Ein paar hab ich noch…

Und wo ich schon am Empfehlen bin, kann ich noch alle Blogs der George Mason University dazupacken, die sich in letzter Zeit intensiv mit der Finanzkrise auseinandersetzen. Das ist natürlich kein Zufall: Die Ökonomen dort stehen meinen Ansätzen und meinem Denken sehr nahe.

Wobei, nebenbei bemerkt, mir äußerst positiv der Stil auffällt, in dem dort und in anderen US-Ökonomie-Blogs diskutiert wird. Da ist immer, bei aller Kritik, viel Respekt vor dem Anderen und dessen Meinung, und man scheut sich auch nicht, Glaubensgrundsätze über Bord zu werfen, wenn die Fakten Anlass dazu geben.

Die Blogs:

Marginal Revolution
EconLog
Cafe Hayek
The Austrian Economists

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22 Kommentare zu “Ein paar hab ich noch…”

  1. Libero
    28.09.2008 | 16:33

    Was aber, lieber Rayson, wenn es nicht alleine eine Frage der Fakten ist? Mir geht es bei der Diskussion dieser Krise viel zu sehr um meßbare Einfluß- und Störgrößen. Als wenn der Mensch unabhängig von ihnen keine Rolle spielt.

    Im Wirtschaftsleben hast du es mit Menschen zu tun, die du nur begrenzt beurteilten kannst. Du musst dich darauf verlassen können, das du ihn vertrauen kannst. Umgekehrt sollte sich jeder Handelnde im Wirtschaftsleben so verhalten, daß er dieses Vertrauen rechtfertigt. Das sind keine Fakten, aber sie schaffen Fakten. Es sind elementare Regeln gebrochen wurden, die zu einem Ausbruch der schlimmsten Infektion geführt hat, die das Wirtschaftsleben befallen kann. Dem Mißtrauen.

    Man mißtraut dem Gegenüber und man mißtraut dem Wert ihrer finanziellen Produkte. Alleine mit meßbaren Fakten wird man dem Mißtrauen wohl nicht Herr werden. Du siehst doch, wie schlecht der Wechselkurs Vertrauen Fiat Money ist. sich da noch über die hohen Summen zu wundern, zeigt höchstens, wie wenig man verstanden hat, wie sehr Mißtrauen lähmen kann. Vertrauen muß jetzt zu teuer erkauft werden und ist selbst bei höchsten Summen sehr brüchig

    Ich fürchte, ihr müßt euch mehr mit dem nicht Meßbaren auseinandersetzen. Kurz gesagt, nichts ist gefährlich, als wenn die Bewertung von koscher auf trefe umschlägt.

  2. 28.09.2008 | 16:44

    “If you can’t measure it you can’t manage it”

    Der Satz hat eine Menge für sich. Wer sich für das “Nicht-Messbare” ausspricht, spricht sich für Spekulation aus. Kein Manager wird es wagen, gegen diesen Satz zu handeln. Wenn in der Wirtschaft einer das tut. dann ist es ein Unternehmer. Echte Unternehmer stellen alles Bekannte in Frage und widersprechen allen Annahmen und Berechnungen. Deswegen scheitern auch so viele. Aber Fortschritt ist nur so denkbar, und um diesen anzustoßen, muss eben nur einer Erfolg haben und nicht eine Mehrheit.

    Aber, Libero, du unterliegst einem groben Irrtum, falls du meinen solltest, dass die Wirtschatfswissenschaften sich nicht mit Unsicherheiten oder individuellen Präferenzen beschäftigen würden. Die Mechanismen, die Misstrauen fördern bzw. abbauen, sind zu großen Teilen bekannt.

    Aber eben weil wir Ökonomen wie du auch in Regelkreisen denken können, müssen wir irgendwo das negative Feedback eingebaut sehen, um unser O.K. zu geben. Ein staatlicher Rettungsplan würde das verhindern.

