6. September 2008
Dávila der Woche (I)
Es gibt bestimmt eine ganze Reihe verschiedener Wege, zu Nicolás Gómez Dávila zu finden.
Einer wird von einem Amazon-Rezensenten beschrieben:
Ich muss gestehen, dass mir Gómez Dávila bis vor knapp einem halben Jahr überhaupt kein Begriff war. Fast schon fahrlässig.
Ausgerechnet die ohnehin unselige Literaturen Herausgeberin Sigrid Löffler (”Eingetrocknete Schlafmützen Feministin” M.R. Ranicki) brachte mich auf den Geschmack durch einen Artikel über Martin Mosebach (den diesjährigen Büchner-Preis Träger) in welchem sie Mosebach angriff wegen seiner Verehrung für Dávila.
Was bleibt einem da schon übrig, als sofort sich auf die Suche nach dem Mann zu machen, der Frau Löffler Bauchschmerzen macht?
Oder man stößt auf den Namen in Streifzügen durch die politische Blogosphäre, wie das bei mir der Fall war. “Dávila? Wer oder was ist das denn?”, werden sich wohl einige fragen. Natürlich gibt es einen Wikipedia-Eintrag zu ihm. Aber der beste Text, den ich über Dávila bisher gelesen habe, stammt von Jens Jessen, der, wenn er sich auf einem Feld bewegt, von dem er etwas versteht, die Dinge offensichtlich brillant auf den Punkt zu bringen vermag.
Mich reizt an Dávila genau das, was Jessen beschreibt: dieses ständige Löcken wider den Stachel, der Skeptizismus gegenüber den großen Lösungen und eine Art mitfühlender Misanthropie, von der sich selbst Dr. House noch ein paar Scheiben abschneiden könnte. Und vor allem: Der Mann schrieb in Aphorismen, und ein guter Aphorismus war für mich schon immer ein besonderer sprachlicher und gedanklicher Genuss, ob nun von Nietzsche oder Lec stammend, um nur meine bevorzugten Autoren zu nennen. Wegen Dávila sollte ich eigentlich Spanisch lernen, aber gut, ich habe ja auch meine Polnisch-Versuche irgendwann abgebrochen…
Dávila ist ein Freund der Freiheit, aber kein Liberaler, weil er alle Versuche des Menschen verurteilt, ohne Gott, und damit ohne ein verbindliches und unabänderliches Wertesystem auszukommen. Ich finde unter seinen Aphorismen auch sehr viele, die spontan meinen Widerspruch provozieren, aber meistens verbunden mit einer kleinen Infektion, die nach einer gewissen Inkubationszeit zu einer Phase intensiver Beschäftigung mit dem angesprochenen Gedanken führt.
Von heute an versuche ich, jede Woche einen Dávila-Aphorismus zu bringen. Vielleicht steigt ja im einen oder anderen Fall der eine Leser oder die andere Leserin in einen kleinen Gedankenaustausch ein.
Aber Vorsicht, Ansteckungsgefahr!
Das heutige Zitat hat sogar einen aktuellen Bezug:
Die Reform der Gesellschaft mittels von Gesetzen ist der Traum des leichtgläubigen Staatsbürgers und die diskrete Präambel jeder Tyrannei.
Das Gesetz ist die rechtliche Form von Brauch und Sitte oder Angriff auf die Freiheit.
Verfasst von Rayson um 11:42 Uhr in der Kategorie Kultur, Politik, Sprache, Steckenpferde der Autoren (Trackback)