Die Frau ist schuld

Wenn das nicht völlig einseitig gefärbt ist, was ich hier lesen kann (und bei der Quelle muss man das leider immer hinzu sagen), dann versuchen einige Leute aus dem republikanischen Lager, Sarah Palin die Schuld an der Niederlage zuzuschreiben (wie SPON bei 47% Stimmenanteil zu der Formulierung “Desaster historischen Ausmaßes” kommt, wird aber wohl wieder ein Geheimnis bleiben).

Das ist aus zwei Gründen schofelig:

Erstens entspricht es einem alten Muster, alles Unglück auf Frauen abzuladen, die nicht nur Staffage sein wollen. Und zweitens ist es eine der wesentlichen Aufgaben einer Führungspersönlichkeit, ein geeignetes Team zusammenzustellen. Palins Versagen ist also immer auch McCains Versagen, und die Amerikaner können sich glücklich schätzen, einen Präsidenten gewählt zu haben, der solche Fehler nicht begeht.

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19 Kommentare zu “Die Frau ist schuld”

  1. 6.11.2008 | 23:26

    McCain bekam kaum noch die Arme zum Jubeln hoch. Wie sollte er da die Frau an seiner Seite richtig auswählen können?
    Nein, ernsthafter: Was Du schreibst, widerspricht ja in keiner Weise der Behauptung, dass Palin an der Wahlniederlage die Schuld trägt. Das kann so sein, und dann ist es eben McCains Schuld, dass er sie ausgesucht hat, oder?
    Verbrennt die Hexe! (Soviel zum alten Muster)

  2. 6.11.2008 | 23:38

    @Karsten

    Man kann Palin als Ursache nennen, aber wenn von Schuld die Rede ist, dann ist die eben bei dem zu suchen, der sie erst zum “running mate” gemacht hat.

    Übrigens glaube ich, dass diese Verdächtigungen zwar populär wirksam sein mögen, dass aber tatsächlich die Finanzkrise die Wahl entschieden hat.

  3. 7.11.2008 | 7:00

    Da würden einige nur zu gerne eine Linie (Palin. Ypsilanti, Merkel) ziehen, nur geht die quer durch die Lager - also nur was für Kabarettisten. :-)

  4. 7.11.2008 | 9:30

    Übrigens glaube ich, dass diese Verdächtigungen zwar populär wirksam sein mögen, dass aber tatsächlich die Finanzkrise die Wahl entschieden hat.

    Ist das nicht auch arg monokausal?
    Da kommt viel zusammen, wie bei jeder Wahl.

    Die Palin-Nominierung war sicher ein Faktor, weil sie zumindest einen Teil der intellektuellen Republikaner zu Obama getrieben hat. [Wozu dann aber eben auch wieder Palins eigenes Verhalten beitrug.] Die Wirtschaftskrise war sicher auch ein Vorteil für Obama, auch wenn sie wahrscheinlich ebenfalls einer der Gründe sein könnte, sollte Obama ein One Termer werden. Und dann kommt eben auch dazu, dass McCain hier gegen den vermutlich besten Wahlkämpfer seiner Generation antrat, der es eben geschafft hat junge Wähler und schwarze Wähler in Rekordzahlen an die Wahlcomputer zu treiben.

  5. R.A.
    7.11.2008 | 10:51

    Palin war m. E. sowohl ein Plus- wie ein Minusfaktor für McCain.

    Auch wenn sich nach der Niederlage natürlich viele auf den letzteren Aspekt konzentrieren - mit dieser Nominierung hat McCain in einer entscheidenden Phase das Ruder rumgerissen und die desolate Mobilisierung der Republikaner in Gang gebracht.

    Ohne Palin hätte er vielleicht nicht die 47% geschafft.

    Daß sie eine Reihe von Angriffsflächen bot und im Wahlkampf auch nicht überzeugend agierte, das ist wohl nicht zu bestreiten.
    Kritik daran würde ich aber wirklich nicht als frauenfeindlich abtun - ein Mann wäre für ähnliche Kritikpunkte genauso angegangen worden.

