Die Last mit der Demokratie

Ich will nicht mit anderen darüber diskutieren müssen, ob die Bahn einen “Bedienzuschlag” pro Verkauf oder pro Ticket oder überhaupt erheben darf, und wenn ja, für wen und für wen nicht.

Ich will nicht erörtern müssen, ob irgendein Grinsegesicht von China nach Deutschland und zurück fliegen muss.

Ich will einfach Wettbewerb und keine Zwangsabgaben, dann muss ich mich um solche Sachen nicht mehr kümmern.

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16 Kommentare zu “Die Last mit der Demokratie”

  1. Marcus
    11.09.2008 | 21:59

    Das wirkliche Problem ist die mangelnde Kreativität der Bahn-Werbefuzzies. Anstatt die Online-Buchung mit dem Zuckerl Rabatt zu versehen, schlagen sie den Web-Illiteraten noch ‘was auf den Preis d’rauf. Genau den selben revenue-impact hätte eine stärkere allgemeine Erhöhung der Fahrpreise nebst Onlinerabatt bewirkt.

  2. Markus
    12.09.2008 | 0:12

    Mit mangelnder Demokratie ist es wirklich eine Last.

    Schließlich will sich Mehdorns Bahn bald dem “Wettbewerb” an der Börse stellen und da sind die Kunden nur ein “Dorn im Auge”. Also mit einer Servicepauschale(!) vergraulen und dann das Staatsvermögen in Ruhe verscherbeln.

    Warum machen nur die Franzosen und die Schweizer so einen Unsinn nicht mit?

  3. 12.09.2008 | 0:18

    Dem Wettbewerb stellt man sich nicht an der Börse, sondern beim Kunden. Und Mehdorn will sicher vieles, aber das ganz bestimmt nicht.

  4. F.Alfonzo
    12.09.2008 | 4:12

    @ Rayson:

    Nö, aber wenn man sich für ein Listing entschieden hat, muss man sich zwangsläufig mal mit den Bedürfnissen der Kunden beschäftigen, weil sich jede Fehlentscheidung sofort auf den Unternehmenswert auswirkt… schließlich kann dann jeder die Aktien kaufen (in den USA läuft im Moment ein ziemlich interessanter Streit zwischen CSX (Bahnbetreiber) und einem englischen Hedge Fund, nur so als Rechercheempfehlung).

    @ Markus:

    Ich lese deinen Kommentar und komme zu dem Schluss, dass der Begriff Börsengang für dich eher ein politischer ist…
    Ansonsten ist der Kommentar relativ unlogisch:
    1. Wer Kunden vergrault, geht irgendwann pleite oder wird aufgekauft; Börsennotierte Unternehmen noch schneller, weil der Markt Unternehmenswerte gerne unter-/überschätzt (siehe die beiden Bankenfusionen/-akquisitionen in Deutschland)
    2. Der Staat hat sein Vermögen jetzt schon verscherbelt. Und mit dem, was übrig ist, wird er auch nach dem Börsengang noch Miteigentümer bleiben; es ändert sich also nichts, außer die Tatsache, dass die restlichen Anteile auch in kleinen Stücken kurzfristig ge- und verkauft werden können.

    Auch wenn’s vielleicht keinen interessiert, hier mal ein paar Fakten i.Sa. Finanzmarkttheorie:
    Der Aktienkurs (und damit der Wert) eines Unternehmens ergibt sich letztendlich aus den abdiskontierten, erwarteten Gewinnen von heute bis in alle Ewigkeit.
    Das bedeutet, dass der Aktienkurs eines Unternehmens, das kurzfristig Verluste macht und langfristig Gewinne erwartet höher ist als der Aktienkurs eines Unternehmens, das die Gewinne kurzfristig auf Kosten der langen Frist zu erhöhen versucht.
    …das nur mal als Antwort auf den immer wieder gehörten Vorwurf, Aktionäre wären nur auf kurzfristigen Gewinn aus; Aktionäre (vor allem große Aktionäre) sind i.d.R. nur halb so dumm wie Politiker, denn sie würden ihre Dummheit mit ihrem Vermögen bezahlen.
    Manager dagegen können durchaus auf kurzfristigen Gewinn aus sein (wenn sie mit Aktienoptionen vergütet werden), allerdings kann man dann davon ausgehen, dass ihre Karriere genauso ‘kurzfristig’ ist.

  5. fpk
    12.09.2008 | 8:09

    Ja. Es ist eines der größten Mißverständnisse ne Demokratie sei je besser, je mehr gesellschaftliche Bereiche politisch seien. Alles ist politisch, ist ne ziemliche Horrorvorstellung.

    Aber mal zum rein technischen. Ich seh da erheblichee Probleme, was Wettbewerb angeht, gerade beim Vernerkehr. Man kann argumentieren, es gäbe den Wettbewerb der anderen Verkehrsmittel. Bräuchte es nicht aber mindesstens zwei große Bahnunternehmen um richtigen Wettbewerb zu gewährleisten. Und müsste beim Börsengang nicht zumindets das Schienennetz von nem seperaten Betreiber organisiert werden, damit die Bahn kleinere Unternehmen nicht ausboten kann. Und hat jemand ne Ahnung, was bei der englischen Bahnprivatisierung schief gelaufen ist. Das wird ja immer gern als Negativbeispiel einer Privatisierung herangezogen.

