Im Paralleluniversum

Die »taz« plädiert vehement für ein Bündnis aus SPD, Grünen und Kommunisten in Hessen. Besonders schön ist folgende Aussage aus dem Kommentar:

Doch Verteufelungen der Linken funktionieren im Jahr 2008 nicht mehr, sie fallen eher auf den Ankläger zurück. Das hat zuletzt die CSU in Bayern mit ihrem Kreuzzug gegen die Linke bewiesen, der damit endete, dass sie selbst zu Kreuze kriechen musste.

Aha. Dann würde mich aber interessieren, warum die drei linken Parteien in Bayern gerade mal auf ein Drittel aller abgegebenen Stimmen gekommen sind. Die »taz« phantasiert sich aus den Verlusten der CSU einen Erfolg der Linken zurecht.

Das Gegenteil ist richtig: die Verzögerungstaktik der hessischen SPD hat sich nicht ausgezahlt. Und die Idee eines Bündnisses aus SPD, Grünen und Kommunisten ist in Bayern mit Pauken und Trompeten durchgefallen. Die Linken konnten kaum Wähler für ein Linksbündnis mobilisieren. Aber im Paralleluniversum der »taz« mag das wie ein Erfolg aussehen, weil ja der große Feind CSU verloren hat. An wen die CSU die Stimmen verloren hat, erwähnt man lieber nicht. Auch eine Art, die Realität auszublenden …

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61 Kommentare zu “Im Paralleluniversum”

  1. 1.10.2008 | 9:51

    Ach, Parteipolitik und Parteientaktiererei ist doch so abgehoben von der Realität, dass Logik auch nicht erwartet werden muss.

  2. 1.10.2008 | 10:06

    So gut ich den Einwand gegen den taz-Kommentar verstehen kann, so wenig verstehe ich dann allerdings auch Deine Interpretation.
    Die taz-Einschätzung versagt schon deswegen, weil die Linke in Bayern selbst sagt, dass der “Kreuzzug” der CSU gegen sie, den Einzug in den Landtag verhindert hätte.
    Zu Deiner Einschätzung: Mit allem Verlaub, aber in Bayern eine Rot-Rot-Grün-Regierung? Das gab es nichtmal als Idee. Da fantasierst Du Dir etwas herbei. Das ist geradezu, als ob man im Jahr 2008 behauptet, dass die Bayern-SPD die CSU überholen könnte …

  3. stefanolix
    1.10.2008 | 10:36

    Ich schätze es so ein: Dieser »Kreuzzug« war ein letzter verzweifelter Versuch von Beckstein und Huber, die Sympathisanten der »Freien Wähler« wieder zurück zur CSU zu holen. Oder wie Boche sagt: »Parteipolitik und Parteientaktiererei«. Dieser Kreuzzug war nicht wirklich gegen die Kommunisten gerichtet, sondern sollte die Reihen der CSU schließen. Es konnte nicht funktionieren, weil die CSU vorher schon sehr viele Fehler gemacht hat.

    Insofern ist der Einwand der LinksPartei/PDS/SED Unsinn: dann hätten sie halt selbst überzeugender sein müssen.

    @christianK: Ich habe nichts von einer Rot-Rot-Grün-Regierung in Bayern geschrieben. Ich habe nur den Stimmenanteil der drei Parteien genannt. In Wahrheit ist die Zustimmung ja noch viel geringer, nachdem 40% überhaupt nicht zur Wahl gegangen sind. Die Idee eines Bündnisses ist in der Tat durchgefallen: die Wähler waren abgeschreckt von dem Schmierentheater in Hessen. Die SPD ist momentan keine verlässliche Partei und das hat sie mit ihrem Rekord-Tiefstand auch bestätigt bekommen.

  4. 1.10.2008 | 11:18

    Verteufelungen der Linken funktionieren im Jahr 2008 nicht mehr, weil es keine Sowjetunion oder DDR mehr als abschreckendes Gesellschaftsbeispiel mehr gibt. Dafür aber aktuell abschreckende Marktwirtschaftsbeispiele.

  5. 1.10.2008 | 11:44

    @Marc

    Marktwirtschaft? Wo denn?

  6. Fuchur
    1.10.2008 | 12:01

    @Marc
    Statt DDR oder UdSSR gibt es heute z.B. Venezuela, wo - wie Lafontaine uns bei Maischberger belehrt hat - momentan “viel Gutes passiert”…

  7. 1.10.2008 | 12:02

    Hätte ich Kapitalismus schreiben sollen? ;-)

  8. 1.10.2008 | 12:04

    Aber die venezulanische Flotte kreuzt nicht vor Helgoland wie weiland russische Panzer in der DDR auffuhren.

  9. 1.10.2008 | 12:38

    [...] dazu,wenn der Abfall der CSU weit unter 50% als Ruck nach links gewertet wird,wie das z.B. die taz [...]

  10. 1.10.2008 | 12:59

    @steanolix: na gut, dann sind wir ja (fast ^^) einer Meinung.

    “Die Idee eines Bündnisses ist in der Tat durchgefallen: die Wähler waren abgeschreckt von dem Schmierentheater in Hessen.”

