Im Konzern

Jeder, der schon einmal für ein US-Unternehmen in Deutschland gearbeitet hat, kennt das: Ein Problem, das bei der Konzernmutter in den USA auftritt, hat per Richtlinie auch in den Tochtergesellschaften in aller Herren Länder gelöst zu werden. Ob es da eine Rolle spielt oder nicht.

So etwas Ähnliches versuchen die Amis jetzt wohl auch. Oder wollen sie nur verhindern, dass man woanders auf eine intelligentere und weniger schädliche Lösung kommt? Kaum vorstellbar, schließlich freut sich auch die US-Volkswirtschaft über konsumierende Germanen. Sehr gut vorstellbar, schließlich geht es den konkret Verantwortlichen vor allem darum, ihren Arsch zu rettet (und die der Buddys aus der Finanzwelt).

Die deutschen Fanny Maes haben meist ein “LB” am Ende, und denen wird natürlich diskret mit unserem Geld geholfen. Schon um - siehe oben unter “Arsch” - Leuten wie dem ehrenwerten Herrn Huber die allerpeinlichsten Fragen zu ersparen. Peinliche muss er schon genug beantworten.

Aber sonst? Welchen Grund sollten wir hierzulande haben, andere für Unwissen und unverhältnismäßige Risiken zu belohnen? Zu viele verwechseln Wirtschaft mit Börse. Klar hat sich “die Börse” gefreut, als der Rettungsplan bekannt wurde. Bedeutet er doch, dass die Verantwortlichen die Konsequenzen nicht tragen müssen. Mit “Marktwirtschaft” hat das nichts mehr zu tun. Das ist mehr Stamokap.

Auf ein Neues!?

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73 Kommentare zu “Im Konzern”

  1. Max
    21.09.2008 | 20:13

    ..Ich hatte da schon so eine Ahnung, als der große Rettungsplan der US-Regierung durch die Medien ging. Die gesamten Kosten dieses Desasters nur den US-Steuerzahlern aufzubürden, ist für Bush und Nachfolger natürlich auch keine sehr angenehme Aussicht.

  2. Parker8
    21.09.2008 | 20:44

    Die deutschen Fanny Maes haben meist ein “LB” am Ende

    nicht am Anfang?

  3. 21.09.2008 | 20:48

    Meist. Oder weißt du mehr?

  4. 21.09.2008 | 21:53

    [...] Im Konzern [Rayson, B.L.O.G.] [...]

  5. Markus
    21.09.2008 | 23:57

    Daß in diesem Blog Kritik an der Wirtschaft geübt wird und dann auch noch am Herzstück des modernen Kapitalismus, den internationalen Finanzmärkten, ist schon bemerkenswert und spricht aber für die Konsequenz der “bissigen Liberalen”.

    Wer allerdings die staatlichen Landesbanken für das angerichtete Finanzdesaster gleich mit “verhaften” will, sollte bedenken, daß sich diese in den letzten Jahren nach neoliberalen Reformdirektiven in ihrem Geschäftsgebaren ausgerichtet haben. Und das war eindeutig “marktkonform”, wie das der privaten Pleitebanken in den USA.

  6. F.Alfonzo
    22.09.2008 | 3:30

    Aha, neoliberale Reformdirektiven, so war das also.

    Vielleicht wäre es besser, mal nüchtern auf die Fakten zu sehen:
    Die Leute, die Staatsbanken beaufsichtigen haben einfach keine Ahnung davon und tragen kein Risiko; die, die Privatbanken beaufsichtigen wenigstens zum Teil schon.
    Man muss doch bei Gott kein Prophet sein um vorhersehen zu können, was passiert, wenn die Entscheidungsträger einer Bank deren Risiko auf die Allgemeinheit überwälzen können.

    …und eine Reform, an deren Ende nicht die Privatisierung der Staatsbanken steht, hat mit (neo-)liberalismus nichts zu tun, das ist sozialdemokratische Politik wie sie leibt und lebt.

  7. fpk
    22.09.2008 | 3:41

    Ich finde “Sozialismus für die Reichen” ja auch immer noch einen ganz schönen Titel für das Stück, das da grad gegeben wird.

  8. Freie Radikale
    22.09.2008 | 21:51

    Dass die US-Regierung jetzt mit hunderten „Billion Dollars“ interveniert ist zugegeben nicht nach meinem Geschmack. Ich hätte es lieber gesehen, wenn die sich selbst entsorgenden Kadaver in Frieden von uns gegangen wären. Da aber das Begräbnis wahrscheinlich nicht allzu feierlich ausgefallen wäre, vertraue ich darauf, dass die Federal Reserve das Richtige zur richtigen Zeit tut.

    All jene, die jetzt mit dem Finger nach Amerika zeigen und „Sozialismus“ geifern, sollten mal kurz den Wahnsinn vergegenwärtigen, der hierzulande Tag für Tag den „Markt“ mit Steuer-Millionen auf den Kopf stellt. Das Vorgehen der US-Regierung zeigt exemplarisch, dass in den Staaten nicht idiologisch, sondern pragmatisch gehandelt wird. Diesen Unterschied wird der gemeine Sozialpädagoge hier wohl nie verstehen.

  9. hw
    22.09.2008 | 23:16

    All jene, die jetzt mit dem Finger nach Amerika zeigen und „Sozialismus“ geifern, sollten mal kurz den Wahnsinn vergegenwärtigen, der hierzulande Tag für Tag den „Markt“ mit Steuer-Millionen auf den Kopf stellt

    Subventionen und Steuererleichterungen für bestimmte Bereiche gibt es auch in Amerika. Diese bevorteilen nun mal die landeseigene Wirtschaft, um die sich der Poltiker kümmert. Er wird u.a. gewählt um nationale Wirtschaftsinteressen zu vertreten und nicht, um das Beste für die Weltwirtschaft heruaszuholen - wobei es natürlich fraglich ist, ob ein unkontrollierter Markt immer sinnvoll ist.

  10. Markus
    23.09.2008 | 0:23

    @ F.Alfonzo

    Humor hast du ja wenigstens! Die Leute, die die Privatbanken beaufsichtigen haben also Ahnung und tragen Risiken - besonders anschaulich derzeit in den USA zu besichtigen. Die Privatisierung von öffentlichen Banken in dieser Situation zu empfehlen, ist dann schon kraß. Wenn sich die Landesbanken wieder an ihren öffentlichen Auftrag halten würden und sich nicht wie private Banken gebärden würden, könnten sie auch fürs Gemeinwesen nützlich sein.

    Im übrigen ist das deutsche Bankensystem bisher jedenfalls stabiler als das amerikanische.

    @ Freie Radikale

    Vertrauen auf die FED zu setzen, ist gut, Kontrolle aber besser!

    Es stimmt aber schon, daß man in den USA weniger ideologisch ist, dafür aber pragmatischer in der Politik zu Werke geht. Könnte uns hierzulande auch ganz gut tun. Das übermäßige Vertrauen in die Selbstheilungskräfte der Märkte muß aber doch ideologisch angehaucht gewesen sein.

  11. Freie Radikale
    23.09.2008 | 0:58

    @hw

    Klar gibt es Steuererleichterungen. Für manche Steuerzahler kann es jedoch einen kleinen aber feinen Unterschied ausmachen, ob neue „Mitspieler“ einen Steuer-Gutschein erhalten oder ob ihnen zur Begrüßung der Laden eingerichtet wird. Gut, DAX-Konzerne mag das wahrscheinlich nicht tangieren. Dieses Phänomen ist aber zunehmend auch auf dem ganz normalen Arbeitsmarkt zu beobachten. In meiner Gegend bekommst du in vielen Branchen nur noch einen Job, wenn du einen Scheck vom Arbeitsamt mitbringst.

    @Markus

    Vertrauen auf die FED zu setzen, ist gut, Kontrolle aber besser!

    Richtig. Frag doch mal bei der Reichsbankdirektion in Berlin nach, ob die nicht den Job übernehmen können.