  3. Libero
    28.09.2008 | 16:57

    @rayson

    Die Mechanismen? Oh pardon, in deinem Marktgeschehen sind nicht menschen, sondern Mechanismen aktiv. Menschen sind in deiner Wahrnehmung anscheinend nicht Handelnde, die durch ihr Handeln Vertrauen oder Mißtrauen aufbauen. Ihr liebt den makroskopischen Blick, bloß nicht den Blick auf das Verhalten der einzelnen Menschen.

    negatives feedback ist in deinem Weltbild auch nur eine makroskopische Größe. Wie sieht es bei dem einzelnen Menschen aus.
    Oder bei den Menschengruppen. Ringt die prozyklische Gruppe mit der antizyklische Gruppe um die weitere Entwicklung des Marktes? Oder haben viele wirtschaftlich handelnde Menschen prozyklische und antizyklische Aspekte in ihrem Denken und Handeln?

    Wie kann man überhaupt so blöd sein, zu glauben, daß die Hauspreise immer steigen werden und das die Zinsen immer niedrig sein werden. Je länger ein Trend dauert, um so wahrscheinlich ist, daß er abbricht.

  4. 28.09.2008 | 17:07

    Ach Gottchen, Libero, wenn ich von “Mechanismen” rede, sind das natürlich beobachtbare Verhaltensweisen von Menschen. Solch billige Semantik-Argumente hatte ich von dir gar nicht erwartet.

    Wir müssen uns schon über den Betrachtungshorizont einigen. Betrifft dieser eine ganze Volkswirtschaft wie bei der aktuellen Finanzkrise, dann kann man den einzelnen Menschen reichlich vernachlässigen, weil dann viel wichtiger die Gemeinsamkeiten sind, die im Verhalten vieler Menschen zum Ausdruck kommen.

    Wie kann man überhaupt so blöd sein, zu glauben, daß die Hauspreise immer steigen werden und das die Zinsen immer niedrig sein werden. Je länger ein Trend dauert, um so wahrscheinlich ist, daß er abbricht.

    Richtig, der Kandidat hat hundert Punkte. Aber jemand, der sich für den einzelnen Handelnden interessiert, wird um die Erkenntnis nicht herum kommen, dass unter solchen Bedingungen jeder verliert, der zu früh aussteigt, und jeder gewinnt, der zu noch den letzten Dummen bedient. Das heißt: Obwohl ich weiß, dass das System auf Dauer nicht funktioniert, muss ich nur einen Dummen finden, der das Gegenteil annimmt. Nicht umsonst verwende ich in diesem Zusammenhang immer die Metapher “Pilotenspiel”.

  5. Libero
    28.09.2008 | 17:42

    @Rayson

    dann kann man den einzelnen Menschen reichlich vernachlässigen
    anscheinend nicht, dann würde ja nicht gelten
    jeder verliert, der zu früh aussteigt, und jeder gewinnt, der zu noch den letzten Dummen bedient
    einige sind gar nicht eingestiegen oder frühzeitig ausgestiegen. Haben die wirklich verloren? kurz gesagt, damit jeder gewinnt, verliert der Markt seine Stabilität, so daß fast jeder verliert. Vielleicht bin ich etwas altmodisch, wenn ich davon überzeugt bin, daß die Stabilität des Marktes für mich vorteilhafter ist, als das ich den letzten Dummen bedient habe. Dann bin ich halt konservativ.

  6. Libero
    28.09.2008 | 17:45

    @Rayson

    ich bezweifele obendrein, daß das nur Semantik ist. Es ist auch eine wunderschöne Bemäntelung meines eigenen Handelns, es war nicht mein Handeln und das Handeln anderer Marktteilnehmer, es waren die Marktmechanismen. Das ist psychologisch eine Reinwaschung

  7. 28.09.2008 | 17:53

    @Libero

    anscheinend nicht, dann würde ja nicht gelten
    jeder verliert, der zu früh aussteigt, und jeder gewinnt, der zu noch den letzten Dummen bedient

    Oh doch, denn nicht jeder Einzelne denkt so. Eben nur eine erkleckliche Zahl.

    einige sind gar nicht eingestiegen oder frühzeitig ausgestiegen. Haben die wirklich verloren?

