Kapitalismus ist eine zu wichtige Sache

The time has come to save capitalism from the capitalists.

Sagt Luigi Zingales von der University of Chicago. Das PDF ist hier, ein Kommentar dazu findet sich bei Marginal Revolution.

Wer sich vor Verantwortung drückt, hat Freiheit nicht verdient.

Update:
Bei Naked Capitalism findet sich ein sehr interessanter Beitrag:
Why You Should Hate the Treasury Bailout Proposal

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13 Kommentare zu “Kapitalismus ist eine zu wichtige Sache”

  1. Parker8
    21.09.2008 | 20:00

    debt-for-equity swap - ts, ts

    PS: da auch

  2. Libero
    2.10.2008 | 14:35

    Prinzipiell hat er Zingales recht, aber irgendwie hat er ein zu idealistisches Bild von den Marktteilnehmer. Der Markt wäre sich selbst regulierend und heilend, wenn prozyklische und antizyklische Momente wirklich wirksam wäre. Jetzt heilt nur der Henker und der Totengräber. Das nennt man nicht Heilung, aber vielleicht weiss man es wirklich nicht besser.

    Diese Situation zeichnet sich durch ein extremes Übergewicht an prozyklischen Momente aus, sowohl vorher als nachher. Ich habe den Eindruck, man versucht, wenn einem der Arsch gerettet wurde, wieder ein Übermaß an prozyklischen Momenten zu installieren. Prozyklisch ist ja nicht nur das fiat money. Wer nur darauf runreitet, übersieht die anderen prozyklische Momente, die völlig ausreichen. So wie der Markt jetzt aufgebaut ist, ist er auch ohne fiat money wild auf die nächste Blase. Wird es halt die regenerative Energie.

    Ich frage mich manchmal, ob die Herren, die aus der Entfernung über diese VOrgänge schreiben, jemals erlebt haben, wie die Akteure, vor allem während ihrer Arbeit, drauf sind. Diese Verhaltensänderung nehmen sie anscheinend gar nicht wahr.

  3. R.A.
    2.10.2008 | 15:49

    @Libero:

    Prozyklisch ist ja nicht nur das fiat money.

    Sondern was noch?
    Klingt ja plausibel, was Du schreibst. Aber da ein ordentliches Maß an Pleiten jedes Jahr zu verzeichnen ist, hätte ich erst einmal gedacht, auch antizyklisch wäre noch einiges am Wirken.

  4. Libero
    2.10.2008 | 18:04

    @R.A.
    Weitere prozyklische Faktoren? Bisher habe ich andere rein meßbare Faktoren als prozyklische Faktoren genannt. Inzwischen glaube ich, dazu auch Faktoren, damit meine ich nicht dich, wie Schwerhörigkeit d.h. mangelndes Wahrnehmungs- und Urteilsvermögen hinsichtlich antizyklischer Faktoren zu beachten sind. Um sachgerecht auf antizyklische Faktoren zu reagieren, möglichst bevor der Trend den Point of no return erreicht und in dem dem Mißtrauen folgenden Zusammenbruch endet, muß man die antizyklische Faktoren erstens wahrnehmen, dann bewerten und schließlich auch noch handeln. Ich fürchte, bereit die Wahrnehmung wurde nicht bewältigt. Vielleicht gibt es ähnlich wie den Siedeverzug auch den Denkverzug.

    Es würde mich jetzt sehr wundern, wenn du das auch so siehst.

  5. DDH
    2.10.2008 | 18:57
  6. Libero
    2.10.2008 | 19:21

    @DHH
    Wenn ich das schreibe, was mir durch den Kopf geht, wenn ich deine Entgegnungen lese, verletze ich die Grundsätze der Kommentierung.

    Aber es ja nicht verboten, über historisch bekannte Begebenheiten zu reden. Als im Mittelalter sich die Naturwissenschaften entwickelten, nahmen manche Professoren nicht die Natur wahr, sondern studierten die Bücher der griechischen Antike und lehrten, was diese über die Natur und die Medizin enthielten. Das war dann nicht Natur sondern anstatt Natur und anstatt Medizin. Einige erklärten die Natur, nachdem sie die Bibel oder den Koran gelesen hatten. Zweifelsohne auch ein Weg, Wahrnehmung in der Natur zu erklären.

    Durch dieses blog habe ich einen klugen Gedanken kennengelernt.

    Was man sieht und was man nicht sieht.

    Eigenartig, das es Menschen gibt, die glauben, dieser Satz gelte nicht für sie selbst. Nein, der gilt immer nur für die Anderen. Wie gut, daß es Menschen gab, die vorher alles sahen. In deren Büchern muß man nur nachschlagen, dann versteht man, was um uns herum passiert. Es gibt nichts, was die Verfasser dieser Bücher übersehen haben könnten.