  12. F.Alfonzo
    23.09.2008 | 1:57

    @Markus:

    Man kann eine deutsche Bank (welche auch immer) nicht mit einer amerikanischen (welche auch immer) vergleichen, wohl aber eine deutsche Privatbank mit einer deutschen Staatsbank; und hier zeigen sich die Unterschiede schon…
    …zumindest kann niemand mehr behaupten, Privatbanken wären auf der Suche nach Renditesteigerung so gierig, dass sie unkontrollierbare Risiken eingehen; die Skandale und die geballte Unfähigkeit konzentrieren sich schon sein geraumer Zeit bei den Staatsbanken.
    …gegeben diese Tatsachen finde ich es krass, wenn mehr staatliche Kontrolle oder gar (hört man auch gelegentlich) die Verstaatlichung des gesamten Bankenwesens gefordert wird, denn offensichtlich funktioniert das ja nicht so richtig, oder?

  13. Herbert
    23.09.2008 | 9:42

    Vom liberalen Standpunkt besonders interessant ist das Short-Selling-Verbot für Finanzaktien, das die Internationale der Stamokaps praktisch weltweit durchgesetzt hat. Gestern ist auch GM noch auf die Liste der Aktien geraten, die man nur noch kaufen darf, damit sie nicht fällt und das (ungerechtfertigte) “Vertrauen” in die Finanzmärkte untergräbt. Die Firma ist pleite, aber die Aktie darf aus übergeordneten Gründen nicht fallen. Lol!
    Die Deutschen vertun sich wahrscheinlich, wenn sie glauben, sie hätten solche Probleme mit Regulierung vermeiden können. Aber das ist natürlich gar kein Grund, das zu tun, was Paulsen verlangt, und mehr zu zahlen als die Schäden der EIGENEN Dummheit. Paulsen soll mit dem Geld der US-Steuerzahler machen, was er will.

  14. F.Alfonzo
    23.09.2008 | 12:25

    Aus liberaler sich ebenfalls interessant, was an den Börsen so passiert ist, nachdem die $700 Mrd. Geldspritze angekündigt worden ist:
    Der Dollar hat intraday den größten Kursverlust aller Zeiten ggü. dem Euro erfahren, als direkte Folge ist der Ölpreis so stark gestiegen wie niemals zuvor an einem einzigen Tag (ca. 25$).
    …so löst man ein Problem und erschafft 10 neue.

  15. 23.09.2008 | 12:57

    M.E. ist das, was wir mit dem jetzt gerade in der Pipeline befindlichen Rettungspaket erleben zu erheblichem Teil eine Folge der (Un-) Tätigkeit von Aufsichtsbehörden und aus deutscher Sicht - der Geschäftstätigkeit auch staats- und landeseigener Banken, die - wie oft schon gehört “ohne wirkliches Geschäftsmodell”, aber hochriskant atbeiten. Wenn niedrige Zinsen für Förderprogramme durch hochspekulative und nicht marktrationale Käufe von US-Immobilienanleihen erkauft bzw. erwirtschaftet werden, zeigt sich die Unfähigkeit staatlicher Institutionen, am Markt so zu agieren, dass der eigentliche Geschäftszweck (z.B. “Wiederaufbau” (KfW)) erfüllt werden kann. Bin mal gespannt, ob die KfW ihre derzeitigen Programme und vor allem Konditionen noch annähernd aufrechterhalten kann.
    Die 500 Mill EUR-Posse ist da nur ein Tüpfelchem auf dem “i”.

  16. hw
    23.09.2008 | 20:31

    @ Freie Radikale:

    Dieses Phänomen ist aber zunehmend auch auf dem ganz normalen Arbeitsmarkt zu beobachten. In meiner Gegend bekommst du in vielen Branchen nur noch einen Job, wenn du einen Scheck vom Arbeitsamt mitbringst.

    Mal wieder ein Beispiel wie Subventionen missbraucht werden, um sich persönlich zu bereichern. Auch deshalb macht es Sinn fast alle Subventionen abzuschaffen. Das Blöde hierbei ist, das man dies international regeln müsste, da sonst Personen und Unternehmen einfach dorthin gehen würden, wo weiterhin subventioniert wird.

    @ Rayson:

    Welchen Grund sollten wir hierzulande haben, andere für Unwissen und unverhältnismäßige Risiken zu belohnen?

    Hierzulande wahrscheinlich keinen. Aber ohne diese Milliarden gehen in den USA vermutlich Tausende von Arbeitsplätzen verloren, ohne dass in anderen Branchen genügend neue entstehen. Der Staat muss dann eben die Arbeitslosigkeit finanzieren. Und hat ein Arbeitsloser zu lange nicht mehr in seinem erlernten Job gearbeiet, muss dieser auch fortgebildet werden. Diese Aufgabe wird dann vermutlich auch die Staatskasse zu tragen haben.

  17. 23.09.2008 | 20:41

    @hw

    Mir schon klar, dass die das so sehen. Nur ist das sehr kurzfristig gedacht, weil damit ein klares Zeichen gesetzt wird, dass Unternehmen nur groß genug sein müssen, um quasi eine Staatsgarantie bieten zu können. Das ist eine Einladung zu neuem Zocken.

    Nein, irgendwann muss der Staat mal in den sauren Apfel beißen und die Luft aus dem System lassen. Sonst stellt sich dasselbe Problem in ein paar Jahren nochmal, nur eine Dimension größer.

  18. Michel
    23.09.2008 | 21:11

    @ hw: International regenl müsste man das nicht, die Subventionen werden schließlich aus Steuermittel bezahlt, wenn andere Staaten mit Subventionen bestimmte Personen und Unternehmen zu sich locken, werden sie andere durch die dafür erhobenen Steuern zu uns vertreiben.

  19. hw
    23.09.2008 | 21:27

    @michel:

    Das stimmt leider nicht ganz. Subventionen verzerren den Markt und der ist nunmal international. Des Weiteren bekommt nicht jeder gleich viel Subventionen, aber alle würden im Idealfall ohne Subventionen gleich viel Steuern zahlen (Steuer-Progression und existenzsichernde Freibeträge mal ausgeschlossen). D.h. ein hier momentan geförderter Windkraftanlagenbauer spart vielleicht 10% Steuern, bekommt aber 0€ Subvention und muss deshalb eben doch umsiedeln oder Insolvenz anmelden.

    @ Rayson:

    Den Finanzunternehmen ist denke ich mal klar, dass sie nicht ein zweites Mal gerettet werden und werden dementsprechend nicht mehr so viel Risiko eingehen. Wie das in anderen Bereichen aussieht, da hab ich keine Ahnung.

    Außerdem ist Wirtschaftspolitik auch Machtpolitik. Lässt die USA alle ihre Banken pleite gehen, freuen sich Wettberwerber zb aus Asien, die dann an deren Stelle treten. Dies würde den Machteinfluss der USA in der Welt verringern und dies wiederum hat noch jede US-Regierung versucht zu verhindern.

    Was schlägst du denn konkret für Maßnahmen vor, um Luft aus dem System zu lasssen?

  20. Michel
    23.09.2008 | 21:45

    @ hw: Verzerrungen würde es schon geben, aber eben kein Nettoverlust an Kapital und Qualifizierten, wie du es nahegelegt hast. Dass sich nicht tragfähige Geschäftsmodelle, wie die Windkraft, verabschieden ist doch gerade der Sinn von Subventionsabbau. Also von hier besteht auch keine Gefahr.

    „Den Finanzunternehmen ist denke ich mal klar, dass sie nicht ein zweites Mal gerettet werden und werden dementsprechend nicht mehr so viel Risiko eingehen.“

    Warum sollte der Staat in einer ähnlichen Situation anderes handeln?

  21. hw
    23.09.2008 | 22:23

    Wenn die Subventionen rigoros nur in Deutschland abgebaut werden, gibt es national betrachtet Wohlstandverluste. Der globalen Wirtschaft indes wird natürlich kein Kapital entzogen.

    Warum sollte der Staat in einer ähnlichen Situation anderes handeln?