    Und wenn sich Frauen für solche Ämter bewerben, dann müssen sie auch die übliche politische Kritik aushalten.

  6. Lemmy Caution
    7.11.2008 | 11:54

    Hab den Wahlkampf weitgehend über youtube downloads einer irgendwie niveauvoll, polemischen und beliebten Latino-Show Jaime Bayly en mega wahrgenommen. Der politisch eher in einem europäischen Sinne liberale und US-afine peruanische Imigrant Bayly hat Palin hart rangenommen, unterlegt von Ausschnitten aus Interviews mit ihr. Die Frau war der Aufgabe in keinster Weise gewachsen.
    Wirkte ultra-simplistisch im Sinne von Fox News.
    Ein sinngemäßes Beispiel von vielen:
    Interviewer: Welche Zeitungen lesen sie?
    Palin: Ich les eine Menge Zeitungen.
    Interviewer: Ja. Aber welche genau?
    Palin: Ja alle.
    Sie konnte auch nach mehreren Nachfragen keine konkreten Zeitungen aufzählen.
    Und das ist nur 1 Beispiel.
    Jeder Mann wär genauso fertiggemacht worden, wenn er so unterqualifziert für den Job wäre.
    Natürlich wars ein Fehler von McCain, die überhaupt auszuwählen.

  7. Lina
    7.11.2008 | 12:26

    “Die Frau ist schuld” - jaja. Ich gehe unbedingt davon aus, dass Männer, aber auch Frauen bei Aspiranten auf ein politisches Amt vor allem Wissen und Kompetenz erwarten und Allüren übelnehmen; soviel hat sich gezeigt. Trotzdem, finde ich, geht der Schwarze Peter nicht an Palin selbst, sondern an diejenigen Republikaner, die sie ausgewählt haben. Hätte sie “Nein” sagen sollen? Ja, aber sie ist sich lieber selbst ins Messer gelaufen.

    Dem Kavalier Rayson (”Erstens entspricht es einem alten Muster, alles Unglück auf Frauen abzuladen, die nicht nur Staffage sein wollen.”) sei gesagt: Sie hat’s nicht besser verdient und mit ihr die republikanischen Wahlkampfteams, die ihrerseits dumm genug waren, auf eine Stereotype zu setzen. Immer wieder schön zu sehen, wenn garantiert als populär geltende Kalkulationen nicht aufgehen (-; …

  8. 7.11.2008 | 21:54

    Ich glaube, dass Palin im wesentlichen nur die aufgeregt hat, die eh nicht McCain gewählt hätten. Letztlich gilt weiterhin der Satz Clintons “it’s the economy, stupid”. Beide Kandidaten strahlten nicht gerade wirtschaftspolitische Kompetenz aus, aber McCain hat es geschafft, da besonders ahnungs- und hilflos zu wirken.

  9. Markus
    8.11.2008 | 0:31

    Ja, der gute McCain mag ein verdienstvoller Mann für sein Land sein, aber er ist doch ein Politiker von gestern und nicht für das Morgen: “Weiter so!” lautet sein politisches Credo.
    Nach acht Jahren Bush-Regierung ist das wahrlich kein echter Knüller und von Visionen ist auch keine Spur zu entdecken.

    Und Palin? Die hat man ihm einfach vor die Nase gesetzt. Führungsstärke sieht aber anders aus. In den USA ist eben einiges anders als hierzulande, denn die religiöse Rechte mußte in ihrem kruden Denken befriedigt werden. Das liberale Amerika “tickt” jedoch anders. So gesehen war Palin eher wenig an der Wahlniederlage von McCain und den Republikanern “schuld”.

  10. 8.11.2008 | 12:34

    Ja, der gute McCain mag ein verdienstvoller Mann für sein Land sein, aber er ist doch ein Politiker von gestern und nicht für das Morgen: “Weiter so!” lautet sein politisches Credo.