    Von einem dieser Verfasser stammt ein ebenfalls kluger Begriff.

    Anmassung von Wissen.

    Es ist natürlich Wissen und nicht etwa deren Anmassung, das den Schöpfer dieses Satzes befähigte, zu erkennen, das er und sein Denken NICHT von diesem Satz betroffen sind.

  7. Libero
    3.10.2008 | 7:21

    Die Malik-Kolumne: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser - manager-magazin.de
    Es gibt andere Gründe für die Unzufriedenheit mit dem Markt: Er ist erstens zu langsam; hat zweitens keine voraus- sondern nur eine nachlaufende Wirkung und er hat drittens im Kern keine herbeiführende sondern nur eine bestrafende Wirkung.

    Der Markt sagt nicht, wo und wie Ressourcen eingesetzt werden sollen, sondern nur, wo und wie man sie einzusetzen gehabt hätte. Wenn dieses Signal vom Markt kommt, ist es insbesondere für grosse Unternehmen zu spät. Auch das schnellste Unternehmen hat seine “Totzeit”, wie man die Zeitverzögerung zwischen Signal - und Wirkung des Signals in einem System in der Kybernetik und Regelungstechnik nennt. Der Markt als solcher bewirkt nichts Positives und er vermeidet nicht die Fehler. Er bestraft sie nur - aber erst, wenn sie schon passiert sind und daher eben zu spät. Das sollte gerade von Befürwortern marktwirtschaftlicher Problemlösungen klar gesehen werden.
    http://www.manager-magazin.de/koepfe/mzsg/0,2828,209294,00.html

    Das ist im wesentlichen der Kern meiner kritik am Marktverständnis vieler Liberaler

    nicht vorauslaufend sondern nachlaufende Reaktion, eben durch die Totzeit beim Wahrnehmen der antizyklischen Signale
    keine herbeiführende, sondern bestrafende Wirkung, Seit wann ist der Totengräber der Arzt?

    Wie man ein solches System ein sich selbst regulierendes sich selbst heilenden System nennen kann, ist mir schleierhaft. Fiat money ist die stärkste Störung des Systems, aber beileibe nicht die einzige, die bei einer Blase prozyklisch wirkt. Wie man nur auf meßbare Größen achten kann und übersehen kann, daß das menschliche Verhalten als prozyklischer Einfluß hinzukommt, erst recht nach dem Zusammenbruch der Blase, ist mir schleierhaft. Das schafft man nur, wenn man die Wahrnehmung der Wirklichkeit durch das Lesen von Büchern ersetzt.

  8. Libero
    6.10.2008 | 7:54

    In the hands of rational capitalists, the market is strong medicine for goods problems. But in the hands of real capitalists, the market is usually a big bottle of snake oil.

    Ist zwar nicht von Bryan Caplan, ist aber genauso zutreffend wie

    In the hands of rational voters, government is strong medicine for public goods problems. But in the hands of real voters, government is usually a big bottle of snake oil.

  9. stefanolix
    6.10.2008 | 9:29

    In der Hand vernünftiger Kapitalisten dient der Markt dem Austausch von Gütern und der Bewertung von Gütern. Dass auf dem Markt auch »Schlangenöl« gehandelt wird, sagt wenig über den Markt, aber viel über die Anbieter und Abnehmer des Schlangenöls aus.

  10. Lina
    6.10.2008 | 10:48

    @ stefanolix

    Was sagt es also aus? Als ein die Potenz förderndes Mittel (der TCM = Traditionelle Chinesische Medinzin) erhöht Schlangenöl auch die Potenz expansiven (wirtschaftlichen) Handelns. Den in gewisser moralischer Hinsicht eher fragwürdigen Beweis für seine Wirksamkeit tritt China höchstselbst an ;-).

  11. stefanolix
    6.10.2008 | 11:25

    Ich kannte Schlangenöl bisher nur als »Quacksalber-Medizin« oder als Bezeichnung für nutzlose Software. Ich wusste (mangels Interesse) bisher nicht, dass Schlangenöl auch als potenzförderndes Mittel gilt. Ich möchte mir jetzt auch nicht bildlich vorstellen, wie das appliziert werden soll;-)

  12. Lina
    6.10.2008 | 11:48

    @ stefanolix

    Musst Du nicht ;-), da es mir wesentlich darum ging, ein synonymes Bild zu entwerfen. Selbstverständlich handelt es sich in China um ‘Staatskapitalismus’, um jeden weiteren Vergleich mit der viel zu wichtigen Privatsache ‘Kapitalismus’ auszuschliessen …

  13. libero
    7.10.2008 | 15:46

    @rayson

    Zingales Henry Paulson liegt falsch
    http://www.project-syndicate.org/commentary/zingales1/German

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