Gar nicht verdient

Was ich schon gedacht habe, als ich die alte Dame sah, die Obama einen “Araber” nannte und von McCain unterbrochen wurde, hat sich bestätigt, als ich heute Morgen die Ansprache von McCain zur Wahlniederlage gesehen habe. Während der Kandidat selbst nämlich sich als guter Verlierer erwies, der seinem Konkurrenten ordentlich gratulierte, ihn lobte und ihm alles Gute wünschte, musste er dabei gegen ein Pfeif- und Buh-Konzert anreden und teilweise sogar aufhören, um um Ruhe zu bitten.

Und da dachte ich erneut: Eigentlich haben weite Teile der republikanischen Parteibasis einen dermaßen integren und demokratisch-fairen Kandidaten wie John McCain gar nicht verdient. Auch, wenn ich McCain zuvor nicht mochte und auch manches unmöglich fand, was ich von ihm gehört oder gesehen habe: Der Mann hat durch seinen Wahlkampf bei mir viel an Ansehen gewonnen (im Gegensatz zu Sarah Palin).

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17 Kommentare zu “Gar nicht verdient”

  1. 5.11.2008 | 20:35

    Weil es einer meiner frühen Eindrücke amerikanischer Politik war, kann ich mich noch gut daran erinnern, wie Michael Dukakis seine Niederlage gegen George H.W. Bush am Wahlabend erklärte, und auch daran, wie Dukakis seine demokratischen Anhänger beschwichtigen musste als sie bei der Erwähnung von Bushs Namen was wohl taten? Richtig: Sie buhten.

    Und ähnliches habe ich auch noch von der Kerry- und Gore-Wahl im Kopf.

    Was zudem im Grant Park in Chicago passiert wäre, hätte McCain überraschend doch gewonnen - gar nicht auszudenken. Und übrigens auch verständlich, wenn man einen harten Wahlkampf hinter sich hat und die Enttäuschung groß ist.

  2. 5.11.2008 | 20:50

    @Wullenwever:

    Was zudem im Grant Park in Chicago passiert wäre, hätte McCain überraschend doch gewonnen - gar nicht auszudenken.

    Wieso habe ich kommen sehen, dass genau der Satz fällt. Aber: Auch wenn es nicht auszudenken ist, denken wir es doch mal aus. Was wäre denn im Grant Park passiert, wenn McCain gewonnen hätte, dass so schrecklich geworden wäre, dass wir es uns kaum ausdenken können. Muss ja schon mehr sein, als ein paar Buh-Rufe und Pfiffe.

    @Karsten:

    Auch, wenn ich McCain zuvor nicht mochte und auch manches unmöglich fand, was ich von ihm gehört oder gesehen habe: Der Mann hat durch seinen Wahlkampf bei mir viel an Ansehen gewonnen (im Gegensatz zu Sarah Palin)

    Bei mir hat McCain darunter gelitten, dass hier nicht der McCain angetreten ist, der 2000 von der rove’schen Schmierkampagne geschlagen wurde, sondern jemand der entweder gewillt war zu akzeptieren oder nicht stark genug war um zu verhindern, dass seine eigene Kampagne von Rove-Schülern gehijackt wurde. Das Kuckucksei, das er sich mit Palin ins Nest gelegt hat/hat legen lassen [und damit eben auch diese hässlichen Szenen, die "Terrorist"- und "Kill him"-Rufe auf den Rallies], die Bereitschaft mit der er plötzlich mit der Religiösen Rechten gekuschelt hat, all das fand ich sehr enttäuschend. Ich hatte mir mehr erhofft von McCain. Obwohl ich ihm Größe in der Concession Speech zugestehen muss.

  3. 5.11.2008 | 21:07

    @Björn:

    Es ist nur so weit nötig, es für die eine Seite aus- oder zumindest anzudenken, wie die andere verurteilt wird. Es wären nun einmal mindestens Buhrufe und Pfiffe gewesen.
    Worauf Du mit Deiner kleinen Rhetorik-Frage hinaus wolltest, weiß ich damit aber immer noch nicht, wie ich zugeben muss.

  4. 5.11.2008 | 21:16

    Ach, ich glaube es nervt mich inzwischen einfach nur dass alles was mit Politik zu tun hat, egal von welcher Seite, immer abgenickt wird mit “die anderen hätten es ja nicht anders gemacht, reden wir also lieber darüber wie es die anderen gemacht hätten oder reden wir gar nicht mehr drüber”.

