Luzifer ex machina

Gäbe es Derivate für Konjunkturprogramme, wären die ein klarer Kauftipp: Die öffentlich geäußerte Nachfrage danach ist enorm, das Angebot jedoch noch vergleichsweise gering.

Doch ist diese Renaissance guter, alter keynesianischer Makro-Politik wirklich der Weisheit letzter Schluss?

Auch auf die Gefahr hin, als ökonomischer Sonderling betrachtet zu werden, wenn selbst der Sachverständigenrat sich in die Schar der Fans solcher Programme einreiht: Ich sehe das sehr, sehr skeptisch.

Meines Erachtens war nicht Friedman die eigentliche Antithese zu Keynes, sondern, wenn man denn schon einen Namen für eine Richtung anführen will, die sich aus mehreren Quellen speist, Buchanan.

Das Problem der Ökonomen ist nämlich, dass sie sich überwiegend mit der Ökonomie beschäftigen. Und wenn sie sehen, dass in ihren Modellen sich etwas Nachteiliges zu entwickeln beginnt, basteln sie sich einen Gott, der aus einer Maschine jenseits ihrer Modellwelt in diese hineinspringt und in ihr dann für Ordnung sorgt. Dieser deus ex machina wird dann “Staat” genannt. Nun existiert aber der Staat, der nur äußerst selten von weisen und gutmeinenden Diktatoren regiert wird, auch in einer bestimmten Umwelt und ist das Ergebnis eines anderen komplizierten Mechanismus. Anzunehmen, dass daraus zufällig genau das entsteht, was der schlaue Ökonom jetzt gerne eingesetzt sähe, wäre äußerst mutig, aber auch äußerst naiv. Nicht alles, wo “Konjunkturprogramm” draufsteht, und was, im Gegensatz zu der Mogelpackung, die uns unsere Bundesregierung gerade als solches andrehen will, ist auch ökonomisch wünschenswert. Da kommt es schon noch auf Timing, Umfang und Richtung an.

Und da lehren mich leider Erfahrung und aktuelle Beobachtung: Es ist sehr wahrscheinlich, dass da was kommt. Aber das, was da kommt, wird nicht auf ökonomische Wirksamkeit hin optimiert sein, sondern auf die Bedienung verschiedener Interessengruppen, und es werden so lange die verschiedenen Parteien auf den verschiedenen Ebenen und in den verschiedenen Entscheidungsgremien unseres Staates jeweils ihr Brandzeichen hinterlassen wollen (”Konjunktur? Moooment, sozial ausgewogen muss es sein! Konjunktur? Mooooment, Unökologisches darf nicht gefördert werden!” etc.) bis eine eierlegende Wollmilchsau dabei herauskommt. Die kommt dann erstens zu spät und wird zweitens mehr konjunkturschädliche als -nützliche Maßnahmen enthalten. Kurz: Der deus ex machina lässt sich meistens von einem luzifer ex machina vertreten.

Zu diesem Schluss kommt, wer als Ökonom anfängt, den Staat auch mal in seine Modellwelt zu internalisieren. Das ist der Gedanke von “Public Choice”, und er bekommt immer mehr Aktualität.

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43 Kommentare zu “Luzifer ex machina”

  1. 16.11.2008 | 19:57

    Der grundsätzlichen Kritik an Staatshandeln stimme ich zu. Die Fehler der Politiker sollten aber Ökonomen nicht davon abhalten, sinnvolle Konjunkturmaßnahmen zu erarbeiten oder vorzuschlagen.

    Eine Steuergutschrift wäre jetzt vermutlich nicht verkehrt. Jedenfalls wirksamer als Schulden von GM zu tilgen.

  2. 16.11.2008 | 20:02

    @Dirk

    Die Fehler der Politiker sollten aber Ökonomen nicht davon abhalten, sinnvolle Konjunkturmaßnahmen zu erarbeiten oder vorzuschlagen.

