Rechthaber

Achim vom A-Team nebenan tut etwas, was schon in der Realität selten ist, noch mehr aber in der Blogosphäre. Er gibt zu, sich geirrt zu haben.

Ich will jetzt nicht darüber reden, dass ein etwas verwirrter Kommentator ihm gerade deswegen Verbohrtheit unterstellt. Diese Einschätzung hat derjenige wohl exklusiv, und sie ist nicht relevant. Worüber ich gerne reden würde, steht in meiner Reaktion darauf, die auch dort in den Kommentaren zu finden ist.

Ich war in den frühen 80er Jahren, zur Hochzeit der Friedensdemonstrationen, erst in der Schule und dann “beim Bund”. Als ich zur Uni ging, war der NATO-Doppelbeschluss praktisch schon Geschichte (und die Vernichtungsdrohung wundersamerweise verschwunden).

In der Schule gab es zu meiner Zeit unter den ernstzunehmenden Kombattanten (also Klasse 10 aufwärts) maximal eine Handvoll Nichtlinker, die sich allesamt in der örtlichen Jungen Union wiederfanden. Die Zahl der Linken war ungefähr dreimal so groß, allerdings aufgeteilt unter den üblichen Fraktionen. Der größte Anteil der Linken war rückblickend im Umfeld der damaligen, sich praktisch noch findenden Grünen einzuordnen, dazu kamen eine Handvoll Juso-Sozialisten und ein bis zwei orthodoxe DKPler. Die Masse war allerdings unpolitisch, so wie heute. Obwohl, das sei zur Ehre meiner Generation gesagt, wir “Politischen” sicher auf mindestens 20% kamen, und uns untereinander in der Abneigung gegen die Uninteressierten ziemlich einig waren. Popper und Punks, das zur Info an diejenigen, die hier mehr erwarten, waren bei uns Exoten. Zwar inszenierten sich die Linken als bewusst (nach-)lässige Typen, aber auch wir waren äußerlich von denen kaum zu unterscheiden. Vielleicht nochmal zur Klärung des Zeitgeists bei uns: Im Strauß-Wahlkampf 1980 beschloss unser JU-Ortsverband, sich jeglicher Aktivitäten zu enthalten. Das war damals bei uns im Dorf “rechts”.

Die übliche Konstellation in der Oberstufe war, dass einer von uns JUlern auf ein bis vier Linke traf. Das war in Mathe eher irrelevant (obwohl es hier, sorry, auch zu einer Ungleichverteilung des Verstehens kam…), wirkte sich aber in Fächern wie Geschichte, Sozialkunde oder dem berühmt-berüchtigten Fach Gemeinschaftskunde aus. Ich weiß nicht, ob das damals normal war, aber wir bekamen viele Gelegenheiten, unsere Standpunkte zu verschiedenen politischen Fragen darzulegen. Nebenbei bombardierten wir uns mit diversen Zeitschriften.

Die Standpunkte von damals waren ungefähr folgende:

Alternative Energien gegen Kernkraftwerke - da muss ich passen, ich war damals gegen Kernkraftwerke. Unentschieden: 0:0
Real existierender Sozialismus gegen real existierenden Kapitalismus - es gab damals keinen Linken, der die westliche Form des Wirtschaftens als überlegen eingestuft hätte. Punkt für mich: 1:0
Doppelbeschluss gegen drohenden 3. Weltkrieg - die politische Durchsetzung der Stationierung der Mittelstreckenraketen beerdigte die letzten Hoffnungen der Sowjets. Punkt für mich: 2:0
Marktwirtschaft gegen Planwirtschaft - q.e.d.. Punkt für mich: 3:0
Deutsche Einheit durch Annäherung an SED oder durch Härte gegenüber Moskau - q.e.d.. Punkt für mich: 4:0

Vielleicht vergesse ich noch wesentliche andere Punkte, aber eigentlich sollte es das sein.