    Natürlich. Jeder Ausstieg vor der Krise war individuell nutzenmaximierend zu früh.

    Vielleicht bin ich etwas altmodisch, wenn ich davon überzeugt bin, daß die Stabilität des Marktes für mich vorteilhafter ist, als das ich den letzten Dummen bedient habe.

    Deine eigene Entscheidung hält aber keinen anderen davon ab, es dennoch zu tun.

    Es ist auch eine wunderschöne Bemäntelung meines eigenen Handelns

    Ich würde jetzt nicht eigene Exkulpationsmechanismen auf andere projizieren.

  8. Libero
    28.09.2008 | 18:01

    @Rayson
    da ich nicht so handeln würde, sind das auch nicht meine Entschuldigungen. Aber du nennst ja eine andere. Ich mußte so handeln und auch den letzten Dummen bedienen. Mein Verhalten zusammen mit dem Verhalten anderer hat zwar das Vertrauen in den Markt zerstört und zur Instabilität geführt, aber meinen persönlichen Nutzen maximiert. Das ist das wichtigste, nicht etwa das das Vertrauen in das Verhalten der Marktteilnehmer erhalten bleibt. Ihr lernt eigenartiges Denken von euren Lehrern.

  9. Libero
    28.09.2008 | 18:41

    einige sind gar nicht eingestiegen oder frühzeitig ausgestiegen. Haben die wirklich verloren?

    Natürlich. Jeder Ausstieg vor der Krise war individuell nutzenmaximierend zu früh.

    Irgendwie denkst du zu kurzfristig.
    1. kann man davon ausgehen, daß ich durch den früheren Ausstieg das Vertrauen meiner Geschäftspartner behalte.
    2. Was wiederum Geld Wert ist, wenn ich mich in einem Marktumfeld bewege, in dem das Mißtrauen dominiert.

    Nutzen ist vielleicht zu eng finanziell verstanden. Obendrein habe ich den Eindruck, daß so nur Menschen denken können, die keine Eltern und Großeltern haben und noch nicht oder nie Kinder und Enkelkinder haben werden. Dann hat man eher ein größeres Interesse an der Stabilität des Marktes. Außer man hat den finanziellen Nutzen soweit maximiert, daß man sich vom Markt abschnüren konnte. Aber wenn du dir die Geschichte der größten Ganevs ansieht, ihre Vergangenheit holt sie wieder ein. Dann schreiben sie Bücher wie ein gewisser Carnegie und hinterlassen zahlreiche Stiftungen. Alles nur, um das Vertrauen in ihre Person, so als Mensch eben, mit viel Geld wieder herzustellen, auch das ist in gewisser Weise fiat money und um sich mit den Stiftungen die Unsterblichkeit zu erkaufen. Wer kennt schon den Unternehmer Carnegie, außer Menschen, die wie ich aus der Branche stammen. Den Wohltäter kennt jeder und das ist dann schlußendlich die einzige Nutzenmaximierung, die zählt. Den im Endeffekt behält Adam Smith mit der Theorie der ethischen Gefühle recht. Wer seine finanziellen Nutzenmaximierung bis an sein menschliches Ende betreibt, wird zwar ein luxusleben führen, aber bereits am Tage nach seiner Beerdigung vergessen sein.

  10. DDH
    29.09.2008 | 0:00

    Gute Links. Die GMU-Leute sind zwar für mich als Rothbardianer noch nicht Gold, aber immerhin schonmal Silber. Also dicht dran. :-)

  11. Libero
    29.09.2008 | 6:25

    Hypo Real Estate droht Kollaps
    http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Folgen-der-Finanzkrise-Hypo-Real-Estate-droht-Kollaps/419518.html

    Endlich mal gute Nachrichten. Es geht aufwärts dank befähigter Banker

  12. Libero
    29.09.2008 | 8:26

    @DDH

    Wirtschaft besteht nicht aus dem Rezitieren von Gesängen aus den Werken des Barden Rothbard.