    Worauf ich mit meiner Rhetorik-Frage hinaus wollte ist auch simpel. Mit der Aussage “gar nicht auszudenken”, die du ja verwendet hast, verbinde ich nunmal nicht “hätten auch gepfiffen oder gebuht”, sondern “hätten etwas getan, dass so schrecklich wäre, dass man es kaum andenken möchte”, also gemordet, geplündert, gebrandschatzt oder so. Kann aber auch sein, dass ich schlicht das Augenzwinkern in der Aussage nicht migelesen habe.

  5. 5.11.2008 | 21:32

    @ Björn:

    Tja, siehst Du: Und mich nervt es, wenn dieser totale Obama-Hype von allen Medien immer auch noch dadurch unterfüttert wird, dass auf der anderen Seite diese bösen, intoleranten, dick-schwitzenden Republikaner stehen, die am liebsten gleich jede Abtreibungsmutter auf den Elektrischen Stuhl setzen würden. Ich mag nämlich keine Stereotypen, nirgendwo. So hat jeder sein Kreuz zu tragen.

  6. 5.11.2008 | 21:46

    Tja, zensierte Hacke. Dann bitte ich dich jetzt mal in diesem Blog aufzuzeigen, wo “dieser totale Obama-Hype” stattfindet oder wo die McCainiacs als die “bösen, intoleranten, dick-schwitzenden Republikaner, die am liebsten gleich jede Abtreibungsmutter auf den Elektrischen Stuhl setzen würden” dargestellt werden.

    Die Aussage “Ich mag nämlich keine Stereotypen, nirgendwo” gefällt mir eigentlich, aber leider steht vor der guten Aussage ein langer Satz der sich auch nur darin ergeht einen stereotypen Strohmann zu basteln (die pöhsen anti-amerikanischen MSM) und dann kräftig auf den einzudreschen.

  7. 5.11.2008 | 21:54
  8. 5.11.2008 | 21:56

    Wo gerade ganz oben ein Artikel von Claus Christian Malzahn zu sehen ist, bekanntlich einem der amerikafeindlichsten Obama-Jubelperser der Welt.

    Is’ klar…
    Möchten Sie es erneut versuchen?

  9. 5.11.2008 | 22:03

    Nein, akzeptiert. SPON ist ein objektives Medium.

  10. 5.11.2008 | 22:34

    @Wullenwever:
    Es war nicht Obama, der mit Anhängern zu kämpfen hatte, die seinen Gegner als Verbrecher und Unhold charakterisiert haben und gleich auch noch Morddrohungen ausstießen. Es war auch nicht Obama, der sich eine hetzerische Vize-Kandidatin gesucht hat, bei der unter “Terroristenfreund” und “Sozialist” (das man in Deutschland besser mit “Kommunist” übersetzen sollte, um die Wirkung deutlich zu machen) kritikmäßig gar nichts ging… wobei das sicherlich noch etwas anders ausgesehen hätte, wenn es gegen Bush und nicht gegen McCain gegangen wäre - oder wenn die Kandidatin der Demokraten Hillary gewesen wäre, die erheblich mehr auf Attack Ads gesetzt hätte.

    Mit dem “Spiegel” hast Du einfach Pech gehabt und mal in die Sch… gegriffen. Könntest Du auch ohne Sarkasmus einfach hinnehmen. :)

    Wobei der Link zum Spiegel als Antwort auf “In diesem Blog” auch etwas daneben ist. Vielleicht kann mir Rayson da helfen, aber ich wüsste nicht, dass wir SPON schon übernommen haben. Sieht auch inhaltlich nicht so aus. ;)

    Aber dass ich eher zu den Obama-Jubelpersen gehöre als der Rest der Crew des BLOG-Schiffes, gebe ich schon zu. :)

  11. 6.11.2008 | 0:22

    Eigentlich haben weite Teile der republikanischen Parteibasis einen dermaßen integren und demokratisch-fairen Kandidaten wie John McCain gar nicht verdient.

    Das dachte ich auch. Vor McCain habe ich Respekt. Ich kann mit seiner Politik nichts anfangen, keine Frage. Aber er hätte sich ebenso dafür entscheiden können, nicht diese Tortur auf sich zu nehmen. Aber nein: er hat sein Leben lang seinem Land gedient. Das ist bewundernswert. Sehe ich genau wie einer der Studiogäste bei CNN.

