracht. Er ist unausrechenbar und profitiert von seiner immensen Popularität, die darauf beruht, dass die Mehrzahl der Berliner die Landespolitik nicht wahrnimmt. Sie finden Wowi cool, wissen aber nicht zu sagen, was er politisch geleistet hat. Er hat auch nichts geleistet: Berlin ist eine Stadt mit unglaublichen Chancen - Wowereit hat keine einzige davon genutzt. Vielleicht spricht Wowereit in der Tat ein Machtwort - aber sicher nur aus Berechnung, nicht aus Haltung.

  17. 4.09.2008 | 20:12

    Es hat wohl über die 40 Jahre DDR einige hundert Fälle gegeben, wo Leute freiwillig von West nach Ost wechselten

    Ja, z.B. die RAF-Terroristin Inge Viett, die u.a. an der Entführung von Peter Lorenz beteiligt war und einen französischen Polizisten niederschoss, der daraufhin gelähmt war. Oder Susanne Albrecht, die maßgeblich an der Ermordung von Jürgen Ponto beteiligt war und einen Sprengstoffanschlag auf Alexander Haig verübte. Oder Monika Helbing, die an der Entführung von Hanns-Martin Schleyer beteiligt waren. Sie übersiedelten, um sich nicht für ihre Verbrechen verantworten zu müssen. Ein Denkmal muss man ihnen sicher nicht setzen.

  18. 4.09.2008 | 20:39

    @Robin

    Sind seit Adolf alle Kausalitäten verboten?
    Die Mauer war ja nun “Teil und Auswirkung” der deutschen Teilung. Das mag zwar etwas zu indirekt und unpersönlich ausgedrückt sein, weil es Schuld unberührt lässt, ist aber nicht falsch.

    @DSadO

    Ein paar Seiten fehlen mir noch. Ist halt ein, bei aller guten Lesbarkeit doch anspruchsvoller wissenschaftlicher Wälzer. Und ich lass schon die Testfragen links liegen…

    @Holger

    Es gab aber eben auch Andere, nicht nur Terroristen.

  19. Dirk
    4.09.2008 | 21:16

    @Boche

    Ist es eine Gedenk- oder eine Forschungsstätte?

  20. 4.09.2008 | 21:24

    @Dirk

    Wieso?

  21. Robin
    4.09.2008 | 22:01

    @Boche:
    Sind seit Adolf alle Kausalitäten verboten?
    Die Mauer war ja nun “Teil und Auswirkung” der deutschen Teilung. Das mag zwar etwas zu indirekt und unpersönlich ausgedrückt sein, weil es Schuld unberührt lässt, ist aber nicht falsch.

    Ich habe im Prinzip nichts gegen die Kausalität, aber gegen die Monokausalität. Natürlich heißt, “Auswirkung” nicht “direkte Folge” und ohne deutsche Teilung, keine Flucht, keine Verhaftungen, keine Toten und keine Familientrennungen an der innerdeutschen Grenze. Möglicherweise täusche ich mich, denn ich habe die Verlautbarung des Kulturausschusses nicht in Gänze gelesen, aber es scheint mir klar zu sein, dass hier deutlich mehr Gründe für “Fluchtbewegungen”, Mauerbau und das resultierende Leid zu nennen wären, die offensichtlich ganz bewusst nicht genannt werden.

    Viele Grüße
    Robin

  22. 4.09.2008 | 23:07

    [...] Gesetz zur Gründung der “Stiftung Berliner Mauergedenkstätte”, Bemerkung von Boche. Explore posts in the same categories: Berlin, Blogwelt, DDR, Egoshice, Geschichte, [...]

  23. F.Alfonzo
    5.09.2008 | 0:25

    off-topic @ Boche:
    Mankiw: Stell dir einfach vor, du schreibst in 5 Tagen eine Klausur über den Inhalt dieses Buchs und weisst jetzt schon, dass 60% der Teilnehmer durchfallen werden (aufgrund der “Korrekturanpassung”)…
    …bei mir hat das geholfen, da versteht man alles auf einmal viel schneller ;-)

  24. 5.09.2008 | 9:17

    @Robin

    Welche Gründe wären das, die deiner Meinung nach noch genannt werden sollten?

    @F.Alfonzo

    Schon echte Klausuren haben mich nur am Abend davor ausreichend motiviert, dass ich das Lernen begann. Mit einer vorgestellten Klausur klappt das dann schon gar nicht. ;-)

  25. Lina
    5.09.2008 | 10:04

    @ Boris Eichler

    Ich nehme zur Kenntnis, lebe sehr weit von Berlin (:! Falls Wowereit (den ich als Wowi nicht cool finde) ein Machtwort spricht, dann von mir aus auch aus Berechnung - Hauptsache, er spricht es im Sinn dessen, dass “Maueropfer” Maueropfer bleiben.

  26. der_Neue
    5.09.2008 | 16:15

    Wowi näher an den Stones als Beck?
    Das ist ja mal der Witz des Tages.
    Wowi ist doch der Joker, den die Parteilinke um Nahles aus dem Hut zaubern wird, wenn es um die K-Frage geht… als Gegenkandidat zu Steinmeier (Beck’s Kandidat, falls er nicht selber ran will).

    Übrigens: Als Beck noch “nur” Ministerpräsident war, hat er sich in den höchsten Tönen über seine sozial-liberale Kaolition geäußert (bis er 2006 die absolute Mehrheit hatte). Über die Grünen dachte er wohl eher nach dem Motto “lieber ‘n Haus im Grünen als nen Grünen im Haus” ;)
    Sein “Links-Schwenk” ist eher der Tatsache geschuldet, dass er, seit er SPD-Vorsitzender ist, von der Pateilinken ziemlich in die Mangel genommen wird und halt hin und wieder einknickt. Ich glaube nicht, das Beck den Grünen/Linken wirklich nahe steht.

  27. Lina
    5.09.2008 | 16:43

    @ der_Neue

    Mehr Missverständnis als Witz? Wowereit stehe den “Stones” näher, als er Beck nahesteht, habe ich ausdrücken wollen. (Dass ihn die Parteilinken um Nahles als K-Kandidat aus dem Hut zaubern könnten, ist mir neu.)

  28. Robin
    5.09.2008 | 23:07

    @Boche:
    Das offensichtliche Versagen des Gesellschafts- und Wirtschaftsmodells der SED, die darüberhinaus durch Zwangsmaßnahmen und Repressalien künstlich am Leben gehalten werden. Die gewaltsame Niederschlagung von Protesten. Die Entscheidung, durch eine Mauer die Bewegungsfreiheit der eigenen Bevölkerung einzuschränken und diese so in Geiselhaft zu nehmen. Die Bereitschaft, für die Durchsetzung dieser Maßnahmen auch zahlreiche Todesopfer in Kauf zu nehmen. Und so weiter …
    Da ich Dir vermutlich nichts neues erzähle, frage ich mich, worauf Du hinauswillst.

    Viele Grüße
    Robin

  29. 6.09.2008 | 0:09

    @Robin

    Du hast ja Recht: Man kann es auch expliziter ausdrücken. Für mich steckt in der Teilung aber der Gedanke an das sozialistische Modell bereits drin, das in einem Teil am Menschen versucht wurde und das durch all das gekennzeichnet war, was du da schreibst.

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