13. Oktober 2008
Der witzigen Beobachtungen kein Ende
Mein Beitrag “Witzige Beobachtung” wurde die Ehre zuteil, in die Zusammenstellung des wohl sehr bedeutenden, mir bis dato aber völlig unbekannten Blogs(?) “medienlese.com” aufgenommen zu werden. Ein mir ebenfalls bis dato unbekannter Klaus Jarchow schreibt sich dort, nachdem er auf eine geniale, noch nie dagewesene Verballhornung unseres Blognamens kam (immer schön zu sehen, wie der wirkt!), den Frust von der Seele, weil ich angeblich von ihm verlange, eine Bankbilanz lesen zu können, bevor er sich anschickt, dem dringenden Bedürfnis nachzukommen, die seinem feststehenden Urteil entsprechenden Aussagen über die Finanzkrise zu treffen.
Nun, so ganz stimmt das nicht, denn dazu müsste er sich erst den Schuh anziehen, diese Krise ebenfalls als Zeichen für das Ende freier Märkte anzusehen, und so richtig verlangt habe ich eigentlich auch nichts. Aber egal, er hat schon recht: Die Zielrichtung passt. Zumal die Art und Weise, wie der Kollege die Namen Keynes und Hayek in den Raum wirft, Zweifel daran weckt, ob er sich mit einem von beiden schon mal näher befasst hat.
Und wie immer, wenn sich einer angepinkelt fühlt, kommt dann die Retourkutsche: Die “Liberösser” (welch Wortspiel!) könnten “mit Sicherheit auch keinen kommunalen Haushaltsplan lesen” bzw. auch nicht die “mathematische Lösung eines topologischen Problems”. Mal abgesehen davon, dass Herr Jarchow auf diese Sicherheit lieber keine Wetten abschließen sollte, wäre es allerdings tatsächlich sehr nett von ihm, mich demnächst daran zu erinnern, wenn ich zu kommunalen Haushaltsplänen oder topologischen Problemen Stellung beziehe. Nur ist mir komplett entgangen, wieso die Kenntnis dieser Bereiche jemanden dazu befähigen sollte, apodiktische Urteile über die Finanzkrise zu fällen.
Einen Schwank aus seiner Jugend hat Kollege Jarchow dann auch noch zu bieten:
“Warst du denn schon mal ‘drüben’?“, pflegte mein Papa mich früher zu fragen. Nein, das war ich nicht - also durfte ich nicht mitreden.
Also, ich hätte ihn natürlich mitreden lassen. Aber dass man als echter Linker schon eine besondere Glaubensstärke mitbringen musste angesichts des offensichtlichen Elends des “real existierenden Sozialismus”, der nicht nur sichtbar die Substanz von Gebäuden, sondern auch die Ideen und die Initiative vieler Millionen verrotten ließ, das stimmt allerdings. Wenn man sich rückblickend überlegt, welcher Schwachsinn damals über die DDR hierzulande so behauptet wurde, scheint die größte Errungenschaft des Sozialismus eine wahrhaft herkulische PR-Leistung gewesen zu sein.
Hier wie dort: Kenntnis der Materie hat sich noch nie als schädlich erwiesen. Allerdings sehr wohl als hinderlich beim Formulieren knackiger Verdikte.
Nur eins nervt mich wirklich: Dass man angesichts der vielen Beiträge, die in der liberalen Blogosphäre zu dem Thema erschienen sind (und ich darf unbescheiden darauf hinweisen, sowohl in einem längeren eigenen Artikel als auch mit Verweisen auf einschlägige Blogs und anderen Kurzeinträgen dazu beigetragen zu haben), jemand die Chuzpe besitzt, von einem “beredten Schweigen” zu sprechen. Mal abgesehen von der Frechheit desjenigen, der im Auftrag einer AG bloggt, aber denen, die wie meinereiner ihren Lebensunterhalt mit anderen Sachen verdienen, mangelnden Ausstoß vorwirft.
Ging es in meiner Kritik nicht eigentlich genau darum? Dass Leute über Sachen urteilen, ohne sie zu kennen?
Verfasst von Rayson um 21:25 Uhr in der Kategorie Blogosphäre, Politik, Wirtschaft, Wirtschaftspolitik (Trackback)