    Wie tief hast du dich denn bücken müssen, um diese abgedroschenen Phrasen hervorzukramen?

  11. Fuchur
    8.11.2008 | 13:29

    Ich glaube, dass Palin im wesentlichen nur die aufgeregt hat, die eh nicht McCain gewählt hätten.

    Ich würde es umdrehen: Palin hat im wesentlichen nur die begeistert, die eh McCain gewählt hätten. Sie hat die republikanische Basis mobilisiert. Aber auf die Unentschlossenen hat sie abschreckend gewirkt.

  12. N. Neumann
    8.11.2008 | 14:17

    Ich würde es umdrehen: Palin hat im wesentlichen nur die begeistert, die eh McCain gewählt hätten. Sie hat die republikanische Basis mobilisiert. Aber auf die Unentschlossenen hat sie abschreckend gewirkt.

    Sehe ich genauso.

    Sie hat einerseits, und zwar sehr erfolgreich, die sozial konservativen die-hards aktiviert, andererseits hat sie, kaum weniger erfolgreich, Independents/Zentristen/Wechselwähler verschreckt.

    John McCain lässt sich bezüglich der Auswahl Palins zumindest insoweit kein Fehler vorwerfen, als er einen Vize-Kandidaten auswählen musste, der oder die seine relative Ferne zur sozialkonservativen Orthodoxie kompensiert und eben diese Klientel repräsentiert.

  13. 8.11.2008 | 17:52

    Das würde ich nicht sagen. M.E. hat sie die Wähler mobilisiert welchen McCain zu liberal war, jedoch die Unentschlossenen und Liberalen abgeschreckt. Ist auch kein Wunder bei ihren Ansichten.

  14. Markus
    8.11.2008 | 23:28

    @ Rayson

    Willst du McCain etwa als Liberalen bezeichnen? Und wenn, dann nur innerhalb der republikanischen Partei. Mit seinem “Bush light”-Konzept konnte McCain die Amerikaner mehrheitlich nicht erreichen.

  15. Michel
    8.11.2008 | 23:48

    Mag ja sein, dass jetzt Sündenböcke im frustrierten McCain-Lager gesucht werden. Der Fall verdeutlicht aber auch etwas anderes, das eine imkompetente Person wie Palin so weit kommen konnte, verdankt diese vor allem der Tatsache, dass sie eine Frau ist.

  16. Lina
    9.11.2008 | 8:58

    @ Michel

    … verdankt diese vor allem der Tatsache, dass sie eine Frau ist.

    Richtig, denn nur Frauen wird männlicherseits nachgesehen, doof zu sein, ja, ich würde sogar behaupten, dass es erwartet wird. Aber wem verdankt sie es noch? Den Männern, die doof genug waren zu glauben, eine Doofe zur US-Vizepräsidentin machen zu können; so doof sind selbst Frauen nicht (-; …

  17. 9.11.2008 | 19:26

    @Markus

    Ich will McCain als gar nichts bezeichnen. Nur die Etiketten “von gestern”, und dass “weiter so” sein Credo gewesen sei, die klingen mir dann doch zu hohl.

  18. Markus
    10.11.2008 | 12:37

    @ Rayson

    Das lausige Diskussionsniveau von Sarah Palin färbt eben auf jeden ab. ;-)

  19. 14.11.2008 | 21:43

    Ach nö, bitte nicht! Das “alte Muster” ist doch eher, dass sich Frauen, wenn sie scheitern, hinter ihrem Frausein verstecken (was aber Sarah Palin selbst soweit ich weiß nicht gemacht hat).

    Dass sie eine Frau ist, hat ihr die Nominierung doch erst verschafft. Kein Mann mit einem solchen Un- bzw. Halbwissen wäre in diese Situation gekommen. Dass er sie nominiert hat, ist McCains Versgen, dass sie sich überschätzt hat und angetreten ist, ihr eigenes.

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