    Würde sich nochmals so eine Situation ergeben, hat der Staat ungeleich größere Probleme, die benötigten Milliarden aufzutreiben. Er bekommt weniger Kredit oder muss höhere Zinsen zahlen. Und dem Steuerzahler, der ja auch Wähler ist, muss die Regierung glaubhaft erklären können, warum seine Steuergelder andauernd zum Fenster hinaus geschmisssen werden

  22. 23.09.2008 | 22:37

    @hw

    Wenn die Subventionen rigoros nur in Deutschland abgebaut werden, gibt es national betrachtet Wohlstandverluste.

    Das halte ich für ein Gerücht. Subventionen erhöhen den Wohlstand nicht, sie verringern ihn.

    Was schlägst du denn konkret für Maßnahmen vor, um Luft aus dem System zu lasssen?

    Forderungen müssen abgeschrieben werden. Ganz oder teilweise. Wenn das nicht geht, gibt es zwei andere Methoden: Währungsreform oder Inflation.

    Würde sich nochmals so eine Situation ergeben, hat der Staat ungeleich größere Probleme, die benötigten Milliarden aufzutreiben.

    Wieso? Er kann erstens Geld drucken lassen und zweitens Steuern erheben. Ein Staat wie die USA oder Deutschland wird immer Geldgeber finden.

    Und dem Steuerzahler, der ja auch Wähler ist, muss die Regierung glaubhaft erklären können, warum seine Steuergelder andauernd zum Fenster hinaus geschmisssen werden.

    Sie wird es machen wie du vorhin. Steuergelder jetzt oder nationales Chaos. Und schon fließt die Knete.

  23. Michel
    23.09.2008 | 22:38

    @ hw: “Wenn die Subventionen rigoros nur in Deutschland abgebaut werden, gibt es national betrachtet Wohlstandverluste.”

    Nein das Gegenteil ist richtig, wie kommst du denn darauf?

    “Würde sich nochmals so eine Situation ergeben, hat der Staat ungeleich größere Probleme, die benötigten Milliarden aufzutreiben.”

    Nein die Staatsverschuldung berägt bereit ~6 Billionen Dollar eine mehr oder weniger beeinflust die Fähigkeit zur Kreditaufnahme nicht. Die Wähler um die Finger wickeln, muss der Staat auch heute schon. Das gelingt immer, wenn man die Alternativen nur düster genug ausmalt.

  24. Fuchur
    23.09.2008 | 22:42

    Von einer Blanko-Garantie auf Hilfe vom Staat können selbst große Unternehmen nicht ausgehen, wie man am Beispiel von Lehman Bros. oder auch der Barings Bank damals sehen kann.
    Deshalb halte ich das “Abschreckungspotential” einer möglichen Pleite nach wie vor für hoch genug.

  25. 23.09.2008 | 22:47

    @Fuchur

    Von einer Blanko-Garantie auf Hilfe vom Staat können selbst große Unternehmen nicht ausgehen, wie man am Beispiel von Lehman Bros. oder auch der Barings Bank damals sehen kann.

    Es geht letztlich um Wahrscheinlichkeiten. Und die Wahrscheinlichkeit, von einer Staatsgarantie abgefedert zu werden, wäre, wenn der Bailout-Plan Realität würde, zwar nicht 100% aber doch deutlich über 50%. Und jeder Prozentsatz über Null ist einer zuviel.

  26. hw
    23.09.2008 | 22:54

    Das halte ich für ein Gerücht. Subventionen erhöhen den Wohlstand nicht, sie verringern ihn.

    Warum wurden sie dann denn nicht schon lange abgeschafft?
    Nehmen wir mal an alle Subvention für die Landwirtschaft in Deutschland wird gestrichen. Vermutlich gingen dann die meisten Bauern und Betriebe pleite und es würde viele, viele Jahre dauern, bis es sich finanziell wieder lohnt, hier etwas anderes wie Mohn, Hanf oder andere Drogen anzubauen. Des Weiteren wäre Deutschalnd in diesem Zeitraum nicht nur von ausländischen Energielieferungen abhängig, sondern auch von ausländischen Nahrungsmittelproduzenten. Ob dies nicht wohlstandschädigend ist, wage ich stark zu bezweifeln.

  27. 23.09.2008 | 23:02

    @hw

    Warum wurden sie dann denn nicht schon lange abgeschafft?

    Das steht in Mancur Olsons “Logic of Collective Action”, beschrieben hier.

    Vermutlich gingen dann die meisten Bauern und Betriebe pleite

    Die Faustkeilhersteller haben dasselbe Schicksal erlitten.

    Des Weiteren wäre Deutschalnd in diesem Zeitraum nicht nur von ausländischen Energielieferungen abhängig, sondern auch von ausländischen Nahrungsmittelproduzenten.

    Wenn wir nicht gerade einen Krieg gegen den Rest der Welt anzetteln wollen, braucht uns das nicht zu interessieren. Wer in Marktbeziehungen von wem abhängig ist, scheint eine beliebige Sichtweise zu sein. Richtig ist: Entweder sind beide Seiten voneinander abhängig oder keine ist es.

  28. hw
    23.09.2008 | 23:04

    Forderungen müssen abgeschrieben werden. Ganz oder teilweise. Wenn das nicht geht, gibt es zwei andere Methoden: Währungsreform oder Inflation.

    Abschreibungen gab es bei den Banken schon reichlich und es hat scheinbar nicht ausgereicht. Also zu den anderen Methoden: Inflation verzögert nur die Währungsreform. Und die Währungsreform nützt ja auch nur etwas, wenn zeitgleich alle Auslandsschulden nicht mehr bedient werden. Das würde viele Ländern nicht gefallen, wenn ihre Währungsreserven und US-Staatsanleihen plötzlich wertlos sind.

    Wieso? Er kann erstens Geld drucken lassen und zweitens Steuern erheben. Ein Staat wie die USA oder Deutschland wird immer Geldgeber finden.

    Geld drucken erzeugt Inflation und eine zu schwache Währung nutzt dem Land nichts. Irgendwann bei zu hoher Verschuldung wird die USA keinen Geldgeber mehr finden.

    Sie wird es machen wie du vorhin. Steuergelder jetzt oder nationales Chaos. Und schon fließt die Knete.

    Ich habe nur wenige Beweggründe genannt, die für ein solches Programm sprechen. Ob dies wirklich etwas nutzt, das weiß ich nicht und wird sich in der Zukunft zeigen.

  29. 23.09.2008 | 23:12

    Abschreibungen gab es bei den Banken schon reichlich und es hat scheinbar nicht ausgereicht.

    Exakt.

    Dass die anderen Methoden schmerzlos seien, habe ich nicht behauptet. Keiner der vernünftigen Ansätze ist das. Aber diejenigen, die einen schmerzlosen Ausweg versprechen, sind die Scharlatane.

    Geld drucken erzeugt Inflation und eine zu schwache Währung nutzt dem Land nichts.

    Der Staat wird seine Schulden los. Und eine schwache Währung ist geil für den Export. Nicht umsonst war das eine der Lieblingsmethoden Italiens.

    Irgendwann bei zu hoher Verschuldung wird die USA keinen Geldgeber mehr finden.

    Sag mir Bescheid, wenn sich erste Anzeichen zeigen. Momentan deutet nichts darauf hin.

  30. hw
    23.09.2008 | 23:26

    Zu den Subventionen:

    Die Theorie ist zwar in sich logisch und einleuchtend, verstehe aber nicht so ganz, was sie mit nicht realisiertem Subventions-Abbau zu tun hat.

    Die Faustkeilhersteller haben dasselbe Schicksal erlitten.

    Mag ja sein, aber nicht weil irgend jemand Subventionen abgebaut hat, sondern weil ihr Produkt nicht mehr zeitgemäß war. Nahrung wird allerdings immer benötigt.

    Richtig ist: Entweder sind beide Seiten voneinander abhängig oder keine ist es.

    Damit hast du wohl recht, aber nur wenn Deutschland nicht der wichtigste Abnehmer eines bestimmten Produktes eines Landes ist oder aber sich genügend andere Länder, bei denen Deutschland dann “Kunde” wäre, nicht zu einem Kartell zusammen tun.