Der Punkt ist nun: In allen Streitfragen hatte ich einfach recht. Meine angeborene Bescheidenheit gebietet es mir zwar, nach alternativen Interpretationen zu suchen, aber mir fallen einfach keine ein. Dass die damals unterlegene Seite heute von “peinlichem Triumphgeheul” spricht, ist zwar irgendwie verständlich, kommt aber angesichts der Fakten nicht besser an als das Gejammer eines schlechten Verlierers.

Und eben das macht Achim anders. Der hat erkannt, wo er sich irrte. Das ändert überhaupt nichts an den Motiven, die ihn seinerseits dazu bewogen haben mögen, sich der Friedensbewegung anzuschließen. Ich unterstelle ihm da dieselben ehrenwerten, die ich ihm auch heute unterstelle. Er hatte eben nur die falschen Konsequenzen gezogen. Wie auch heute in Religionsfragen, nebenbei bemerkt ;-) (Gruß an Achim :-))

Karsten hat mich mal als in meinen Meinungen gefestigt charakterisiert. Er war, wie immer, höflich, meinte aber wohl “verbohrt”. Wenn dem so sein sollte, dann kennen die Leser dieses Blogs wenigstens den Grund dafür. Wer einmal unter reichlich Gegenfeuer recht behielt, wird die Wahrscheinlichkeit, dass seine weiteren Schlüsse richtig sind, nicht gerade als gering einstufen. Obwohl das, nüchtern gesehen, nur leicht wahrscheinlicher ist als das Gegenteil.

Aber man wird mir zugestehen müssen, dass ich seitdem, bevor ich aufhöre, dagegen zu argumentieren, sehr überzeugende Belege brauche. Denn das Gegenerlebnis fehlt mir noch, also in einer zentralen Frage jahrelang eine Meinung vertreten zu haben, die sich hinterher als grundlegend falsch herausstellte. Es ist alles andere als ausgeschlossen, aber eben noch nicht eingetreten. Nochmal sorry.

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29 Kommentare zu “Rechthaber”

  1. Hendrik
    16.09.2008 | 21:40

    Ich betreibe jetzt mal ein bisschen Erbsenzählerei, weil’s so viel Spaß macht:
    “Real existierender Sozialismus gegen real existierenden Kapitalismus” und “Marktwirtschaft gegen Planwirtschaft” - das sind doch wohl keine unterschiedlichen Gegensatzpaare, oder? Da kannst du dir doch nicht zweimal Punkte für geben! Ich ziehe dir einen ab, also 3:0
    “Doppelbeschluss gegen drohenden 3. Weltkrieg” und “Deutsche Einheit durch Annäherung an SED oder durch Härte gegenüber Moskau” - Mises und Hayek haben schon in den 20ern und 30ern dargelegt, dass das Sowjetsystem nicht überlebensfähig sei und früher oder später zusammenbrechen würde. Ob die eine oder andere Politik des Westens gegenüber dem Ostblock diesen Prozess beschleunigt oder verlangsamt hat bzw. hätte, ist reine Geschichtsspekulation, ich finde gute Argumente auf beiden Seiten. Von QED ist das aber weit entfernt. Im übrigen hatten deine linken Kontrahenten wahrscheinlich noch nicht einmal die deutsche Wiedervereinigung auf ihrer “Agenda”. Dass sie eine Politik unterstützt haben, die deines Erachtens nicht zu einem Ziel führte, das sie gar nicht hatten, kannst du schlecht als ihren Fehler verkaufen, also 1:0.
    “Alternative Energien gegen Kernkraftwerke” - das fällt ein bisschen aus dem Rahmen, weil es mit der Sozialismus/Kapitalismus- bzw. Ost/West-Dichotomie der damaligen Zeit eigentlich nichts zu tun hat.
    Bleibt eigentlich nur das 1:0 für die richtige Einschätzung, dass ein marktwirtschaftliches System einem sozialistischen haushoch überlegen ist. Daraus würde ich an deiner Stelle noch nicht ableiten, auch in außen- oder energiepolitischen Fragen unfehlbar zu sein.
    QED ;-)