    Ich denke nicht, dass die Geschichte in Hessen für das Wahlverhalten in Bayern irgend eine Rolle gespielt hat, einfach weil Wiesbaden hier in München ganz schön weit weg ist. (Je nach dem, wie man den Doppelpunkt bei Dir vesteht ist das dann Widerspruch oder Ergänzung von meiner Seite.)

  11. 1.10.2008 | 13:00

    sry, hab das “f” vergessen. War keine Absicht.

  12. stefanolix
    1.10.2008 | 13:46

    Du magst mir gern widersprechen, aber ich vermute doch, dass es auch in Bayern überregionale Medien gibt und dass sich die Wähler ein umfassendes Bild der SPD gebildet haben. — Dresden ist von Wiesbaden noch weiter entfernt. Aber auch hier würde ich keine der drei beteiligten Parteien wählen.

  13. R.A.
    1.10.2008 | 15:14

    @christianK:

    weil die Linke in Bayern selbst sagt, dass der “Kreuzzug” der CSU gegen sie, den Einzug in den Landtag verhindert hätte.

    Das ist aber eine sehr dümmmliche Ausrede der Kommunisten.
    Ansonsten laufen sie nämlich immer rum und erklären öffentliche Freude über alle solche Kampagnen, weil sie das doch stärken würde.

    aber in Bayern eine Rot-Rot-Grün-Regierung?

    War dort in der Tat nie angedacht.
    Wohl aber haben alle drei linken Parteien am Wahlabend erklärt, das bayrische Ergebnis wäre eine Absage an schwarz-gelb - und haben schon so getan, als wäre jetzt eine rot/grüne bzw. rot/rot/grüne Option für Berlin wahrscheinlicher geworden.

  14. DDH
    1.10.2008 | 15:34

    Ist es nicht letztlich egal, ob eine sozialistische Landesregierung unter Seehofer oder unter Ypsilanti gebildet wird?

    @Marc: An der Wallstreet scheitert gerade auf grandioser Bühne die zentralistische Planwirtschaft in der Geldpolitik und der corporative welfare state und Du phantasierst von abschreckenden Marktwirtschaftsbeispielen???

  15. Herbert
    1.10.2008 | 15:49

    Ich finde es schade, dass Günter Beckstein heute zurückgetreten ist. Der Mann war mir sympathisch, und wenig Schuld am übertriebenen Wahlabsturz hat er auch. Kommt es jetzt zu einer Spaltung von Franken und Bayern? Auf jeden Fall kommt jetzt Horst Seehofer, und mit dem kann sich der Koalitionspartner schon mal auf einen Einlauf vorbereiten, denn er hat mindestens zwei weitere Koalitionen drauf, ohne dass er Neuwahlen braucht.

    @ DHH
    “An der Wallstreet scheitert gerade auf grandioser Bühne die zentralistische Planwirtschaft in der Geldpolitik und der corporative welfare state und Du phantasierst von abschreckenden Marktwirtschaftsbeispielen???”
    Diese Interpretation ist Dir ja reichlich früh eingefallen. Mir war bis vor kurzem noch so, als seien die USA das Mekka der meckernden deutschen Liberalen. So kann man sich täuschen!

  16. 1.10.2008 | 15:54

    @stefanolix:
    Die Distanz bezog ich eher auf das (immer angegebene) eigenbrödlerische Bayerns, das schon auch die Bayern-SPD ein wenig für sich beansprucht. Es kann natürlich sein, dass mich die Zeit Lügen straft, aber zumindest 2008 ist diese Bayern-SPD mit Leuten wie Ude und Maget inhaltlich sehr weit weg von der Linken.

    (Ist es in anderen Bundeländern eigentlich üblich, dass das Bundesland in der Selbstbezeichnung des jeweiligen Landesverbandes der SPD vorangestellt wird?)

    @R.A.
    So weit ich weiß, ging die Beschwerde der Linken ja nicht dahingehend, dass die CSU sie nicht mag, sondern dahin, dass die Regierung Maßnahmen gegen die Linke ergriffen hat, die gerade an der Grenze des rechtlich noch Zulässigen war. (Mit Verfassungsschutz, etc.)
    Wie weit das in der Sache richtig ist, kann ich allerdings nicht beurteilen.

    “Wohl aber haben alle drei linken Parteien am Wahlabend erklärt, das bayrische Ergebnis wäre eine Absage an schwarz-gelb - und haben schon so getan, als wäre jetzt eine rot/grüne bzw. rot/rot/grüne Option für Berlin wahrscheinlicher geworden.”

    Das ist m.E. Deine Interpretation. Denn primär haben SPD und Grüne gesagt, dass das eine Abwahl der CSU ist. Die Behauptung, damit auch Schwarz-Gelb gemeint zu haben, ist Deine Interpretation. Im Gegenteil, haben sich doch SPD und Grüne um die FDP bemüht.

    In diesem Zusammenhang ist ein Kommentar (hier als Audiodatei) von Heribert Prantl ganz interessant. Auch wenn er es selbst als Fantasiestück bezeichnet, geht er bspw. davon aus, dass eine Koalition von FDP, FW, Grüne, SPD in Bayern mit Maget unmöglich, mit einem Daxenberger aber eher denkbar ist.