    ——————————————————————-

    Zum Rest:

    Der Staat wird seine Schulden los. Und eine schwache Währung ist geil für den Export. Nicht umsonst war das eine der Lieblingsmethoden Italiens.

    Alles was geil für den Export ist, ist ungeil für den Import. Kein Land hat alle Dinge, die es benötigt, auf seinem Staatsgebiet.

    Der Staat, hier die USA, wird seine Schulden nur dann los, wenn er sie in Dollar bezahlen darf. In Fremdwährung sieht das ganz anders aus.

    Sag mir Bescheid, wenn sich erste Anzeichen zeigen. Momentan deutet nichts darauf hin.

    Staaten bekommen auch bei hoher Verschuldung noch lange Kredit. D.h. aber nicht, dass sie diese Schulden dauerhaft abbbezahlen oder dass sie immer neue Kredite bekämen. Den Sowjets wollte scheinbar auch niemand auf Dauer Geld leihen.

  31. Markus
    24.09.2008 | 0:23

    @ F.Alfonzo

    Das deutsche Bankensystem ist wohl auch deshalb stabiler, weil hierzulande wenigstens etwas mehr staatliche Kontrolle ausgeübt wird als in den USA.

    Wie ich schon erwähnte, dürften die Landesbanken sich nicht so verhalten wie private Banken das tun und sollten sich endlich wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren. Das hat in der Vergangheit Sinn gemacht und wird auch in der Zukunft wieder Sinn machen, wenn die Politik von ihrer fixen Idee des schnellen Geldverdienens erst einmal herunterkommt. Man sollte sich eben nicht von Privatbankern mit “innovativen Geschäftsmodellen” beraten lassen.

    Wenn du nun meinst, daß die deutschen Privatbanken nicht so gierig seien, dann solltest du dir mal die Entwicklung ihrer Aktienkurse anschauen im Vergleich zur allgemeinen Entwicklung des DAX, wo sie fast dreimal soviel ihres Wertes verloren haben. Die deutschen Banken mußten nach den amerikanischen und schweizer Banken die meisten Abschreibungen vornehmen.

  32. Herbert
    24.09.2008 | 16:57

    @ Markus
    “Das deutsche Bankensystem ist wohl auch deshalb stabiler, weil hierzulande wenigstens etwas mehr staatliche Kontrolle ausgeübt wird als in den USA.”
    Uuuuh, das glaube ich aber nicht. Der Hauptgrund ist einfach, dass es hier nicht genug überzogenen Optimismus gab, um damit eine Immobilienblase aufzupumpen. Die Leute sind noch von der Wiedervereinigungsimmoblase deprimiert und benommen.
    Dafür, dass das primäre Problem anderswo liegt, haben sich die deutschen Banken sogar besonders viel von dem Gift reingesaugt. Den eigenen Kunden, der eigenen Wirtschaft geben diese Wirtschaftsfeinde auch für kleine, solide Projekte ungern Geld, den Subprime-Dealern haben sie es eimerweise sonstwo reingeschoben. Selbst schuld. Die staatlichen Kontrolleure sind erst aufgekreuzt, als ihnen die Deutsche Bank gesagt hat, dass bei der IKB die Hütte brennt (Der Tippgeber selbst hatte den Brandbeschleuniger geliefert). Bei der KfW haben sie auch hinreichend bewiesen, dass sie nichts unter Kontrolle haben, noch nicht einmal die eigenen Zahlungsflüsse. Es ist erlaubt, über unregulierte Banken und die Möchtegernregulierer gleichzeitig zu lachen!

  33. 24.09.2008 | 17:03

    Wie sagte Thomas Jefferson schon: “Banken sind gefährlicher als stehende Armeen.”

  34. F.Alfonzo
    24.09.2008 | 19:12

    @ Markus & Herbert,

    Nun, das deutsche Banken weniger Risiko eingehen ist klar. Das zeigt sich bspw. an den wesentlich strengeren Kriterien für die Kreditvergabe an Häuslebauer. Die Frage ist woran das liegt.
    Kann an der unterschiedlichen Geldpolitik liegen (die EZB war eigentlich seit deren Gründung immer etwas zurückhaltender als die Fed); ob es an strengerer Regulierung liegt (evtl. auch indirekt durch ‘konservativere’ Bilanzierungsvorschriften), kann ich mangels Kenntnis der Vorschriften nicht beurteilen.

    Kennt sich da jemand aus? Ist ja eigentlich interessant zu wissen, ob deutsche Banken _wegen_ oder _trotz nicht vorhandener_ risikoaverser sind.

    Zu Staats- vs. Privatbanken: Ich höre als Argument für den Erhalt der Staatsbanken immer nur, dass es ja eigentlich eine gute Idee ist (ohne Nennung von Gründen, die mich brennend interessieren würden), man aber, wie sich jetzt gezeigt hat, deren Tätigkeiten strenger überwachen sollte. Das ist ja im großen und ganzen auch politischer Konsens.
    Nur: Wer soll die Kontrolle den ausüben? Dafür kommen nur Politiker in Frage; aber das ist doch genau die Situation, wie sie jetzt schon ist. Das ist typisch sinnfreie, etatistische Argumentation: Wenn staatliche Mechanismen versagen, muss man sie ausbauen, damit sie in Zukunft funktionieren. Kern des Problems sind aber nicht die Stellschrauben, sondern einmal die Informationsasymetrie zwischen Eigentümern und Management, wie man sie in jedem großen Unternehmen vorfindet und andererseits das moral hazard Problem, das dadurch entsteht, dass die Entscheider kein Risiko tragen müssen.
    In diesem Zusammenhang erscheint mir die Privatisierung der Staatsbanken sinnvoll, weil das Risiko dann bei den Aktionären liegt (vorausgesetzt, die Politik zieht die Privatbanken nicht mit Steuergeld aus der Kacke). Dann sitzen im Aufsichtsrat zumindest AUCH Leute, die das Vermögender Eigentümer zu verteidigen haben. Das ist natürlich keine Garantie für irgend etwas (Risiko gehört ja auch zum Unternehmertum dazu), aber immerhin die ‘zweitschlechteste’ Lösung.

  35. F.Alfonzo
    24.09.2008 | 19:14

    Ist ja eigentlich interessant zu wissen, ob deutsche Banken _wegen_ oder _trotz nicht vorhandener_ risikoaverser sind.

    Soll eigentlich heißen: …_wegen_ oder _trotz nicht vorhandener_ Regulierungsvorschriften risikoaverser sind.

  36. 24.09.2008 | 21:40

    @hw:

    Was die wohlfahrtsschädigende Wirkung der Subvention betrifft, lege ich dir die Lektüre des Abschnitts zu den Subventionen in David Friedmans Price Theory an Herz. Ganz simpel ausgedrückt: Erstens muss das Geld für die Subventionen irgendwo herkommen und andere vom Konsum bzw. Investitionen abhalten, mit den entsprechend negativen Konsequenzen für die Beschäftigung in diesen Bereichen. Und dann bedeutet eine Subvention, dass man um sie zu erhalten Dinge tun muss, die man ohne sie nicht getan hätte, deren Marktwert also zu gering ist sie zu produzieren. Zu guter Letzt weiß man, dass das Eintreiben von Steuern die Leute vom Arbeiten und Investieren abhält und die Leute dazu bringt ihre Zeit mit Steuerspartricks zu vergeuden. Ich frage mich, wo da noch Platz für Wohlfahrtssteigerungen bleiben soll. Theoretisch ist so etwas denkbar, praktisch jedoch nahezu ein Unding.

  37. 24.09.2008 | 21:43

    @hw:

    Jetzt hab ich doch den Link vergessen: David D. Friedman, Price Theory, Chapter 3.

  38. hw
    24.09.2008 | 23:05

    @ SteffenH:

    Ich habe nie abgestritten, dass Subventionen wohlstandsschädigend sind, wenn sowohl Kunden, Steuerzahler und Produzenten im selben Land leben.

