Verkürzen vs. Verfälschen

Es ist eine Unsitte in den Medien, wenn in einer reißerischen Überschrift oder einer Zusammenfassung ein Eindruck erweckt wird, der dann von eigentlichen Text überhaupt nicht gedeckt wird.

Beliebt sind solche Manöver bei SpOn. Aber auch über andere kann man sich da ärgern.

Aktuelles Beispiel in der Welt.

Da wird behauptet, die FDP mache der SPD nach ihrem Führungswechsel Avancen.
Und zwar in Zielrichtung Ampelkoalition.
Und würde dabei einen Verzicht von Gesine Schwan zur Bedingung machen.

Was findet sich davon im Text wieder?

Diverse FDP-Politiker haben erklärt, falls der SPD-Machtwechsel auch den SPD-Linkskurs beendigen würde, wäre die SPD auch wieder ein potentieller Partner. Ist nun die mögliche Rücknahme einer Absage schon eine “Avance”?

Laut Löhning wäre ein Schwan-Verzicht “ein konstruktives Zeichen in Richtung Mitte”. Das ist nun etwas völlig anderes als eine Bedingung.

Und von der Ampel hat von allen zitierten Politikern überhaupt nur eine gesprochen - nämlich Reichsempörungsbeauftragte Claudia Roth.
Und wenn die jemals in die FDP gehen würde - trete ich aus ;-)

Das sind jetzt alles keine weltbewegenden Sachen, auch das Theme ist eher nebensächlich.
Aber es sollte einem Journalisten doch möglich sein, zu einem Artikel auch die passende Überschrift und Zusammenfassung zu formulieren. Denn wenn ihm die Sinnunterschiede zwischen den beiden Versionen nicht klar sind - dann muß man schon sehr zweifeln, was er denn sonst so schreibt und was wohl damit eigentlich gemeint sein könnte.

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8 Kommentare zu “Verkürzen vs. Verfälschen”

  1. hw
    10.09.2008 | 19:30

    Nun die wollen halt Geld verdienen. Und im Netz geht das fast nur durch Werbung. Die Werbeanbieter schalten und zahlen die Werbung nun mal nach Klick-Zahlen und die lassen sich u.a. mit reißerischen Überschriften erhöhen.

  2. F.Alfonzo
    10.09.2008 | 20:45

    @hw:

    Das wäre doch etwas kurzsichtig, bei SpOn bspw. hat diese Praxis für mich dazu geführt, dass ich um diese Seite grundsätzlich einen Bogen mache…

  3. hw
    10.09.2008 | 21:56

    Lies dir einfach mal folgenden Artikel durch: Bitte hier klicken !

    Momentan weiß halt noch niemand, wie er im Internet als Journalist am Besten Geld verdienen kann. Da wird halt auch viel Unsinniges ausprobiert.

  4. 10.09.2008 | 22:03

    @hw

    Sieht ganz so aus. Diese Lust an den Bildfolgen-Klickorgien geht mir auch gehörig auf den Sender.

  5. 11.09.2008 | 7:51

    Meines Wissens macht die Redaktion die Schlagzeilen. In manchen Faellen haben sie den Text selber dann gar nicht gelesen oder nur ueberflogen…

  6. R.A.
    11.09.2008 | 9:44

    Tja, ist wohl tatsächlich so, daß die Nachrichten aufgepeppt werden, um mehr Klicks zu erzeugen.

    Was wohl eine recht kurzsichtige Strategie ist: Man gewinnt dadurch schnell viele Klicks, aber genauso schnell kann es auch wieder abwärts gehen, wenn die Leute von der inhaltlichen Qualität enttäuscht sind.

    Auf Dauer werden sich m. E. nur Seiten in der Bookmark-Liste möglichst vieler Leute halten können, die zu besuchen auch interessant ist. Und zwar interessant vom Inhalt her, nicht von den Überschriften.

    Kleiner Spaß am Rande:
    Beim aktuellen SpOn-Bericht über einen Korruptionsskandal ist in der Zusammenfassung davon die Rede, daß die Beamten mit Mitarbeitern von Firmen geschlafen hätten.

    Im Text findet sich aber nur, daß sie Hotelübernachtungen bezahlt bekommen haben.

    Da ist die Doppeldeutigkeit von “schlafen” wohl maximal ausgereizt worden …

  7. C.K.
    11.09.2008 | 10:45

    Da kann ich Ruth nur zustimmen.

    Die Onlineredaktion greift sich den Text ab, der dann morgen ins Blatt kommt und versieht ihn selbst mit einer Überschrift. Der Autor wird nicht gefragt.
    Passiert nicht immer, ist aber durchaus normal.
    Habe ich selbst bei 2 bekannten und durchaus rennomierten Tageszeitungen erlebt.
    Die Onliner stehen halt unter dem Druck der “Klick-Quote”

  8. 11.09.2008 | 21:20

    Wo du gerade Spon erwähnst. Über dem Atlantik kamen sich zwei Flugzeuge auf kollisionskurs entgegen. Spon meinte, einer der beiden Piloten hätte “in letzter Sekunde” abgedreht. Bei 800 km/h Reisegeschwindigkeit - frontal effektiv 1600 km/h macht maximal 500m Entfernung zwischen den Flugzeugen zu einem zeitpunkt auf dem sie sich noch auf Kollisionskurs befinden. Dass ein Pilot einer 747 innerhalb von einer Sekunde eine Kursänderung um 20° beibringt ist auch sportlich.

    Ein paar Zeilen später wurde dann aus der Sekunde eine oder mehrere Minuten.
    Redewendung hin oder her - manchmal macht man sich damit unglaubhaft.

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