  2. Dangerous Beans
    16.09.2008 | 21:41

    Immerhin hat die Entwicklung 84-89 belegt, dass das Appeasement der “nützlichen Idioten” eben doch in dem Sinne funktionieren kann, dass das Problem sich selbst adressiert und löst.
    Ex post kriegt man natürlich nicht genau raus, ob statt den o.g. “nützlichen Idioten” (”5.Kolonne”) nicht vielleicht doch Helmut Kohl mit seinem Aussitzen war oder gar der Strauss mit seinem Milliardenkredit (1981?) oder eben der Reagan, der die Burschen kaputtgerüstet hat, ursächlich waren.
    Dennoch: Appeasement kann erfolgreich sein (oder zumindest nicht sehr schaden ;) ). Ist halt nur so schrecklich würdelos, LOL.

  3. 16.09.2008 | 21:48

    @Hendrik

    Ok, den einen Punkt Abzug nennst du zurecht. Ich hätte den Punkt “Real existierender Sozialismus gegen real existierenden Kapitalismus” auf die politische Teilhabe beziehen sollen.

    Dass sie eine Politik unterstützt haben, die deines Erachtens nicht zu einem Ziel führte, das sie gar nicht hatten, kannst du schlecht als ihren Fehler verkaufen, also 1:0.

    Überzeugt mich nicht. Ich bleibe bei den zwei Punkten.

    Daraus würde ich an deiner Stelle noch nicht ableiten, auch in außen- oder energiepolitischen Fragen unfehlbar zu sein.

    Oh. Ich dachte, du hättest meinen Beitrag aufmerksam gelesen. Denn dann müsstest du wissen, dass ich dieses Privileg auch gar nicht in Anspruch nehme.

  4. 16.09.2008 | 21:52

    @DB

    Was für ein Appeasement? Kohl hat die von Schmidt konzipierte Linie fortgesetzt. Gegen alle Widerstände, gegen alles “Appeasement”. Sonst wäre es auch nie zu den Ereignissen von 1989 gekommen.

  5. 16.09.2008 | 21:53

    Vielleicht sollte ich als FDP-Mitglied noch hinzufügen, dass die Linie der FDP damals an außenpolitischer Konsistenz nur wenig zu wünschen übrig ließ. Im Gegensatz zu heute, leider.

  6. Dangerous Beans
    16.09.2008 | 22:03

    @Rayson:
    Es gab kein Appeasement?
    Interessant, ich habe das ganz anders in Erinnung. Allerdings war ich auch nie gegen Kernkraft. ;)

  7. Hendrik
    16.09.2008 | 22:41

    @Rayson

    Ich habe deinen Beitrag durchaus aufmerksam gelesen. Meine Formulierung war natürlich polemisch und bezog sich auf Aussagen wie
    -”Wer einmal unter reichlich Gegenfeuer recht behielt, wird die Wahrscheinlichkeit, dass seine weiteren Schlüsse richtig sind, nicht gerade als gering einstufen.” und
    -”das Gegenerlebnis fehlt mir noch, also in einer zentralen Frage jahrelang eine Meinung vertreten zu haben, die sich hinterher als grundlegend falsch herausstellte.”
    Ich halte es aber für nicht so offensichtlich, dass du “unter reichlich Gegenfeuer recht” behalten hast, aus oben genannten Gründen. Leider hast du nicht geschrieben, warum sie dich nicht überzeugen.

  8. 16.09.2008 | 22:50

    @Hendrik

    Du ignorierst aber vollständig z.B. den letzten Satz des vorletzten Beitrags. Absichtlich?

    Ich halte es aber für nicht so offensichtlich, dass du “unter reichlich Gegenfeuer recht” behalten hast, aus oben genannten Gründen.

    Aus den oben genannten Gründen weist du mir höchstens nach, dass ich nicht in so vielen Punkten recht behalten habe, wie ich meine, indem du die Zahl der strittigen Punkte selbst reduzierst. Am Rechthaben ändert das allerdings nichts.