    Hmmm. Ja. Ich erarbeite auch immer wieder sinnvolle Mannschaftsaufstellungen für die Hertha und die Nationalelf. Und ich schlage sie auch gerne vor.

  3. 16.11.2008 | 20:39

    Vielleicht sollte der Sachverständigenrat eine einfachere Sprache anschlagen und schlich “Merkel raus” rufen.

  4. 16.11.2008 | 20:40

    Käme gut, wenn er eine Idee hätte, wer stattdessen “rein” kommen sollte.

  5. 16.11.2008 | 20:48

    [...] sähe, wäre äußerst mutig, aber auch äußerst naiv.1 bissige liberale – Luzifer ex machina [↩] « Der asoziale Sozialstaat This post was written by Benjamin B., published on [...]

  6. 16.11.2008 | 20:59

    Na der Christoph Daum der Politik natürlich: Helmut Kohl.

  7. 16.11.2008 | 21:06

    Natürlich.

  8. 16.11.2008 | 21:11

    Völlig richtig! Zum Public Choice-Problem gesellt sich dann zu allem Übel auch noch das Informationsproblem (Hayek). Selbst der weise und gutmeinende Diktator wäre also überhaupt nicht in der Lage, die “richtigen” Impulse zu setzen…

  9. Parker8
    16.11.2008 | 21:50

    Haetten diese Klagen doch bloss einen realen Hintergrund! Als Konjunkturprogramm will die jetzigen Massnahmen ja nicht mal der notorisch neoklassische SVR durchgehen lassen.

    100 Milliarden waere ‘ne Hausnummer. Dann lohnte sich auch eine Diskussion über Mitnahme-Effekte, Politische Oekonomie etc.

  10. 16.11.2008 | 23:21

    @Parker8

    Die “jetzige Maßnahme” fällt ja eben auch nicht vom Himmel, sondern ist als “Mogelpackung” genau eins der Ergebnisse, das ich anspreche.

  11. Ben
    16.11.2008 | 23:45

    Daher sollten Oekonomen nur Deregulierung und Privatisierung vorschlagen, weil der Staat die ja zum Glueck nie verbockt… ;-)

  12. F.Alfonzo
    17.11.2008 | 10:38

    Ja, das alte Lied: Politiker reagieren auf den Begriff ‘Konjunkturprogramm’ wie der Pawlow-Hund. Der Grund ist einfach: Man kann unter dem Dackmantel der “Wirtschaftsunterstützung” (was sich so anhören soll, als würden alle davon profitieren, wie durch ein Perpetuum Mobile) beliebig Wahlgeschenke verteilen… und der Wahlkampf dürfte ja demnächst anrollen… wobei: Irgendwo ist ja immer Wahlkampf.

  13. Lemmy Caution
    17.11.2008 | 11:19

    Bei unserer Staatsverschuldung können die Konjunkturprogramme sowieso nur von kurzer Dauer sein.
    Die Fähigkeiten des Staates zur keynesianischen Globalsteuerung wird von den jetzigen Politikern und Experten nach wie vor deutlich kritischer gesehen als zur Hochphase des Keynesianismus.
    Natürlich gibts allemöglichen Info- und Principal Agent Probleme. Nur eine gewisse Abfederung konjunktureller Dellen hat in der Geschichte sicher oft nicht in den Sozialismus geführt.

    Ein bischen flau wird mir, wenn in den Kantinen unserer Automobilindustrie diskutiert wird, dass der deutsche Staat im Namen des fairen Wettbewerbs unsere Automobilindustrie unterstützen muß, sobald der amerikanische Staat das mit der US-Automobilindustrie macht.

  14. Herbert
    17.11.2008 | 11:19
  15. Dirk
    17.11.2008 | 11:51

    GUt dass es die FTD gibt, die schonungslos die Ursachen aufdeckt. Für 20 Euro nach Spanien fliegen? Das kann ja nicht normal sein. So etwas muss ungesund sein.