  17. R.A.
    1.10.2008 | 16:59

    @Herbert:

    und wenig Schuld am übertriebenen Wahlabsturz hat er auch.

    Das war eine Landtagswahl.
    Wer kann denn da noch mehr am Desaster schuld sein als der MP, der bestätigt werden will?

    Mir war bis vor kurzem noch so, als seien die USA das Mekka der meckernden deutschen Liberalen.

    Kannst Du irgendeinen Beleg dafür bringen, daß irgendein Liberaler das so gesehen hat?

  18. R.A.
    1.10.2008 | 17:05

    @christianK:

    dass die Regierung Maßnahmen gegen die Linke ergriffen hat, die gerade an der Grenze des rechtlich noch Zulässigen war.

    Eine VS-Überwachung ist ja nun nichts Unübliches, rechtlich auch völlig unproblematisch.
    Und vor allem verstehe ich nicht, wieso das den Kommunisten geschadet haben soll - deren Wähler sehen das doch eher noch als Auszeichnung.

    Das ist m.E. Deine Interpretation.

    Die Grüne in der Berliner Runde hat das wörtlich so gesagt.
    Bei den beiden anderen ist das in der Tat meine Interpretation - aber m. E. durchaus berechtigt. Aber da müßte man einen Mitschnitt der Sendung haben, das ist einfach nur als Eindruck bei mir hängen geblieben.

    Im Gegenteil, haben sich doch SPD und Grüne um die FDP bemüht.

    Das ist ja kein Gegenteil!
    Das “Scheitern” von schwarz-gelb paßt hervorragend dazu, daß sich rot/grün um die FDP bemühen, ist eigentlich sogar Voraussetzung.

    mit einem Daxenberger aber eher denkbar ist.

    Was hat Prantl denn da wieder für Mittel genommen?

  19. 1.10.2008 | 17:43

    Die Grüne in der Berliner Runde hat das wörtlich so gesagt.

    Steffi Lemke ist ja eben auch nicht aus Bayern ^^

    mit einem Daxenberger aber eher denkbar ist.
    Wahrscheinlich nur die Einsicht, dass Maget in Bayern echte Probleme hätte als MP akzeptiert zu werden. Während Daxenberger schon eher zur Integarationsfigur tauglich scheint.

  20. 1.10.2008 | 20:41

    @Herbert

    So kann man sich täuschen!

    Platteste Behauptungen, die du selbst nicht glaubst, sind mehr als überflüssig. Dafür, dass du DDH auch noch völlig falsch einordnest, bist du mit deinem Urteil ziemlich fix bei der Hand. Ist das eigentlich ein Zwang?

  21. 2.10.2008 | 1:56

    “Mir war bis vor kurzem noch so, als seien die USA das Mekka der meckernden deutschen Liberalen.”

    You must be new here.

  22. Herbert
    2.10.2008 | 9:17

    @ Rayson
    “Dafür, dass du DDH auch noch völlig falsch einordnest,…”
    Oh, tut mir leid, wenn ich einen Trotzkisten mit einem Maoisten verwechselt haben sollte.

  23. stefanolix
    2.10.2008 | 10:18

    Daran sieht man wieder mal, wie praktisch ad-personam-Argumentationen in der Praxis sind. Herbert, könntest Du Deine eigentlichen Argumente noch mal verständlich wiederholen, damit die Diskussion weitergehen kann?;-)

  24. Herbert
    2.10.2008 | 10:28

    Welche Diskussion?

  25. Markus
    4.10.2008 | 0:41

    Gute Frage, welche Diskussion? Wenn`s in der kapitalistischen Marktwirtschaft drunter und drüber geht, kommen die “echten Liberalen” und behaupten: “Das war doch keine Markwirtschaft, das war Sozialismus!” Jawohl, in den USA herrscht Sozialismus, aber der der Reichen und Einflußreichen untereinander.

    Vielleicht noch eine Anmerkung zu den “Kommunisten” hierzulande. Der sachsen-anhaltinische CDU-Ministerpräsident Böhmer hat nicht zum ersten Mal darauf aufmerksam gemacht, daß man mit Verteufelungen den Menschen die Linkspartei nicht wird ausreden können. Warum mag das so sein?

  26. 4.10.2008 | 1:06

    @Markus

    Ich weiß nicht, wen du mit den “echten Liberalen” meinst, aber diejenigen, die das Wirtschaftssystem der USA für zu sehr staatsdominiert halten, haben das so schon immer gesagt, und ich habe in einem anderen Beitrag bereits ein Beispiel gezeigt, wie jemand aus dieser Analyse heraus die aktuelle Krise nachweisbar vorhersehen konnte.

    Es ist dann auch nur folgerichtig, das Eingreifen des Staates in Form von “Rettungsplänen” abzulehnen, weil auch das nur ein weiteres Außerkraftsetzen erforderlicher Marktkonsequenzen ist, das zudem die nächste Krise bereits programmiert.

    Warum mag das so sein?

    Frag Herrn Böhmer. Ich wüsste auch nicht, warum man irgendjemandem irgendetwas “ausreden” sollte. Wer Ohren hat zu hören, der höre.