    Nehmen wir aber nun ein neues Beispiel:
    2 Länder wollen Kartoffeln und jedes dieser Länder kann so viele produzieren, dass beide Länder (je 500kg Bedarf) satt werden können. Im Land A bekommt der Bauer für seine 1000 kg Kartoffeln 1000€ Subvention, in Land B bekommt der Bauer für ebenfalls 1000kg Kartoffeln 0€ Subvention.

    Kartoffeln von Bauer A kosten nun 2,80€, die von Bauer B 3€. Bauer A kann also seine Kartoffeln statt für 3€ wie Bauer B für 2,80€ in Land B auf den Markt bringen und wird alle los, weil er ja günstiger ist.

    Jetzt hat der Bauer B leider einen Verlust von von sagen wir einmal ca 1500€ Produktionskosten und somit Land B einen Wohlstandsverlust von ca 1500€, da Bauer A ja keine Steuern in Land B zahlen muss, da es dort keine Subventionen gibt.

    Bauer A kassiert für 1000kg Kartoffeln insgesamt 2800 €. Also hat Land A einen Wohlstandsgewinn von 2800€ abzuüglich ca 1500€ Produktionskosten, abzüglich 1000€ Subevntionen, ergibt immer noch einen Reingewinn für Land A von 300€.

    Hoffe mir ist hierbei kein Denkfehler unterlaufen.

  39. hw
    24.09.2008 | 23:16

    Mir ist grad noch aufgefallen, dass Land B bei seinen Kartoffeln nun 0,20€ * 500kg, also 100€ spart. Ist aber immer noch weniger als der Gewinn für Land A.

  40. Freie Radikale
    24.09.2008 | 23:24

    Rechne mal besser mit Milch! Das passt besser ;)

  41. Dirk
    24.09.2008 | 23:40

    @hw

    LAnd B spart noch mehr, nämlich die Ressourcen für Kartoffelproduktion, also die Arbeit von den Bauern und deren Kapitaleinsatz. Wenn die Produktionskosten für 1000 kg Kartoffeln bei 3 Euro das Stück liegen, sind das immerhin 3000 Euro. Die können jetzt für anderes verwendet werden (z.B. Reisanbau, Schriftstellerei,…)

  42. Dirk
    24.09.2008 | 23:58

    bzw. 1500 Euro, wenn zuvor 500 kg produziert worden

    deutlicher wird das, wenn man sich vorstellt Land A und Land B hätten unterschiedliche Wechselkurse. Sagen wir Land A zahlt in Dollar, Land B in Euro.

    Zunächst, wenn jedes Land 500 kg Kartoffeln herstellt, gibt es keinen Handel zwischen beiden Ländern und der Wechselkurs ist bei - sagen wir 1:1 - im Gleichgewicht.

    Im zweiten Falle, würden auf einmal die günstigeren Kartoffeln aus Land B nachgefragt. Die müssen aber in Euro bezahlt werden. Damit ist der Devisenmarkt nicht im Gleichgewicht. Damit wertet der Euro so lange auf, bis die Bürger in Land B genauso viele Euro in Dollar tauschen möchte, wie umgekehrt die Bürger von A Dollar in Euro tauschen wollen. Sprich, bis Land B und Land A jeweils genauso viele Güter exportieren. Land A ist besser gestellt, weil es für ein Produkt einen günstigeren Preis bekommt. Und für jeden Dollar der ins Ausland geht, also für jeden Euro, der in Dollar umgewandelt wird, werden Euro nach Land A fließen.

  43. Freie Radikale
    25.09.2008 | 0:17

    Es mag sicher diverse Beweggründe geben, warum der Staat bestimmte Teile der eigenen Wirtschaft pudert. In Deinem Beispiel ist zu vermuten, das Land B die Kartoffeln billiger produzieren kann und Land A diesen Preis unterbieten will. Abgesehen von allen anderen fatalen Verwerfungen, die Land A durch seine Politik erzeugt, ist die Subvention zuerst einmal als Verlust zu verbuchen. Der erkaufte Anstieg des Absatzes kann den Verlust jedoch nicht ausgleichen. Oder doch? Was passiert, wenn Kunden erkauft werden, hat man von 8 Jahren an der Börse gesehen.

  44. Markus
    25.09.2008 | 0:48

    @ F.Alfonzo

    Die Frage ist noch nicht geklärt, ob es ein größeres Verbrechen ist, eine Bank auszurauben oder eine zu gründen.

    In den Aufsichtsgremien der IKB beispielsweise saßen und sitzen eine ganze Menge “Experten” aus der Wirtschaft. Die eingefahrenen riesenhaften Spekulationsverluste dürfen zum aller größten Teil aber der Steuerzahlen berappen, und das obwohl die IKB eigentlich eine Privatbank ist.

    Und nochmals: Die Abschreibungen aus Fehlspekulationen deutscher Privatbanken liegen bei rund 38.Mrd Euro. Dazu kommt dann noch die exorbitant hohe Hebelung des Eigenkapitals, also das Mißverhältnis zwischen Aktienkapital und Anlagen.

  45. hw
    25.09.2008 | 0:52

    Die Rechnung stimmt sowieso nur bedingt. Je nachdem, wie viel der Bauer für die subventionierte Kartoffel verlangt (zwischen 2,00 und 2,99), kann es auch sein, dass die Subvention dem Land B mehr nutzt als dem Subeventionierer A.

    Sieht wohl so aus als seien die Subventionen tatsächlich nicht sinnvoll.

    Bleibt aber noch die Frage stehen, wie Importzölle zu bewerten sind. Können diese der heimischen Wirtschaft nutzen oder schaden diese auch? Oder anders gefragt: BEschweren sich Entwicklungsländer zu Recht oder zu UNrecht über Subventionen und Importzölle durch die EU?

  46. Freie Radikale
    25.09.2008 | 2:22

    @hw
    Kartoffeln werden in Europa zu überhöhten Kosten produziert und nach Afrika unter Marktpreis (Erzeugung in Afrika) exportiert. Die entsprechenden Kochtöpfe dazu aber leider nicht. Du kannst es drehen und wenden wie Du willst. Die Gewinnerliste ist ziemlich übersichtlich. Da stehen nur die europäischen Landwirte. Der ganze Rest der Volkswirtschaft steht auf der Verliererseite. Hier zeigt sich, dass Subventionen scheinbar politisch motiviert nicht, nicht wirtschaftlich.

  47. Freie Radikale
    25.09.2008 | 2:52

    @Markus

    Und nochmals: Die Abschreibungen aus Fehlspekulationen deutscher Privatbanken liegen bei rund 38.Mrd Euro.

    Worauf willst Du hinaus? Abschreibungen verbieten?

    Kann mir jemand erklären, wohin sich das Geld verflüchtigt hat? Der dt. Steuerzahlen pumpt jetzt reales Geld in ein Loch, wo nie physisches Geld vorhanden war. Hat das ganze System noch einen Bezug zur Geldmenge oder werden hier nur Kommas verschoben?

  48. F.Alfonzo
    25.09.2008 | 3:23

    @ Markus:

    Meine Unterscheidung zwischen Privatbanken und Staatsbanken hat sich nicht (nur) auf die Fähigkeiten der Aufsichtsratsvorstitzenden bezogen.
    …wie ich schon geschrieben habe: Auch der Aufsichtsrat einer Privatbank lässt das Management “erst mal machen”, das ist eine Frage der Informationssymmetrie… Manchmal kommt dabei halt Mist raus. Na und? Pech für die Aktionäre. Zumindest kein Pech für Steuerzahler.

    Der Unterschied ist folgender: Wenn das Management einer Privatbank nen schlechten Quartalsbericht veröffentlicht (einen wirklich schlechten a la Northern Rock o.ä), dann hat das Management ihre Jobs die längste Zeit gehabt. Fertig. Die Aktionäre schmeissen das Management raus und suchen ein anderes.
    (…übrigens: Die antichristlichen aktivistischen Hedge Fonds sind gerade bei Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung immer ein Informant, egal, ob sie short- oder long-Positionen haben; so viel zum Short-Selling Verbot und dem daraus resultierenden Informationsverlust).