  12. Markus
    6.11.2008 | 1:13

    Wie sagt man doch so schön, die wahre Größe zeigt sich erst in der Niederlage. McCain hat auch bei mir jetzt einen recht guten Eindruck hinterlassen, jedenfalls einen deutlich besseren, als man den im Wahlkampf von ihm haben konnte.

    Was aber auch stimmt, ist McCains offenbare Durchsetzungsschwäche gegenüber den rechten Strippenziehern und ideologischen Scharfmachern in seiner Partei. Das haben wohl auch viele Amis so gesehen und sich daher für den “Change” von Obama entschieden.

  13. F.Alfonzo
    6.11.2008 | 7:10

    Ich kann nur zustimmen, McCain war uas meiner Sicht nicht nur ein fairer Wahlkämpfer und Verlierer, er hätte wohl auch einen ganz guten Präsidenten abgegeben (wenn, um mal Rayson zu bemühen, die Situation nicht jene gewesen wäre, dass der Mann seinen Wahlkampf mit dem nahenden Tod (Gott bewahre) und der Palin im Rücken hätte führen müssen. Die VP Wahl war eindeutig der erste Schitt in die Niederlage.

    Aber, was mich viel mehr interessiert, sind die kleinen Unterschiede zwischen den USA und Deutschland:
    Nach einer Wahl, hier wie da, gibt es Gewinner und Verlierer. Der Verlierer wird in den USA offensichtlich zur Rechenschaft für die Wahlniederlage gezogen.
    Das mag unfair sein ggü. einem McCain, der vielleicht einfach nur deswegen nicht Präsident geworden ist, weil er gegen einen Mann wie Obama antreten musste…

    …nun, schauen wir, wie die Situation in Deutschland wäre: Es gäbe keinen Verlierer. Die eine Partei würde sich selbst für den Sieg feiern, die andere für die Schlacht (Man kennt das: Nach der Wahl haben alle gewonnen)

    Ist das nicht noch viel peinlicher? Wenn auch schmeichelhafter ggü. dem Spitzenkandidaten?

  14. 6.11.2008 | 9:52

    Es gäbe keinen Verlierer. Die eine Partei würde sich selbst für den Sieg feiern, die andere für die Schlacht (Man kennt das: Nach der Wahl haben alle gewonnen)

    Das liegt meiner Meinung nach am Mehrheitswahlrecht: in den USA kann der Verlierer nicht sagen, er habe ja auch irgendwie gewonnen, weil er eben nichts zu melden hat. In Deutschland sind wir an Koalitionen gewöhnt, so dass auch eigentliche Wahlverlierer keine Wahlverlierer sind, sondern darüber hinaus mitunter trotzdem regieren.

  15. F.Alfonzo
    6.11.2008 | 10:11

    @ Christian S.:

    Klar, mag sein. Nur ist das noch viel blöder, als den Spitzenkandidaten fertigzumachen….
    Für eine Wut auf den Präsidentschaftskandidaten hätte ich Verständnis, auch wenn’s vielleicht unfair ist… aber das, was sie bei uns so abziehen, ist die Krönung der Peinlichkeit. Man versagt nach Strich und Faden, und feiert dann ein Ergebnis, das ’so nicht zu ertwarten gewesen wäre’…

    …da muss ich ja schon mal fragen: Muss man eigentlich beim Eintritt in eine Partei sein Gehirn an der Gaderobe abgeben? Oder sind die Leute alle schon dermaßen ideologisch verblödet, dass sie es nicht mal mehr merken, wenn ihre Partei abgekackt hat?

    Naja, wen interessiert’s…

  16. 6.11.2008 | 10:43

    Politik ist sehr emotional. Da will man es ab und zu einfach nicht wahrhaben, wenn die eigene Partei mal Mist baut. (Geht mir ebenfalls so, das weiß ich aber auch.)

  17. Markus
    6.11.2008 | 23:55

    Vielleicht auch das noch: McCain ist nicht nur an seiner Durchsetzungsschwäche innerhalb der eigenen Partei gescheitert (Was wäre er dann nur für ein Präsident gewesen?), sondern natürlich auch an dem Obama-Hype. Der ist allerdings erst durch die acht Jahre Bush junior möglich geworden. Vielleicht ist der Republikaner McCain auch einfach nur in der falschen Partei. ;-)

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