  27. stefanolix
    4.10.2008 | 7:38

    Markus, vorerst nur zum zweiten Teil Deines Kommentars: Die LinksPartei/PDS/SED muss in der Tat nicht verteufelt werden. Aber wer tut das hier? Könntest Du bitte mal an einem konkreten Beispiel erläutern, was Du unter »verteufeln« verstehst?

    Ich werde immer sachlich darauf hinweisen, dass diese Partei im Grunde eine direkte Nachfolgepartei der SED-Kommunisten ist (zwei Drittel der Mitglieder waren früher in der SED, etliche gehörten zu entsprechenden Gruppen im Westen). Aus diesen Wurzeln ergibt sich bis heute ihre Ideologie. Erst als sie in Hessen zum Linksbündnis gebeten wurden, verschwanden DDR-verherrlichende Dokumente von ihrer Webseite. DDR-Ideologie und DDR-Verherrlichung gehören bis heute zu den wichtigsten inneren Werten dieser Partei.

    Die CSU hat es öffentlichkeitswirksam mit einem »Kreuzzug« versucht, als ihr die Felle davonschwammen. Dazu habe ich oben schon etwas gesagt.

  28. Fuchur
    4.10.2008 | 15:37

    Das ist wohl gerade das, was man unter “Verteufelung” versteht: Dass man sich nicht bloß auf’s Tagesgeschäft beschränkt, und mit Lafontaine gesittet über die richtige Höhe des Mindestlohns oder der Staatsquote oder von HarzIV debattiert - sondern dass man die demokratische Legitimation Der Linken grundsätzlich (und u.U. auch ohne aktuellen Anlass) in Frage stellt.

    Insofern finde ich: Man müsste Die Linke noch viel mehr “verteufeln”.

  29. Markus
    5.10.2008 | 0:44

    @ Rayson

    Daß die Krise vorhersehbar war, ist richtig. Was man aber unter “staatsdominiert” verstehen soll, ist mir nicht verständlich. Wenn man sich nur einmal vor Augen führt, welch immenser Schaden durch das maßlose Treiben an den Finanzmärkten entstanden ist. Und die Gewinne werden privatisiert, die Verluste aber sozialisiert.

    Woher kommt nur das viele “Spielgeld” im “Casino-Kapitalismus”? Durch ein “Zuviel” an politischer Einmischung in Form von jahrelanger Umverteilungspolitik nach oben nämlich.

    Man könnte jetzt noch darüber streiten, ob der Staat nach dem eingetretenen Finanz-Fiasko eingreifen sollte oder nicht. Die Frage ist aber nicht das “Ob”, sondern nur das “Wie”. Verantwortungsethik vor Gesinnungsdenken.

    @ stefanolix

    Der CDU-Mann Wolfgang Böhmer hat erkannt, daß die Menschen sich weniger für die DDR-Vergangenheit interessieren als sich vielmehr Sorgen um ihre Zukunft machen. Und dabei erscheint nicht nur vielen “Ossis”, sondern zunehmend auch manch einem “Wessi” die soziale Ausrichtung der Linkspartei überzeugender zu sein als die Reformpolitik der anderen Parteien. Das Hemd ist einem ja auch näher als die Jacke.

  30. stefanolix
    5.10.2008 | 10:37

    In Frage stellen muss man immer wieder, ob die Linke/PDS intern eine Partei ist, die auf dem Boden unseres Grundgesetzes steht und ob sie in der Mehrheit ihrer Mitglieder wirklich eine demokratische Partei ist.

    Die Machtbesessenheit der hessischen SPD und ihrer Spitzenkandidatin wird wohl nun bald dazu führen, dass die Linke/PDS maßgeblich über die Landespolitik mitbestimmt, obwohl von ihr in Hessen bisher keine wirklich überzeugende Politik ausging. Wie war das noch mit dem Hüttendorf und den Aussagen dieses führenden Altkommunisten?

    Aber alle anderen Optionen hat die SPD ja verworfen. Das Linksbündnis darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei der Linken/PDS auch Altkommunisten und Linksextreme mit am Werke sind. Es bleibt zwar zu hoffen, dass die Linken sich bald zerreiben, aber es scheint kaum realistisch: zu warm sind die Sessel in einem Landtag 

    Die demokratische Legitimation kann man wohl nicht in Frage stellen: immerhin hat die Linke/PDS in Hessen, Bayern oder Niedersachsen eben einen bestimmten Anteil der Stimmen erhalten und das legitimiert sie auch zur Vertretung der Interessen dieser Wähler. Um so mehr muss man beobachten, was in dieser Partei vorgeht und welche linksextremen Positionen dort weiterhin vertreten werden. Und man muss es — ohne Verteufelung — immer wieder offen sagen. Hoffentlich fliegen sie dadurch bald wieder aus den Landtagen der westlichen Bundesländer raus;-)

  31. stefanolix
    5.10.2008 | 15:17

    Ergänzung: Zettel findet wieder einmal passende und deutliche Worte.

  32. stefanolix
    5.10.2008 | 16:12

    @Markus: habe Deinen Kommentar (zweite Version) gerade aus dem Spam geholt. Was die Antwort an mich betrifft: sie geht IMHO leider am Problem und an meiner Frage vorbei.