    Beispiel Deutsche Bank:
    Ich seh das so: Der Ackermann hat offensichtlich nen netten Job, der ihm gefällt, ansonsten hätte er schon lange hingeschmissen (der Mann hatte vermutlich schon vor der Ära DB genug Geld, um davon für immer leben zu können). Die Aktionäre der DB hätten ihn aber mit Sicherheit entsorgt, wenn er Abschreibungen in amerikanischer Höhe präsentiert hätte.
    Irgendwie hat das funktioniert, die DB hat den Großteil ihrer subprime-Papiere schon Anfang 2007 entsorgt. Dass der Gewinn trotzdem dünner wird und der Aktienkurs in den Keller geht, ist in so einer Situation normal (und evtl. eine Chance: Wie viele Banken haben andere Banken in den letzen 15 Monaten übernommen? Langfristig haben die großen deutschen Banken vielleicht sogar vom credit crunch profitiert..)

  49. F.Alfonzo
    25.09.2008 | 3:37

    @Markus: Wie schon geschrieben, halte ich nichts von bail-outs. Ne Bank darf auch pleite gehen, genauso wie jedes andere Unternehmen.
    Meine Argumentation ist eine in einer fiktiven Welt, in der Politiker nicht duch das Land laufen und Steuergelder verteilen um “Arbeitsplätze zu retten”.
    …oder um “die Wirtschaft vor dem Kollaps zu bewahren”, so wie es das berüchtigte Trio Paulson, Bernanke und Cox gerade in den USA treibt.

    P.S.:
    Hier zeigt sich wieder mal ein Unterschied zwischen den USA und Deutschland: In Deutschland wird ein bail-out-Politiker als Held gefeiert und sogar als Kanzler wiedergewählt, wenn er vor den Kameras nur sagt, “er” (=Steuerzahler) hätte Holzmann “gerettet” (= eine pleitefirma künstlich am Leben erhalten, ohne auc nur den geringsten Grund; die rbeitnehmer hätten jederzeit bei der Konkurrenz Beschäftigung gefunden, denn irgenwer muss die verdammten Häuser ja bauen).

    Nachdem mir immer wieder vorgeworfen wird, ich würde nur libertäre Floskeln vortragen, hier mal mein Gesetzentwurf:
    Um strukturellen Kollaps zu vermeiden, würde ich den Unternehmen in Deutschland ein Bail-Out genehmigen, allerdings nur auf die Art und Weise, wie das in den USA mit AIG geschehen ist: Aktien für Kohle.
    Sobald sich alles beruhigt hat, wird sofort in neuer Artikel ins Grundgesetz aufgenommen: Die Regierung hat sich aus Unternehmenspolitik rauszuhalten und darf weder investieren, noch spenden.
    Ich denke das wäre genug, um viele Manager zum Umdenken zu bewegen.

    Voraussetzung: Die Politische Mehrheit will wirklich keine bail-outs mehr. Stimmt aber nicht, weil amn sich als Politiker immer wunderbar profilieren kann, indem man Firmen mit dem Geld anderer Leute “rettet”.

  50. F.Alfonzo
    25.09.2008 | 4:06

    Ein paar Fakten noch zur aktuellen Situation:

    Mehr und mehr “finacials” entziehen sich in den USA der short selling Regulierung, die eigentlich zu deren Schutz gedacht war: Heute die dritte Gorße Firma (nach xy, ich erinnere mich leider nicht und JMP Securities), nämlich der Hedge Fonds von David Einhorn, Greenlight Capital.

    Es ist schön zu sehen, wie der Markt trotz Regulierung seinen Weg findet: Wenn die Börsenaufsicht eine objektive, durch den Markt bewertete Einschätzung eines Unternehmens unter diese absurde short-selling Regulierung stellt, dann werden die Firmen, die aufgrund ihrer Performance keinen langfristigen Wertverlust ihrer Aktien zu befürchten haben auf den Schutz des Regulierers scheissen.

    Folge: Eigentlich nix. Firmen, die schlecht geführt wurden, werden so oder so pleite gehen oder aufgekauft werden. Allerdings hat das short selling Verbot dazu geführt, dass fast alle Hedge Fonds, die Arbitrage-Strategien verfolgt haben zur Zeit auf ihrem Bargeld sitzen, was sicherlich die ohnehin schon kritische Liquiditätssituation noch verschlimmert haben dürfte.

    Ich könnte zur Zeit den ganzen Tag kotzen; und denke ernsthaft darüber nach, einen “Finanzmarkttheorie blog für Idioten (=Deutsche)” aufzuziehen.

  51. F.Alfonzo
    25.09.2008 | 4:09

    no offense, fellow Germans: Greg Newton calls it “A nation of morons run by idiots”.
    Als ob’s nicht schon schwer genug wäre, kommen jetzt auch noch die Politiker daher :-)

  52. Herbert
    25.09.2008 | 10:01

    @ F.Alfonzo
    “…denke ernsthaft darüber nach, einen “Finanzmarkttheorie blog für Idioten (=Deutsche)” aufzuziehen.”
    Wie kommst Du eigentlich so zielsicher auf Deutsche, wenn Du gerade noch von Short-Selling-Verboten, den USA und David Einhorn geschrieben hast? Ist das ein Tick von Dir?

  53. Dirk
    25.09.2008 | 10:25

    @hw

    Dein Beispiel ist natürlich stark vereinfacht und hängt von weiteren impliziten Annahmen ab.

    Woran Du sicherlich gedacht hast, ist eine Situation in der es zuviele Bauern gibt und Bauern nur Bauern sein können. Also der Bauer nur Kartoffeln herstellen kann, aber weder er noch sein Sohn jemals als Maurer, Bäcker oder sonst was arbeiten kann.

    In einem solchen Falle sind egal was passoiert immer die Hälfte der Bauern arbeitslos. Entweder jeweils die Hälfte in Land A und Land B oder irgendeine andere Aufteilung. Dann kann man mit einer diskriminierenden Subvention (nur Bauern aus B bekommen Geld) steuern, welcher Bauer arbeitslos sein soll und welcher nicht. Insofern ergäbe es hier in der Tat die Möglichkeit eines theoretischen Vorteils einer Subvention.

    Allerdings kann Land A die Umverteilung rückgängig machen. Entweder durch einen Zoll (dann würde es die Subvention direkt an der Landesgrenze für sich abgreifen.) oder es könnte das von den Nichtbauern eingesparte Geld (20 Cent pro Kg) an seine Bauern verteilen.

    Das gilt alles allerdings nur unter der Annahme, dass die Bauern in A darauf festgelegt sind, Bauern zu sein und ihre Arbeitskraft nicht anders zu nutzen wissen.

  54. R.A.
    25.09.2008 | 10:59

    @hw:

    Jetzt hat der Bauer B leider einen Verlust von von sagen wir einmal ca 1500€ Produktionskosten

    Meiner laienhaften Auffassung nach liegt hier der Knackpunkt bzw. der Denkfehler Deiner Argumentation.

    Wenn Bauer B von den subventionierten Konkurrenz-Kartoffeln überrascht wird, kann es tatsächlich im ersten Jahr einen solchen Effekt geben.
    Ganz kurzfristig können also Subventionen für Land A positiv und für das nicht-subventionierende Land B negativ sein.

    Aber mittel- und langfristig dreht sich das. Dann wird Bauer B diese Produktionskosten gar nicht mehr investieren. Sondern etwas anderes als Kartoffeln produzieren, was er auch in Land A verkaufen kann (weil ohne solchen Handelsrückfluß sowieso keine ständige Kartoffellieferung von A nach B möglich ist, siehe auch Beitrag von Dirk.

    Im eingeschwungenen Zustand gibt es also einen gleichwertigen Warenaustausch zwischen A und B - und Land B profitiert langfristig davon, daß A ihm den Kartoffelkonsum subventioniert.

    In der Praxis läuft das auch so.
    Zuerst einmal scheinen Subventionen positive Folgen zu bringen. Irgendwelche Betriebe können mehr produzieren, Leute einstellen usw.