    Es würde m.E. hier etwas zu weit führen, auf deine Argumente einzugehen, warum die Fragen zum Doppelbeschluss und zur deutschen Einheit zusammen zu betrachten seien. Ich schätze, die meisten Leser werden es selbst herausfinden, warum dies nicht so ist. Aber bei Bedarf kann ich natürlich noch mit einer Argumentation dienen.

  9. 16.09.2008 | 22:53

    [...] Veröffentlicht in September 16, 2008 von momorulez Na, wo ich jetzt schon des “schlechten Verlierertums” bezichtigt werde, womit ich als Replik auf “peinliches Triumphgeheul” freilich [...]

  10. konkurrenz
    16.09.2008 | 23:34

    Es gibt doch nichts Geileres als diese Bekenntnisliteratur! Wenn einer mal wirklich die Hosen runter lässt und tiefe Blicke in seine vollgeschissenen Hosen zulässt. Dieser Abgrund an Selbstgerechtigkeit wird kaum übertroffen von einem Selbstmitleid, das ein Linker so nicht hinkriegen würde.

  11. Dangerous Beans
    16.09.2008 | 23:42

    Ich kann Rayson aber verstehen und es ist beizeiten angebracht auch einmal die eigenen Erfolge bzw. Denkleistungen herauszustellen.
    Selbstmitleid kann ich allerdings nicht erkennen, überhaupt ist Rayson doch eher jemand, der frei von Leidensdruck Sacharbeit leistet. Klar, in Stilfragen ist da einiges auszusetzen, da sind andere besser, aber die Sacharbeit ist OK.

  12. 16.09.2008 | 23:42

    @konkurrenz

    Ich würde dir ja gerne helfen, aber dazu brauche ich mehr Informationen. Wie z.B. war das Verhältnis zu deinem Vater?

  13. Hendrik
    17.09.2008 | 0:14

    @Rayson

    Ja, absichtlich. ;-)

    Die Fragen zur Wiedervereinigung und zum Doppelbeschluss kannst du meinetwegen auch wieder entkoppeln. Ist vielleicht auch besser so, denn Schmidt, Thatcher und Reagan hatten bestimmt alles andere als die deutsche Wiedervereinigung auf dem Schirm. Ändert aber nichts an dem Punktekonto.

    Ich bin aber ein wenig verwundert, wie verbissen du diese Diskussion führst, die von mir ja nur als kleiner Seitenhieb begonnen wurde.

    Ich war damals FÜR Kernkraft, aber GEGEN den Doppelbeschluss. Ich wüsste nicht, wie man heute sagen könnte, wer von uns “recht gehabt” hat.

  14. 17.09.2008 | 0:20

    Gruss zurück Rayson. Recht hattet “Ihr” schon - aber wir hatten mehr Sex, Drugs & Rock’n'Roll. Und Zappa* setze ich nach wie vor allemal gegen Davila. Aber vielleicht erscheint mir doch eines Tages ein Gottesbote und verpasst mir Treffer Nr. 5, und dann ist es endgültig vorbei mit meinem antiautoritären Grundbefinden, wer weiss? ;-)

    btw: spassig an der Diskussion auf verschiedenen Blogs finde ich, mit welcher Begeisterung sich da einige meinen alten Schuh vom VEB nützlicher Idiot anziehen wollen - nur um sich umgehend beschweren, dass er ihnen keineswegs passe :D

    (*”Ohne Abweichung von der Norm ist Fortschritt nicht möglich.”)

  15. 17.09.2008 | 0:22

    @Hendrik

    Ich bin aber ein wenig verwundert, wie verbissen du diese Diskussion führst, die von mir ja nur als kleiner Seitenhieb begonnen wurde.

    Wirklich? Mea culpa.

    Ich war damals FÜR Kernkraft, aber GEGEN den Doppelbeschluss. Ich wüsste nicht, wie man heute sagen könnte, wer von uns “recht gehabt” hat.

    Ich wüsste es. Was die Atomenergie angeht, sehr situationsbedingt, aber was den Doppelbeschluss betrifft: keine Zweifel.