    Die Linkspartei hat keine soziale Ausrichtung. Die Linkspartei hat eine linkspopulistische Ausrichtung. Sie hat keine ökonomisch belastbaren Antworten auf die Frage nach der Finanzierung all der Wohltaten, die sie verspricht. Wo sie mitregiert, geht es auch niemandem besser (im Gegenteil: in Berlin ist wohl schon jeder Sechste auf ALG-II angewiesen).

  33. 5.10.2008 | 16:28

    @Markus

    Und die Gewinne werden privatisiert, die Verluste aber sozialisiert.

    Erstens werden auch Verluste privatisiert - frag mal die Anteilseigner von FannieMae, FreddyMac, Lehman Brothers, AIG, Merrill Lynch oder Goldman Sachs.

    Und zweitens versuchst du wieder, die Politik der US-Regierung mit liberalen Vorstellungen gleichzusetzen. Aus der radikal-liberalen Ecke aber kommt mit die härteste Kritik an den “Rettungsplänen”.

    Woher kommt nur das viele “Spielgeld” im “Casino-Kapitalismus”? Durch ein “Zuviel” an politischer Einmischung in Form von jahrelanger Umverteilungspolitik nach oben nämlich.

    Sorry, aber das ist Unfug. Das viele “Spielgeld” hat Herr Greenspan in Umlauf gebracht, der auf jedes Problem mit einem Öffnen der Geldschleusen reagierte.

  34. Fuchur
    5.10.2008 | 23:00

    Die demokratische Legitimation kann man wohl nicht in Frage stellen: immerhin hat die Linke/PDS in Hessen, Bayern oder Niedersachsen eben einen bestimmten Anteil der Stimmen erhalten

    Ok, allerdings hat nach der Definition dann auch die NPD eine “demokratische Legitimation”.

  35. Michel
    5.10.2008 | 23:23

    @ Fuchur: “Ok, allerdings hat nach der Definition dann auch die NPD eine “demokratische Legitimation”.”

    Was erwartet man auch von einer Worthülse wie demokratische Legitimation? Der Begriff ist der Belibigkeit doch völlig ausgeliefert.

  36. Markus
    5.10.2008 | 23:37

    @ stefanolix

    Linke Spinner gehören natürlich nicht in die Politik (rechte aber auch nicht).

    Die “Machtversessenheit” der Hessen-SPD kann sich nur noch mit der von Roland Koch messen! Sein rechtspopulistisch geführter Wahlkampf wurde vom Wähler aber angemessen quittiert.

    Jetzt bliebe noch die Frage zu klären, weshalb die Linkspartei überhaupt diesen Aufschwung erlebt. Das wird wohl mit der Reformpolitik der anderen Parteien zu tun haben: TINA, na klar, und die Bankenpleiten Überregulierung, was sonst.

    @ Rayson

    Mit einer gewissen Berechtigung kann man die Radikal-Liberalen als eine Art Glaubenssekte bezeichnen, die schon mehr politischen und ideologischen Einfluß ausgeübt haben, als einem lieb sein sollte. Wenn`s dann brennt, sind es freilich die anderen gewesen.

    Was das “Spielgeld” angeht, kommt es auch aus der jahrelangen Umverteilungspolitik nach oben. Greenspans Politik des billigen Geldes hat allerdings auch zu der Misere beigetragen, weil nicht die Realwirtschaft, sondern die Finanzwirtschaft profitiert hat.

  37. 6.10.2008 | 12:30

    @Herbert

    Ich finde es schade, dass Günter Beckstein heute zurückgetreten ist.

    Habe ich jetzt als “Bayer” geschlafen? Der Beckstein ist noch Ministerpräsident. Schließlich besteht die alte Regierung noch.

    Er hat das nämlich falsch gesagt (auch wenn es Korinthenkackerei ist): Er tritt nicht mehr zur Wahl des Ministerpräsidenten in der nächsten Legislaturperiode an.

  38. 6.10.2008 | 20:22

    @Markus

    Wenn`s dann brennt, sind es freilich die anderen gewesen.

    Wie gesagt: Nicht erst, wenn es “brennt”, sondern schon lange, lange vorher haben die Radikalliberalen ihre Kritik angebracht und damit eben offensichtlich keinen Einfluss ausgeübt. Wie auch - radikalliberale Vorschläge sind für die Politik sinnlos, weil sie auf deren weitestgehende Selbstabschaffung hinauslaufen würden.

    Greenspans Politik des billigen Geldes hat allerdings auch zu der Misere beigetragen, weil nicht die Realwirtschaft, sondern die Finanzwirtschaft profitiert hat.

    Eine Politik des billigen Geldes führt immer zu Verwerfungen. Wie man sieht. Und auch, wenn es dir so sehr in den Kram passen würde: “Umverteilung” (eigentlich eine unsinnige Bezeichnung für das Ergebnis von Marktprozessen) ist keine Ursache der aktuellen Krise.

  39. 6.10.2008 | 20:24

    Jetzt bliebe noch die Frage zu klären, weshalb die Linkspartei überhaupt diesen Aufschwung erlebt.

    Es gibt ein weitverbreitetes Bedürfnis, auf Kosten anderer zu leben. Die SPD erfüllt dies seit der Agenda 2010 nur sehr unzureichend, also gibt es jetzt Konkurrenz.