    Und nach einigen Jahren stellt man im Subventionsland dann fest, daß es irgendwie mit dem Wohlstandszuwachs nicht mehr klappt. Daß der Staat irre Steuergelder in Subventionen gießt, der allgemeine Wohlstand aber immer mehr hinter die Länder zurückfällt, die das subventionsfrei gemacht haben.

  55. 25.09.2008 | 11:19

    @hw:

    Bevor du dir den Kopf über die Frage zerbrichst, ob dein Beispiel zwischen zwei Ländern gilt, stell dir die Frage ob du es sinnvoll auf die Handelsbeziehungen zwischen sagen wir Berlin und Brandenburg oder der Familien Schmidt und Müller übertragen kannst. Ich gebe dir wenig Hoffnung, weshalb auch dein obiges Beispiel, dass bei den Bauern aufhört und nicht berücksichtigt, das Bauern ja auch in andere Transaktionen eingebunden sind, wenig zur Beantwortung der Frage nach der Vorteilhaftigkeit von Subventionen beiträgt. Es hat überdies nichts mit einer Wohlfahrtsbetrachtung zu tun, wenn man den Vorteil aus einer politischen Maßnahme nur für eine Partei, hier die Bauern, herausarbeitet. Für derartige Eigennutzarithmetik gibt es bekanntlich die Wirtschaftsverbände.

  56. hw
    25.09.2008 | 13:25

    Mal zurück zum eigentlichem Thema:

    @ F.Alonzo:

    Nur weil nun Leerverkäufe zeitweise verboten sind, heisst das noch lange nicht, dass Aktien nicht an Wert verlieren oder gar wertlos werden können.

    Theoretisch können mit naked shorts alle Marktteilnehemer zusammen mehr Aktien “verkaufen”, als es auf dem Markt gibt. Zudem kann man als Herausgeber von vielen dieser shorts gezielt Gerüchte streuen und somit den Aktienkurs zu seinen Gunsten manipulieren. Bis diee Börsenaufsicht so etwas merkt, ist es vielleicht schon zu spät und ein Unternehmen, was gerettet werden hätte könnnen, pleite.

    Und dass die Hedge-Fonds nun ihr Geld nicht investieren, halte ich auch für unglaubwürdig. Bargeld bringt nunmal keine Verzinsung. Und selbst wenn es nur auf einem Konoto liegen würde, freut sich die entsprechende Bank, endlich wieder ein wenig Handlungsspielraum zu haben.

  57. Dirk
    25.09.2008 | 13:42

    @hw

    aber selbst wenn der aktienkurs einiger namhafter investmentbanken um 99,9% sinkt, wo ist das problem? Wenn die Banken nicht genügend Liquidität haben, können sie ihre Verbindlichkeiten nicht bedienen und gehen Pleite. Das ist ein Problem (oder könnte eines werden). Wo aber ist das Problem, wenn deren Aktienkurse sinken?

  58. hw
    25.09.2008 | 14:45

    Das Problem liegt darin, dass Unternehmen auch Aktien in Eigenbesitz haben, die sie verkaufen können, damit wieder Geld ins Unternehmen fliesst.

    Dass dies im Fall der kriselnden Banken noch was genutzt hätte, ist natürlich stark zu bezweifeln.

  59. Dirk
    25.09.2008 | 14:50

    das glaube ich nicht. Die Verquickung der Banken über das gegenseitige Halten von Aktien ist irrelevant gegenüber der Verquickung durch Kredite.

    Im Gegenteil. Am Einsteigen von Warren Buffet bei Goldman Sachs, erkennt man, dass ein vermeintlich zu niedriger Aktienkurs sogar gut ist, weil er Investoren anzieht, die bereit sind, die Eigenkapitalausstattung zu erhöhen.

    Ich verstehe den Sinn des Verbotes von Leerverkäufen nicht.

  60. hw
    25.09.2008 | 15:14

    Ein niedriger Aktienkurs lockt aber nicht nur Investoren an, sondern auch Zocker, die auf schnellen Gewinn aus sind.

    Und Goldman Sachs bekommt durch Buffets Einstieg direkt von ihm, so weit ich informiert bin, kein Geld. Er stützt lediglich deren Aktienkurs. Durch Ausgabe neuer Aktien soll nun tatsächlich neues Geld in diese Bank fließen.

  61. Dirk
    25.09.2008 | 15:14

    Übrigens verstehe ich auch das ganze Krisengeschrei nicht. Okay, eine Versicherung mit Privatkunden sollte nicht Pleite gehen, aber wo ist das Problem, wenn Investmentbanken den Bach runter gehen?

    Der einzige mir plausible Kanal, über den sich die Finanzmarktkrise auf die reale Wirtschaft auswirken könnte, wäre der Kreditmarkt. Wenn Banken weniger bereit sind, Kredite an Firmen zu vergeben, die diese sinnvoll einzusetzen wissen. Aber genau das scheint nicht der Fall zu sein.

  62. hw
    25.09.2008 | 15:46

    Bisher scheint es keine Probleme mit Firmenkrediten zu geben. Man muss den Markt aber genau beobachten, damit man im richtigen Moment, d.h. nicht zu spät, eingreifen kann.

    Der einzige mir plausible Kanal, über den sich die Finanzmarktkrise auf die reale Wirtschaft auswirken könnte, wäre der Kreditmarkt.

    Die reale Wirtschaft ist ja wohl bereits getroffen: fallende Hauspreise, Privatinsolvenzen, arbeitslose Banker, etc.
    Dies alles zieht natürlich Folgeeffekte nach.

  63. Dirk
    25.09.2008 | 15:50

    @hw

    Die reale Wirtschaft ist ja wohl bereits getroffen: fallende Hauspreise, Privatinsolvenzen, arbeitslose Banker, etc.

    Das sind aber nötige Anpassungsmaßnahmen, die man besser nicht verhindert. Mit anderen Worten: Das ist keine Krise, sondern die Heilung einer solchen

  64. R.A.
    25.09.2008 | 15:54

    @hw:

    Bis diee Börsenaufsicht so etwas merkt, ist es vielleicht schon zu spät und ein Unternehmen, was gerettet werden hätte könnnen, pleite.

    Ein niedriger Aktienkurs ist in mancherlei Hinsicht ärgerlich für ein Unternehmen - aber pleite geht es deswegen noch lange nicht.

    Der Verbot der Leerverkäufe war doch reiner Aktionismus der Aufsichten.

    Ist doch ärgerlich: Da sitzen alle möglichen Beamte in diversen Ländern und beaufsichtigen jahrelang alles Mögliche - und können hinterher nur dumm gucken, wenn die Krise vorbei ist.

    BaFin und Co. haben bei keiner Schieflage irgend etwas gemerkt oder gar verhindern können - das war schon damals bei der Schneider-Affäre so und jetzt bei IKB und den LBs.

    Und eben weil sie so nutzlos sind, müssen sie jetzt durch heftige Aktionitis ihre Existenzberechtigung demonstrieren.

  65. hw
    25.09.2008 | 16:09

    Die Ausicht konnte u.a. auch deshalb nichts verhindern, weil viele der innovativen Finanzprodukte sich der Aufsichtspflicht entziehen konnten.

    Nach bisher jeder Krise wurde die Finanzaufsicht mit mehr Kompetenzen ausgestattet. Doch der Markt fand immer einen Weg die Aufsicht zu umgehen oder die Politik dazu zu bewegen, die Aufsicht wieder zu lockern.

    Nun steht man vor der großen Aufgabe eine neue, am Besten weltweite, Finanzaufsicht zu gründen, an der man nicht vorbei hantieren kann und deren Regeln dauerhaft Bestand haben.

  66. Markus
    26.09.2008 | 1:48

    Das habe ich jetzt wenigstens verstanden. Wenn private Banken zig Milliarden abschreiben müssen und enorm gehebeltes Eigenkapital haben, sind das nur die berühmten Peanuts; wenn aber die öffentlichen Banken Mist bauen, ist das ein untrügliches Anzeichen für staatliches Mißmanagment. Und das 700-Milliarden-Dollar-Hilfsprogramm für die Investmentbranche in den USA ist dann so eine Art staatliche Belohnung für erfolgreiches privates Wirtschaften.