  16. Herbert
    17.11.2008 | 12:54

    @ Dirk
    Jetzt wollen wir mal nicht kindisch werden! “Die FTD” gibt es gar nicht, man muss sich schon die einzelnen Autoren anschauen. Diejenigen der Kolumne “Das Kapital” kommen mir sehr österreichisch vor, was nun wirklich nicht der FTD-Mainstream ist. Also: ein bisschen differenzierter bitte. Das stärkt die Urteilskraft:-)

  17. Parker8
    17.11.2008 | 13:08

    @Rayson

    Die jetzige Massnahme lohnt keine Aufregung ueber Nebeneffekte o.ae. Ob die Leute nun trotz 200 Euro Steuererlass fuer ein schadstoffarmes Auto keines kaufen, oder trotz 200 Euro Steuererlass fuer jedwedes Auto, das ist egal.

  18. F.Alfonzo
    17.11.2008 | 13:17

    @ Lemmy:

    Um mal diverse (sicherlich auch unter uns Fachidioten bestehende) Vorurteile aus der Welt zu schaffen:
    So weit ich weiss, hat Keynes niemals ‘deficit-spending’ propagiert, und letztendlich hat er auch keine antizyklische Fiskalpolitik vorgeschlagen…

    So weit ich weiss, war die Theorie von Keynes (kurs gefasst) jene, dass ein Staat, der Überschüsse erwirtschaftet, jene in konjunkturunterstützende Projekte stützen sollte…
    …und, wenn ich weiterhin nicht irre, hat Keynes auch geschrieben, dass die Staatsausgaben leicht, aber doch konsequent ansteigen müssen, damit ein staatlicher Eingriff in die Wirtschaft überhaupt einen Effekt haben kann….

    Gibt’s hier Keynes-Experten? Ich denke, ich habe ihn richtig widergegeben, oder nicht?

  19. F.Alfonzo
    17.11.2008 | 13:22

    P.S.: Dass das Konzept am Ende des Tages nicht funktioniert, ist klar…. das ist aber eher wissenschaftlich interessant.
    Ich will nur dem armen Keynes nicht anlasten, dass er eine Wirtschaftpolitik vorgeschlagen hätte, wie sie in seinem Namen in den 70er Jahren schon probiert wurde und wie sie jetzt der designierte, große Führer Lafontaine propagiert (Lafontaine kommt oft mit Keynes daher, aber na ja.)

  20. Dirk
    17.11.2008 | 13:44

    @Herbert,

    Die Autoren sidn noch nicht mal namentlich genannt. Sie haben auch recht, wenn sie kritisieren, dass “überflüssiges am Leben gehalten” werden soll.

    Aber sie komplett falschwenn es um den Konsumenten geht. Was soll denn gemacht werden? Sollen die Leute jetzt Sparen bis die Depression kommt? Und was zum Teufel hat der 20 Euro Flug mit dieser Krise zu tun?

  21. Herbert
    17.11.2008 | 13:59

    @ Dirk
    “Die Autoren sind noch nicht mal namentlich genannt.”
    Das macht nichts, denn die Kolumne ist in sich sehr konsistent geschrieben und also eine Marke für sich.
    “Sollen die Leute jetzt Sparen bis die Depression kommt?”
    Die Frage ist nicht, ob sie das sollen, sondern ob ihnen etwas anderes übrigbleibt, würde “Das Kapital” sagen.
    “Und was zum Teufel hat der 20 Euro Flug mit dieser Krise zu tun?”
    Er ist ein Symbol für eine Ära, die mit Oikonomia eigentlich wenig zu tun hatte.

  22. 17.11.2008 | 14:13

    Was soll denn gemacht werden? Sollen die Leute jetzt Sparen bis die Depression kommt?

    Würde nicht jeder vernünftige Haushaltsvorstand sparen, wenn wirtschaftlich schlechte Zeiten anbrechen? Ist Volkswirtschaft etwas so anderes, dass dort genau das Gegenteil gilt?
    Oder ist der alles ändernde Unterschied der, dass sich ein normaler Haushaltsvorstand nicht bei Bedarf Geld drucken kann?