  40. Michel
    6.10.2008 | 22:07

    @ Markus: Ich glaube du siehst Gespenster, kannst du ein Beispiel nennen in dem die radikal-Liberalen politischen Einfluss ausgeübt haben?

  41. Markus
    7.10.2008 | 1:15

    @ Michel

    Mir ist das, was jetzt durch die globale Finanzkrise passiert, schon radikal genug.

    Die philosophisch-theoretischen Vorarbeiten dazu stammen auch von Hayek und die wirtschaftswissenschaftliche Aufbereitung von den “Chigago Boys”; selbst wenn diese durch die ausführende Politik etwas “verwässert” wurden.

    @ Rayson

    Warnungen vor dem “großen Knall” gab es auch von kritischen linken Wissenschaftlern reichlich. Aber die Politik hat ihre Ohren meist nur auf Durchzug gestellt, und zwar indem national und international weiter fleißig dereguliert und liberalisiert wurde. Manchen mag auch das noch nicht weit genug gegangen sein.

    Die langjährige Umverteilungspolitik hat die Massenkaufkraft nachhaltig geschwächt und die Gewinne in der Realwirtschft schrumpfen lassen, so daß es lohnender erschien, in die boomende Finanzindustrie zu investieren. Wer lebt nun auf Kosten des anderen? Der Arbeiter oder der Manager?

  42. 7.10.2008 | 1:23

    @Markus

    Deregulierung und Liberalisierung haben leider mit der Krise nichts zu tun. Aber du kannst deine Behauptung natürlich gerne belegen.

    Die langjährige Umverteilungspolitik hat die Massenkaufkraft nachhaltig geschwächt und die Gewinne in der Realwirtschft schrumpfen lassen, so daß es lohnender erschien, in die boomende Finanzindustrie zu investieren.

    Mit der Analyse bist du so ziemlich allein. Kein Wunder, denn der Mechanismus, über Staatseingriffe die Gewinne in der “Realwirtschaft” wachsen zu lassen, ist noch nicht erfunden worden.

    Wer lebt nun auf Kosten des anderen? Der Arbeiter oder der Manager?

    Beide leben zunächst mal auf Kosten des Aktionärs.

  43. Markus
    8.10.2008 | 1:28

    @ Rayson

    “Victory-Ackermann” mit seiner Eigenkapital-Renditeforderung von 25% ist ein Symptom der unregulierten Marktwirtschaft, wie sie in den letzten gut 30 Jahren von der Politik der führenden Wirtschaftsnationen gschaffen wurde. Irgendwann fällt das ganze Kartenhaus aber in sich zusammen und alle Welt redet wieder über Regulierung, Bankenaufsicht und Staatskontrolle des internationalen Kapitalverkehrs.

    Daß es zu der krisenhaften Umverteilung auf breiter Front kommen konnte, hängt auch mit der von vielen falsch eingeschätzten Wachstumsschwäche der hoch entwickelten Industrieländer zusammen. “Sättigung” in gesamtwirtschaftlicher Sicht läßt hohe Wachstumsraten aber nicht mehr zu. Dem einzelwirtschaftlich denkenden Betrachter ist dies wohl nur schwer nahezubringen.

    Keynes sprach übrigens vom langsamen Tod des überflüssig gewordenen Rentiers.

  44. R.A.
    8.10.2008 | 10:08

    @Markus:

    ein Symptom der unregulierten Marktwirtschaft,

    Ui, wo soll es denn die geben?
    Bestimmt nicht in Deutschland …

    alle Welt redet wieder über Regulierung, Bankenaufsicht und Staatskontrolle des internationalen Kapitalverkehrs.

    Klar, und alle Welt liest die BILD, also hat die Zeitung recht.

    Wenn man sich mal so anschaut, wie die Politgrößen Steinbrück, Glos und Lafontaine im Verwaltungsrat der KfW - wo sie vergleichsweise direkten Durchgriff hatten - bei der Regulierung versagt haben, dann muß man schon blind sein, um von der Politik eine erfolgreiche Regelung der Gesamtwirtschaft zu erwarten.

    “Sättigung” in gesamtwirtschaftlicher Sicht läßt hohe Wachstumsraten aber nicht mehr zu.

    Völlig unbelegte Hypothese.

  45. 8.10.2008 | 19:54

    “Victory-Ackermann” mit seiner Eigenkapital-Renditeforderung von 25% ist ein Symptom der unregulierten Marktwirtschaft.

    Eine so lausige Rendite toppe ich mit meiner Firma um ein Hundertfaches.

    @R.A.

    Völlig unbelegte Hypothese.

    Wie kannst du sowas sagen? Das hat er doch von Keynes, mit dem das Ende der Wirtschaftswissenschaften erreicht war.

  46. Markus
    8.10.2008 | 23:52

    @ R.A.

    Ja, “innovativ” sind sie, die Banker, wenn es darum geht, windige Finanzprodukte zu kreieren. Und dabei haben Politikergrößen wie Steinbrück & Co. mit ihrer marktgläubigen Politik kräftig mitgeholfen. In den USA, dem Mekka des Finanzmarktkapitalismus, war man selbstredend auch nicht schlauer.