  16. 17.09.2008 | 0:23

    @Achim

    Wie immer, haben die Konvertiten den genaueren Blick. Du bestätigst das.

  17. Hendrik
    17.09.2008 | 0:53

    Ich wüsste es…
    keine Zweifel

    Na gut, du Erleuchteter, dann brauchen wir wirklich nicht mehr weiter zu reden.

  18. 17.09.2008 | 0:58

    @Hendrik

    Sorry, dass ich der Meinung bin, recht zu haben. Muss wohl extrem ungewöhnlich sein.

  19. Michel
    17.09.2008 | 11:19

    @ Rayson: Das finde ich sowieso faszenierend an den Linken. Sie vertreten, dass es soetwas wie Wahrheit garnicht gebe, sind aber trozdem bereit, die Menschen zu enteigenen oder in Arbeitslager zu stecken.

  20. 17.09.2008 | 11:31

    [...] Highlights des politischen Florettfechtens Veröffentlicht in September 17, 2008 von momorulez “Das finde ich sowieso faszenierend an den Linken. Sie vertreten, dass es soetwas wie Wahrheit… [...]

  21. 17.09.2008 | 11:46

    @ Rayson: Das finde ich sowieso faszenierend an den Linken. Sie vertreten, dass es soetwas wie Wahrheit garnicht gebe, sind aber trozdem bereit, die Menschen zu enteigenen oder in Arbeitslager zu stecken.

    Das Schlimmste daran ist ja, dass die Linken sich selbst wiederum eine “Wahrheit” zugestehen und ihr Verhalten dann damit legitimieren, indem sie dann mit schlecht definierten Sammelbegriffen wie “die Rechte” ganzen Gruppierungen ohne weitere Ausdifferenzierung komplett mit den radikalsten Vorwürfen belegen (wollen die Mehrheit der Bevölkerung verarmen und Kinder in Sweatshops und Kohlebergwerken arbeiten lassen). Schreckliches Verhalten sowas, gell?

  22. R.A.
    17.09.2008 | 11:55

    Schon interessant, solche Rückblenden.
    Und da machen wenig Jahre Unterschied schon etwas aus.

    Die Jahrgänge über uns waren noch sehr links, vom Vietnamkrieg geprägt und in weiten Bereichen mit Verständnis für die RAF.

    Für unseren Jahrgang (1960) war Vietnam Geschichte und völlig unwichtig.
    Und beim Thema Terrorismus waren wir geprägt vom Münchner Massaker 1972, von Schleier-Entführung und Entebbe: Die ganz Jahrgangsstufe haßte die Terroristen mit Entschlossenheit, nach den Stammheim-Selbstmorden herrschte im Klassenraum fröhliche Ausgelassenheit (unser Deutschlehrer hätte sich fast verzweifelt aus dem Fenster gestürzt).
    Weitgehenden Konsens gab es auch darüber, daß die DDR/Planwirtschaft Mist sei.

    Ansonsten aber war die vorherrschende Stimmung immer noch links. Sozial-liberal war normal, die entscheidenden Debatten liefen zwischen dem linken Flügel der Jungdemokraten (Kollege Rainer H. vom Landkreis) und den gemäßigten Jungdemokraten (das war ich vom Stadtverband).
    Die Jusos plapperten dann im mäßiger Qualität nach, was Rainer formuliert hatte.
    Und eine JU gab es im politischen Sinne nicht - die organisierten nur gepflegte Besäufnisse.

    Und die Themen waren eben die Nachrüstung, die Atomkraft und die Trennung von Kirche und Staat.

    Diese Konfliktlinien führten ja dann wenige Jahre später zur Trennung der Jungdemokraten bzw. der Gründung der Julis und der Grünen.

    Wobei es Kollege Rainer H. wohl ähnlich wie Achim erging - er ist heute immer noch aktiver FDPler.