  6. 12.09.2008 | 8:56

    @fpk: Was die Briten falsch gemacht haben? Das Schienennetz war das Problem. Die Konservativen beschlossen Anfang der 90er, British Rail in über 100 verschiedene Kleinunternehmen aufzuspalten, um Wettbewerb in den Bahnverkehr zu bringen. Das Schienennetz wurde einem Privatunternehmen namens Railtrack überschrieben, was sich aber durch grandioses Fehlmanagement auszeichnete und daher 2002 wieder vom Staat kassiert wurde. Railtrack war zwar zu Anfang durchaus profitabel und schüttete auch an die Aktionäre ordentlich Gewinn aus, aber dieser Gewinns wurde dadurch eingefahren, daß an Gleisinstandhaltungen gespart wurde und nach drei schweren Zugunglücken war es dann aus mit Railtrack. Das Schienennetz ist jetzt bei einer nichtgewinnorientierten Gesellschaft namens Network Rail, die vom Staat bezuschußt wird.

  7. 12.09.2008 | 11:47

    Dem Wettbewerb stellt man sich nicht an der Börse, sondern beim Kunden.

    Nicht bei der Bahn. Da stellt man sich dem Wettbewerb in dem man an Ausschreibungen teilnimmt. Kundenzufriedenheit ist da leider kein Auswahlkriterium und Fahrpreise für Endkunden steht nicht auf den vorderen Rängen.

  8. fpk
    12.09.2008 | 12:32

    @diskurs

    ic

  9. F.Alfonzo
    12.09.2008 | 14:15

    @fpk, zum Thema Konkurrenz:

    Nun, ich denke man muss da unterscheiden zwischen den Bahnstrecken, die das Auto oder das Flugzeug ‘als Konkurrenten’ haben und jenen, für die die Bahn die optimale Transportlösung darstellt; allerdings ist es m.W. sowieso schon so, dass die Bahn auf letzgenannten Strecken Monopolpreise kassiert und erstgenannte zum Teil sehr günstig anbietet; die Firma wird ja auch nicht nur von Trotteln geführt…

    Die Bahn ist aber grundsätzlich nicht deshalb schon ein Monopolist, weil homogene Konkurrenten fehlen; wenn jemand von Berlin nach Paris und zurück will, ist es ihm i.d.R. vermutlich ziemlich wurst, ob er den Zug oder das Flugzeug nimmt, und er entscheidet sich für die Lösung mit besserem Preis/Leistungsverhältnis (wobei mehrere Faktoren als nur der Preis eine Rolle spielen).

  10. Dirk
    12.09.2008 | 17:28

    Wobei die Dummheit bei fehlendem Wettbewerb ja schon staatliche äh stattliche Ausmaße erreicht: Man macht keine Bedienzuschläge, sondern gibt Rabatte für den Kauf am Automaten.

    Der Finanzminister macht es da schon richtiger. Statt einer Strafe für Kinderlosigkeit gibt es Kindergeld.

  11. Markus
    13.09.2008 | 21:51

    Vielleicht kann jemand von den “technischen Experten” einem hoffnungslos politischen Zeitgenossen einmal erklären, warum die Staatsbahnen in Frankreich und der Schweiz auch ohne “Wettbewerb” und Privatisierung auskommen?

  12. stefanolix
    13.09.2008 | 21:57

    Die Schweizer Bahn hat es offensichtlich durch Qualität geschafft. Würde die Deutsche Bahn ähnlich pünktlich fahren, wäre manche Diskussion überflüssig.

  13. 14.09.2008 | 0:20

    Die Monopolbetriebe kommen meistens blendend ohne Wettbewerb aus. Das ist ja das Problem.

  14. Herbert
    14.09.2008 | 19:44

    Wettbewerb ist eine gute Idee und liefert insgesamt gute Ergebnisse u.a. bei der Herstellung von Backwaren. Leider ist das mit dem Wettbewerb in anderen Bereichen schwierig, weil sie zu “natürlichen” Monopolen tendieren und Wettbewerb dort immer mit Regulierung verbunden ist. Ich kenne kein Beispiel eines funktionierenden Wettbewerbs im öffentlichen Verkehr oder im Schienenfernverkehr, das bessere Ergebnisse liefern würde als die besten regulierten Monopollösungen (die Schweiz wurde schon genannt). Das Mantra vom Wettbewerb führt da ohne intelligente Detaillösungen nach nirgendwo, hört sich aber zugegebenermaßen immer wieder kernig an.

  15. Herbert
    14.09.2008 | 20:03

    Das Beispiel de Bahnprivatisierung in UK wurde schon genannt. Auch in Neuseeland hat man sehr schlechte Erfahrungen gemacht und dann das staatliche Monopol wiederhergestellt. Es liegt aber nicht nur an den Schienen: in englischen Großstädten fuhren unter Thatcher und Major oft mehrere Busunternehmen auf denselben Straßen und konkurrierten zunächst unreguliert um die Fahrgäste. Ich habe dieses Absurdistan am eigenen Leib erfahren. Man musste auf Umsteigestrecken oft mehrmals zahlen und Dauerkarten waren idiotisch, weil man mit ihnen nur einen Teil der fahrenden Busse nutzen konnte. Das System war schlicht unwirtschaftlich und führte entweder zu Monopolen oder in einen stark durch freiwillige Vereinbarungen oder staatliche Regeln kanalisierten Wettbewerb.

  16. Markus
    16.09.2008 | 0:13

    Besten Dank an Herbert für die aufklärenden Erläuterungen.

    Und wo sind die Gegenargumente? Vielleicht gibt es gar keine. Gut.

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