  67. R.A.
    26.09.2008 | 10:37

    @Markus:

    wenn aber die öffentlichen Banken Mist bauen, ist das ein untrügliches Anzeichen für staatliches Mißmanagment.

    Richtig.
    Weil die Verluste der staatlichen Banken deutlich größer waren als die der privaten, und weil die aus Steuermitteln ausgeglichen werden mußten.

    Und das 700-Milliarden-Dollar-Hilfsprogramm für die Investmentbranche in den USA ist dann so eine Art staatliche Belohnung für erfolgreiches privates Wirtschaften.

    Falsch.
    Mit dem 700-Paket gleicht die US-Politik politische Fehler aus.
    Die Vergabe von Krediten an nach banküblichen Standards kreditunwürdige Leute war eine politische Vorgabe. Die haben die staatlichen Banken Fannie/Freddie umgesetzt und dann die faulen Kredite an andere Banken weiterverkauft.

    Letztlich wird hier nachträglich ein gigantisches Sozial- und Konjunktur-Programm aus Steuergeldern finanziert.

  68. Dirk
    26.09.2008 | 12:38

    @Markus

    in Ergänzung zu dem was R.A. sagte: Das 700 Mrd Dollar Paket ist wohl kaum im Sinne der “Neoliberalen”. Insofern taugt es auch nicht als Zeuge gegen den sogenannten Neoliberalismus.

    Das wäre ja so, als würde man die wirtschaftliche Entwicklung Chinas als Beweis für den Erfolg des Kommunismus betrachten. Das machen zwar einige, wie etwa der Spiegel, ist aber offensichtlich irrig.

  69. Markus
    27.09.2008 | 0:17

    @ R.A.

    Mag ja sein, daß in den USA alles ein bißchen anders ist als hierzulande, und da sollte man auch die staatlichen Banken nicht grundsätzlich von Kritik ausnehmen.

    Wo aber sind die inzwischen in die Pleite gestürzten privaten Investmentbanken in ihrer Geschäftspolitik weniger kritikwürdig verfahren? Wo war das glorreiche privat-kapitalistische Management? Das FBI ermittelt.

    Und das ganze Spekulationsspektakel soll nun durch ein gigantisches “Sozial-und Konjunkturprogramm” aus Steuergeldern (vorläufig) beendet werden - nur wer ist hier der Begünstigte?

    Auch meiner Ansicht nach sind schwerwiegende politische Fehler gemacht worden, aber rate mal, welche ich im Sinn habe? Bestimmt nicht den der Überregulierung.

    @ Dirk

    Und was empfehlen die Neoliberalen in dieser angespannten Situation zu tun? Mal wieder den Markt die Dinge richten zu lassen, wie zu Zeiten der Großen Depression? Vielleicht könnte man von China lernen, die es geschafft haben, ihre wirtschaftliche Entwicklung weitgehend krisenfrei voranzubringen.

  70. Freie Radikale
    27.09.2008 | 5:18

    John Doe kauft ein Haus in Wisconsin. Die 100.000 Dollars dafür bekommt er von Freddie zum Zinssatz von 1 Prozent. Ein Jahr später ist das Haus 200 Riesen wert und John nimmt eine Hypothek bei Fannie für das selbe Haus auf. Freddie denkt sich, 1 Prozent ist ziemlich mau, genau wie der John auch. Ich werfe mal die Hypothek zusammen mit der von Fannie auf den Finanzmarkt.

    In Düsseldorf sitzt die KfW mit ihrer Tochter IKB. Die gibt mir keinen Kredit, weil sie lieber das Hypothekenpaket von Freddie kauft. Sie hat zwar weder Haus noch Schuldner je gesehen, aber Freddie hat ein paar Dollarzeichen drauf gemalt. Da interessiert es auch niemanden, dass es John und Haus nur einmal gibt. Heute ist Johns Haus nur noch US $50,000 wert und John kann die mittlerweile 20 Prozent Hypothekenzins für 200.000 nicht mehr bedienen. Er konnte es eh nur, weil er ständig neue Hypotheken aufgenommen hat.

    Jetzt muss dringend dafür gesorgt werden, dass John eine neue Hypothek aufnehmen kann. Ansonsten geht überall das Licht aus. Habe ich das soweit richtig verstanden?

  71. Dirk
    27.09.2008 | 9:27

    @Markus

    In einer neoliberalen Welt hätte es den Glass-Steagull Act nicht gegeben. D.h. Investmentbanken und Geschätsbanken hätten, wie in Europa, unter einem Dach existiert und erstere wären somit weitaus sicherer.

    In einer neoliberalen Welt gäbe es keine Fannie und Freddie, die staatlich gesponsort werden und die eine bestimmte Menge an Hypotheken an arme Leute aufkaufen mussten.

    In einer neoliberalen Welt gäbe es auch keine regulatorischen Reserven, nach denen je nach Rating des Kredites mehr oder weniger Eigenkapital zurückgehalten werden muss. Ein Herabstufung eines Kredites führte nicht automatisch zu höherem Liquiditätsbedarf der Banken und könnte so eine Kettenreaktion auslösen.

    Das alles hätte die Krise nicht unbedingt verhindert. Sie wäre aber harmloser abgelaufen.

    Ein Neoliberaler würde allerdings keine weiteren Staatseingriffe tätigen. Banken würden Bankrott gehen und es würde evtl Folgen für die reale Wirtschaft haben.

    Es besteht aber die Frage, wie mit der Krise jetzt am klügsten (im Sinne von Schadensvermeidung - und nicht unbedingt im Sinne liberaler Prinzipien: Das ist ein Unterschied* ) umzugehen ist: Die X Mrd Euro Frage.

    Die Zentralbank(en) sollten ihrer Gründungsaufgabe als “Lender of Last Resort” und den Banken Liquidität geben. Vielleicht unter der Voraussetzung vorrangiger Gläubiger zu sein. Das tun sie im wesentlichen auch. Was (und ob überhaupt) darüber hinaus zu tun ist - keine Ahnung.

    * Neoliberale argumetieren stets moralisch (Eigentum, Freiheit,…). Ökonomen argumentieren mit Zweckmäßigkeit. Oft läuft beides auf dasselbe hinaus (z.B. beim Mindestlohn, Steuern,…). Aber nicht immer!

  72. Markus
    27.09.2008 | 23:26

    @ Dirk

    Vielleicht gäbe es in einer “neoliberalen Welt” auch keine Wall Street, die den Karren an die Wand gefahren hat. Übermäßiger Einfluß von der Wirtschaft auf die Politik ist schließlich niemals gut. Aber die Krise ist noch nicht vorbei, und man weiß nicht, was auch auf D noch zukommen könnte. Es gibt viel zu tun, warten wir`s ab ;-)

  73. F.Alfonzo
    28.09.2008 | 5:27

    “…denke ernsthaft darüber nach, einen “Finanzmarkttheorie blog für Idioten (=Deutsche)” aufzuziehen.”
    Wie kommst Du eigentlich so zielsicher auf Deutsche, wenn Du gerade noch von Short-Selling-Verboten, den USA und David Einhorn geschrieben hast? Ist das ein Tick von Dir?

    ‘Idoiten’ deshalb, weil es erstens keine deutschen Finanzmarktblogs gibt, und zweitens, weil der Durchschnittsdeutsche, genau wie der Durchschnittsamerikaner nach Regulierung ruft, wenn’s grad etwas unangenehm ist (wobei ich den Durchschnittsdeutschen noch für verrückter halte). Und auch wenn die Interessen andere sind, kann ich davon ausgehen, dass der Ruf nach Regulierung politisch motiviert ist; schön und gut, aber? Und ja, das ist ein Tick von mir… wenn ich mir idiotische Regulierungsvorschriften vorstelle, kommt mir als ersten De4utschland in den Sinn.

    Sorry, wenn zwischen meinen Beiträgen etwas verlorengegangen sein sollte, vielleicht hab ich mich auch ein bisschen in Rage geschwafelt.

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