  23. Michel
    17.09.2008 | 11:59

    @ Björn: Ach komm von Zeit zu Zeit muss man auch zu Verkürzungen greifen. Wenn die Vorwürfe auf dich nicht zutreffen, dann fühle dich auch nicht gemeint.

  24. 17.09.2008 | 12:37

    Und eine JU gab es im politischen Sinne nicht - die organisierten nur gepflegte Besäufnisse.

    Warum das Präteritum? Das scheint mir heute noch so zu sein. Und durchaus im Sinne einer konservativen Parteijugend vernünftig zu sein. Es ist schließlich nicht der Sinn konservativer Politik, sich Gedanken über neue Wege zu machen, wie es die anderen Jugendorganisationen tun. Bei der JU geht es doch mehr darum, die fähigsten Alphatiere für später zu ermitteln, die dann auf den ausgetretenen Pfaden voranschreiten…

  25. R.A.
    17.09.2008 | 13:02

    Das scheint mir heute noch so zu sein.

    Stimmt wohl weitgehend - obwohl ich auch schon politisch sehr interessierte und kompetente Konservative getroffen habe. Aber das ist schon die Ausnahme.

    Generell galt eigentlich lange Zeit (also auch noch zu Studienzeiten), daß JU/RCDS und Julis/LHG gut feinern konnten - während es bei den Linken generell trübe zuging.

    Gut politisch diskutieren konnte man dagegen nur mit den Jusos. Die Rechten waren zu schlicht, die Grünen zu naiv und die Ganzlinken zu verbohrt.

    Daß es offenbar bei den Sozialdemokraten (jung wie alt) immer weniger Leute gibt, die wirklich fundiert politisch denken und argumentieren können, scheint mir die eigentliche Ursache der SPD-Krise zu sein.

  26. Herbert
    17.09.2008 | 13:59

    Ich war damals auch beim Bund, weil ich beim besten Willen nicht glauben konnte, dass an der Abschreckung etwas falsch war. Schließlich bewahrte sie die Halbstarken von der anderen Seite vor einer Dummheit.
    Gerade deshalb melde ich aber Zweifel an am Ausgangspunkt des Artikels beim A-Team: selbstverständlich gab es beim Warschauer Pakt Planspiele über nukleare Erstschläge. Es gab wie aber ebenso selbstverständlich auch bei uns. Die Standardfloskel heißt dazu immer: “Wir haben alle möglichen Pläne”. Das beweist keinesfalls, dass der nukleare Erstschlag als Option ernsthaft erwogen wurde oder primäre Strategie war, und schon gar nicht, dass diese Option erst durch den NATO-Doppelbeschluss vom Tisch kam. Die NATO war auch vorher nicht wehrlos. Wer gegen den NATO-Doppelbeschluss war, braucht sich also nicht widerlegt zu fühlen. Wer waffenlos und mit ziviler Abschreckung dem Feind gegenübertreten wollte, hat da schon eher ein Problem.

  27. Friedemann Schlehdorf
    17.09.2008 | 16:43

    Alter schützt vor Torheit nicht, das beweist Helmut Schmidt genauso wie Achim.

    ["Namedropping" gelöscht, R.]

  28. Herbert
    17.09.2008 | 17:25

    @ Friedemann Schlehdorf
    Helmut Schmidt ist auch im hohen Alter kein Tor. Gerade in außenpolitischen Fragen hat der Mann mit fast 90 noch eine Wachheit und eine Klarheit, die andere ihr ganzes Leben nicht einmal streifen. Ich bewundere ihn als politischen Denker und Menschen sehr. Lesen Sie als Beispiel einmal sein Buch “Die Mächte der Zukunft”! Wir könnten Aussenpolitiker wie ihn sehr gut gebrauchen. Bei Lafontaine schießt er allerdings, vermutlich wegen der persönlichen Fehde, ein kleinwenig über das Ziel hinaus.

  29. 18.09.2008 | 8:11

    @”Friedemann Schlehdorf”: Lieber Carsten, was soll eigentlich das Namedropping? Mein Nick ist jo@chim - das gilt auch für Carsten R.

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