6. November 2008
Ypsilantis Scheitern und die Reaktion der linken Blogger
Als am Montag die Entscheidung der vier hessischen SPD-Abgeordneten bekannt wurde, fragte ich mich noch, was wohl die linken Blogger dazu schreiben würden. Ich hatte dann sehr viel Arbeit auf dem Tisch und konnte die bekannten Blogs erst gestern besuchen. Um es vorwegzunehmen: am klügsten erscheinen mir die Linken, die entweder schweigen oder über die offensichtlichen Fehler der eigenen Seite reden. Der SPD-Veteran Hans-Jochen Vogel sagte in einem Interview:
Ich würde bedenken, dass der Bruch eines substantiellen Wahlversprechens, das für den Wahlausgang bedeutsam war, das auslösende Moment der Krise gewesen ist.
Leider konnte ich keinen linken Blogger finden, der auch nur annähernd soviel Einsicht erkennen ließ. Die Anhänger eines Bündnisses mit den Kommunisten hatten sich auf den Dienstag gefreut und wurden bitter enttäuscht. Das konnten sie nicht verbergen: Einer nannte sein Schwein Walter und bezeichnete SPD-Abgeordnete als künftige Koch-Vasallen. In offensichtlich fortdauernder Erregung nennt er Bush auch noch einen »Neoliberalen«. Wirklich amüsant.
Der Spiegelfechter schrieb sich in einem emotional bewegenden Artikel den Frust von der Seele: es ist eine Dolchstoßlegende zum Mitweinen und man weiß nun, wo man ihn einzuordnen hat. Möglicherweise sucht das »Neue Deutschland« noch freie Mitarbeiter;-)
Die Sinistren sind auch bitter enttäuscht und wissen ganz genau, dass es natürlich nicht am Unvermögen der Linken gelegen haben kann. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, ersinnen sie ihre eigene Dolchstoßlegende:
Vielen Dank, BILD; vielen Dank, Spiegel; vielen Dank, Ihr schreibenden Musterdemokraten allesamt! Als vierte Macht im Lande nehmt Ihr Euch Frechheiten heraus, für die eine Privatperson wegen Nötigung, Volksverhetzung und Grundgesetzfeindlichkeit schon lange in den Knast gewandert wäre!
Am klügsten scheinen mir diejenigen Linken, die zu diesem Thema geschwiegen haben. Vielleicht aus Taktik, vielleicht war es ihnen auch nicht so wichtig, weil sie lieber Basisarbeit leisten oder kein Interesse an Macht haben. Aber möglicherweise wissen sie auch, dass man auf Betrug und Abneigung gegen einen hochstilisierten »Feind« kein dauerhaftes Bündnis gründen kann.
Roland Koch ist sehr umstritten, er hat teilweise inakzeptable Kampagnen geführt und er steht auch für eine »law-and-order«-Politik, die ein Liberaler nicht mittragen kann. Aber er ist seit vielen Jahren ein vergleichsweise kompetenter Ministerpräsident und seine Kontrahentin hat sich als völlig inkompetent erwiesen. Was sollte einem hessischen Bürger nun lieber sein?
Verfasst von stefanolix um 09:37 Uhr in der Kategorie Blogosphäre, Politik, Rochus (Trackback)