    Die Ersparnisse der “Gesättigten” mußten natürlich irgendwohin und haben ihr “El Dorado” in Spekulationsgeschäften gefunden.

    @ Rayson

    Deine Firma stellt aber keine Luftnummern her - hoffe ich jedenfalls.

    Im Gegensatz zu der heutigen Ökonomenzunft ist Keynes nach wie vor ein Höhepunkt der Wirtschaftswissenschaften und wird deshalb totgeschwiegen.

  47. R.A.
    9.10.2008 | 10:28

    @Markus:
    Stelle fest, daß Du dem entscheidenden Punkt ausweichst: Wie kann man von der Politik erfolgreiche Regulierung erwarten, wenn sie bisher immer nur ihre Unfähigkeit dazu, selbst in kleinem Rahmen, unter Beweis gestellt hat?

    Und zwar nicht nur “Marktgläubige” wie Steinbrück (dessen Glauben mir hier doch eher brüchig erscheint), sondern auch der linke Guru Lafo.

  48. R.A.
    9.10.2008 | 10:32
  49. 9.10.2008 | 12:11

    @Markus

    Deine Firma stellt aber keine Luftnummern her - hoffe ich jedenfalls.

    Manchmal tut sie auch das. Wichtig ist, dass Gewinn und Cash kongruent laufen…

    Der Punkt ist aber: 25% EK-Rendite ist allein betrachtet nichts Obszönes, sondern durchaus realisierbar. Hat was mit dem Eigenkapitalbedarf zu tun.

    Im Gegensatz zu der heutigen Ökonomenzunft ist Keynes nach wie vor ein Höhepunkt der Wirtschaftswissenschaften und wird deshalb totgeschwiegen.

    Du musst es ja wissen. Ich bin immer dankbar für die Erkenntnisse von Leuten, die im Gegensatz zu mir echte Insider-Informationen aus der Ökonomie haben.

  50. stefanolix
    9.10.2008 | 12:27

    Für »wird totgeschwiegen« sollte es sowieso mal ein eigenes »Law« geben, analog zu »Godwin’s Law« und ähnlichen fundamentalen Erkenntnissen über Diskussionen im Netz. Als könne man wirklich etwas totschweigen …

    Wie man es jeweils sieht: es hat mit dem Eigenkapitalbedarf oder mit dem vorhandenen Eigenkapital zu tun. Erinnert mich an den Spruch eines »Investors«, der einem Mittelständler ziemlich viel Eigenkapital entzog und dann verlauten ließ, jetzt ließe sich doch eine viel höhere Eigenkapitalrendite erzielen …

  51. R.A.
    9.10.2008 | 12:51

    @stefanolix:

    Erinnert mich an den Spruch eines »Investors«, der einem Mittelständler ziemlich viel Eigenkapital entzog und dann verlauten ließ, jetzt ließe sich doch eine viel höhere Eigenkapitalrendite erzielen …

    Aber das ist doch völlig richtig - und in vielen Fällen auch sinnvoll.

    Wenn ein Eigentümer nicht als Hobby in einer Firma investiert, sondern als Geldanlage (und das dürfte der Normalfall sein), dann interessiert ihn in erster Linie, welche Rendite er genau für dieses Geld bekommt.
    Und die wird höher, wenn die Firma mit weniger Eigenkapital auskommt (diese Differenz kann dann anderswo investiert werden und schafft zusätzliche Erträge).

    Wie immer aber bedeutet höhere Rendite natürlich auch höheres Risiko - deswegen sollte man es mit einer solchen Eigenkapitalreduzierung nicht übertreiben.

  52. stefanolix
    9.10.2008 | 13:31

    @R.A.: Ich hatte »Investor« mit Absicht in »« gesetzt — ein solider Investor wird natürlich genau das beachten, was Du geschrieben hast.

    PS: Die EK-Rendite war ja nicht das einzige Ziel der Banken. Dass im gesamten Finanzsektor jedes Unternehmen ein Wachstum von einem Mehrfachen des allgemeinen Wirtschaftswachstums erzielen könnte, war IMHO schon sehr unwahrscheinlich.

  53. R.A.
    9.10.2008 | 14:52

    @stefanolix:

    Dass im gesamten Finanzsektor jedes Unternehmen ein Wachstum von einem Mehrfachen des allgemeinen Wirtschaftswachstums erzielen könnte, war IMHO schon sehr unwahrscheinlich.

    Ich bin mir da nicht ganz sicher - aber ich vermute, daß ist nicht nur wahrscheinlich, sondern muß sogar so sein.

    Denn bei der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung hast Du ja viele große Bereiche, in denen nichts oder fast nichts wächst (alleine schon der öffentliche Bereich).

    Wenn es da nicht den von Investoren getriebenen Bereich gäbe, der den Schnitt deutlich hebt, würde ja alles stagnieren.

  54. Markus
    10.10.2008 | 1:28

    @ R.A.

    Die Politiker sollte sich eben besser beraten lassen. Aber außer einer Heerschar von neoklassischen Ökonomen und einzelwirtschaftlich denkenden Unternehmensvertretern und Medienleuten ist in dem Rudel von Lobbyisten im politischen Berlin nichts anderes zu sehen.