  13. stefanolix
    29.09.2008 | 8:49

    Man sollte dann auch ergänzen, dass es sich um Probleme mit der DEPFA handelt (kurzfristige Refinanzierung von langfristigen Krediten an die öffentliche Hand). Und es steht fest, dass inzwischen einige Privatbanken langfristige Kreditzusagen gegeben haben.

  14. Libero
    29.09.2008 | 9:53

    @Stefanolix

    das war mit bekannt. Wenn diese Nachricht trotz der Stützung durch die Privatbanken veröffentlicht wird, erlaubt das folgende Interpretation. Wir stützen bis Summe X. Notwendig könnte Summe Y sein. Die Differenz übernimmt ein anderer Stützer, der jetzt reagieren soll. Die Situation ist weiterhin ernst.

  15. Libero
    29.09.2008 | 9:59

    @stefanolix

    Sieh dir mal die Executive Members of the Board of Directors der Depfa an. Die einzige, die in Deutschland ihre berufliche Laufbahn beginnt, wird erst am 1.10. hinzukommen.

  16. DDH
    29.09.2008 | 13:49

    @Libero: Du rezitierst nur andere Barden und das unter der Autosuggestion, “pragmatisch” zu sein. Keynes hat das mal sehr schön auf den Punkt gebracht: Alle folgen irgendwelchen Ideen, nur viele sind sich dessen nicht bewußt!

    “Unideologisch” ist jedenfalls ein vollkommen inhaltsleerer Begriff!

  17. R.A.
    30.09.2008 | 12:58

    Da ist immer, bei aller Kritik, viel Respekt vor dem Anderen und dessen Meinung,

    Ein sehr guter Stil, in vielen Punkten professioneller als hierzulande üblich.

    Wenn z. B. ein Promi wie Mankiw ganz schlicht sagt: “Der FED-Chef ist gut und hat mehr Informationen als ich - deswegen verlasse ich mich auf sein Urteil” - das hat Größe.

    Bei einem deutschen Professor wäre das m. E. nicht unbedingt zu erwarten …

  18. 30.09.2008 | 16:27

    Hey, wenn Bush und Powell sagen, der Irak habe Massenvernichtungswaffen, dann verlasse ich mich auf deren Urteil, denn die haben viel mehr Informationen als ich.

  19. 4.10.2008 | 12:05

    @Dirk F.

    Mit dem Unterschied, dass amerikanische Politiker nicht zwangsläufig für ihre Expertise bekannt sind, sondern dafür, dass sie Politikstrategen sind. Bernanke dagegen ist Akademiker, den Mankiw als Wissenschaftler kennt. Unter diesen Umständen ist ein gewisser Vertrauensvorschuss nicht unvernünftig.

  20. 4.10.2008 | 18:22

    Der Chef der Fed erfüllt politische Aufgaben. Ich habe den Punkt auch hier in anderer Weise aufgenommen:
    http://ef-magazin.de/2008/10/04/722-kreditkrise-der-bailout

  21. 13.10.2008 | 21:26

    [...] darauf hinweisen, sowohl in einem längeren eigenen Artikel als auch mit Verweisen auf einschlägige Blogs und anderen Kurzeinträgen dazu beigetragen zu haben), jemand die Chuzpe besitzt, von einem [...]

  22. 13.10.2008 | 21:26

    [...] darauf hinweisen, sowohl in einem längeren eigenen Artikel als auch mit Verweisen auf einschlägige Blogs und anderen Kurzeinträgen dazu beigetragen zu haben), jemand die Chuzpe besitzt, von einem [...]

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