    @ Rayson

    Nur komisch, daß die hohen Eigenkapitalforderungen erst aufkamen, als die Soziale Marktwirtschaft geschliffen war.

    Na ja, sozial ist eben, was Arbeit schafft, und sei es die der Banker, die Unterbringung der Überersparnis der Wohlhabenden im Spekulationsgeschäft zu besorgen.

  55. stefanolix
    10.10.2008 | 7:30

    Wir wissen inzwischen, wo die Subprime-Krise ihren Ursprung hatte und wie diese Blase sich immer weiter vergrößert hat. Mit dem angeblichen »Schleifen der sozialen Marktwirtschaft« in Deutschland hat das überhaupt nichts zu tun. Viele Marktteilnehmer haben auf den Finanzmärkten versagt, bei uns in Deutschland waren es an prominenter Stelle die staatlichen Banken mit ihren Tochtergesellschaften in Irland und an anderen Finanzplätzen.

    Die Forderungen nach hohen Eigenkapitalrenditen und hohem Wachstum haben sich während des Entstehens der »Blase« so stark erhöht. Man kann es vielleicht mit der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende vergleichen. Solche Blasen wird es immer wieder geben. Alle wissen, dass das Verhalten irrational ist, aber alle müssen mitmachen. So erklären sich die Forderungen nach hohen Renditen.

    Die Politiker wollten doch überhaupt nicht beraten werden. Sie haben am Anfang der Blase noch von scheinbaren Wertsteigerungen profitiert und wollten dann, wie bei einem Glücksspiel, immer mehr. Aber dann ist die Blase geplatzt. Zur Beratung brauchte man in diesem Fall überhaupt keine Ökonomen, sondern lediglich gute Kaufleute mit gesundem Menschenverstand.

  56. R.A.
    10.10.2008 | 10:41

    @Markus:

    Die Politiker sollte sich eben besser beraten lassen.

    Beratung kann eigene Kompetenz nur ergänzen, nie ersetzen.
    Und der beste Berater kann keine funktionsfährige zentrale Regulierung erfinden - deren grundsätzliche Unmöglichkeit ist belegt.

    daß die hohen Eigenkapitalforderungen erst aufkamen

    ,
    Welche Forderungen meinst Du da konkret?

    als die Soziale Marktwirtschaft geschliffen war.

    Wann soll das gewesen sein?
    In den letzten Jahren ist sie im Gegenteil noch weiter ausgebaut worden.
    Aktuell gerade im Gesundheitswesen, wo die Verstaatlichung fortschreitet und gerade eine sozialistische Einheitskasse in Vorbereitung ist - die entsprechenden Beitragserhöhungen kommen ja.

  57. stefanolix
    10.10.2008 | 11:04

    Markus meint wohl die Forderungen nach hoher Eigenkapitalrendite.

  58. Markus
    11.10.2008 | 0:45

    @ stefanolix

    Das Schleifen der Sozialen Marktwirtschaft hat insofern etwas mit der Finanzkrise zu tun, als daß durch die Überliquidität der Unternehmen und die Überersparnis der Wohlhabenden das nötige “Spielgeld” für die Spekulationsgeschäfte bereitgestellt wurde.

    Daß die Politiker überhaupt nicht beraten werden wollen, erscheint angesichts des wuchernden Lobbyismus “unwahrscheinlich-wahrscheinlich”.
    In puncto angebotsorientierte Wirtschaftspolitik haben die “beratungsresisten Politiker” aber wohl doch zugehört.

    Ein typisches Beispiel für die Irrationalität der “Faszination Markt” ist aber deine Aussage, wonach es die irrationalen Blasen immer wieder geben wird und man nichts dagegen machen könne.

    @ R.A.

    Wir brauchen Politiker, die mehr von gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen verstehen. Ein erneuter Methodenpluralismus und Wettbewerb der unterschiedlichen theoretischen Konzepte in den Wirtschaftswissenschaften würden allen gut tun.

    Die Gesundheitsreformen der letzten Jahre haben eher das Prädikat unsozial und ungerecht verdient und sind damit sicherlich kein Beispiel für die Soziale Marktwirtschaft, eher schon eines für die “Unsoziale Machtwirtschaft”.

  59. 12.10.2008 | 12:47

    @Markus

    “Überersparnis” dürfte so ziemlich das genaue Gegenteil dessen sein, was als Ursache der Krise anzusehen ist.

    Wir brauchen Politiker, die mehr von gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen verstehen.

    Das finde ich auch. Dabei ist der Mankiw doch gar nicht mal so schwer zu lesen.

    Ein erneuter Methodenpluralismus und Wettbewerb der unterschiedlichen theoretischen Konzepte in den Wirtschaftswissenschaften würden allen gut tun.

    Allein schon, dass du mit dieser Aussage suggerierst, momentan wäre das Gegenteil der Fall, zeigt mir, dass du nicht besonders nahe dran sein kannst an dieser Disziplin.

  60. 12.10.2008 | 14:05

    Amerikanische “Überersparnis”, um genau zu sein…

  61. Markus
    12.10.2008 | 21:59

    Um uns alle mal auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen:

    http://www.jjahnke.net/index.html
    Informationsportal Globalisierung - Standort Deutschland - Neoliberalismus - Falsche Rezepte, Joachim Jahnke

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