  23. Herbert
    17.11.2008 | 14:21

    “Oder ist der alles ändernde Unterschied der, dass sich ein normaler Haushaltsvorstand nicht bei Bedarf Geld drucken kann?”
    Das ist der entscheidende Unterschied. Soll der, der es kann, darauf verzichten, weil es andere nicht können? Oder gibt es bessere Argumente?

  24. 17.11.2008 | 14:41

    @Boche

    Würde nicht jeder vernünftige Haushaltsvorstand sparen, wenn wirtschaftlich schlechte Zeiten anbrechen?

    Ja, würde jeder einzelne und genau das ist das Problem, denn…

    Ist Volkswirtschaft etwas so anderes, dass dort genau das Gegenteil gilt?

    …eine Volkswirtschaft kann nicht sparen. Wenn darauf verzichte Buch XY zu kaufen, hat der Buchhändler weniger Einnahmen und wird weniger von dem Nachfragen, was ich herstelle. Aber die Diskussion hatten wir ja schon mal.

  25. 17.11.2008 | 14:44

    @Herbert

    Die Kolumne ist konsistent aus der Weltsicht einer Oma geschrieben. Für 20 Euro nach Spanien? Das hat es früher nicht gegeben, das kann ja nicht gesund sein. Hab ich doch immer schon gesagt.

  26. 17.11.2008 | 14:46

    Soll der, der es kann, darauf verzichten, weil es andere nicht können?

    Deswegen vielleicht nicht.

    Oder gibt es bessere Argumente?

    Weiß nicht. Ich habe nur ein laienhaft ungutes Gefühl, wenn der Staat mehr Spielgeld in den Markt pumpt und damit Probleme zu lösen meint. Ganz abgesehen von der voraussehbaren Lobby-Politik. Ist wohl meiner generellen Abneigung gegen Planwirtschaftliches geschuldet.

  27. 17.11.2008 | 14:49

    @Dirk

    Aber die Diskussion hatten wir ja schon mal.

    Ja. Aber wie du siehst bin ich noch nicht überzeugt. Gefühlsmäßig sträubt sich alles in mir und sagt mir, dass nicht richtig Gelddrucken sein kann. Das Motto “Anmaßung (u.a.) von Wissen” kommt mir in den Kopf. Aber wie weiter unten kann ich das nicht fachlich begründen.

  28. Herbert
    17.11.2008 | 14:57

    @ Dirk
    “Die Kolumne ist konsistent aus der Weltsicht einer Oma geschrieben.”
    Das Problem mit dieser Oma ist, dass sie sich aus meiner Sicht als sehr kompetent erwiesen hat, wenn es um die richtige Einschätzung von Geldanlagen geht.
    “Für 20 Euro nach Spanien? Das hat es früher nicht gegeben, das kann ja nicht gesund sein. Hab ich doch immer schon gesagt.”
    Das kann es schon mal geben, aber kann es auch ein Geschäftsmodell sein, mit dem ganze Branchen oder Volkswirtschaften auf Dauer arbeiten?

  29. Lemmy Caution
    17.11.2008 | 14:59

    @F. Alfonzo: Keynes war schon bereit für Konjunkturprogramme in Krisenzeiten (http://de.wikipedia.org/wiki/John_Maynard_Keynes#Zentrale_Botschaft_von_Keynes).

    Jedes rohstoff-exportierende Land mit einer halbwegs zivilisierten Wipol (also ca. 20% dieser Gruppe) kennt sowas wie Ausgleichsfonds für die Preiszyklen ihrer Rohstoffe. In Zeiten hoher Preise fließt Geld in den Fond. In Zeiten niedriger Preise fließt Geld aus dem Fond in die Wirtschaft.
    Im nächsten Jahr wirds mit dem Absatz unserer Export-Produkte – vorsichtig gesprochen – ein bischen schwierig.
    Für die Zeit können aus meiner Sicht problemlos Infrastruktur-Ausgaben vorgezogen oder meinetwegen auch Opel gebürgt werden, ohne dass wir über einen IG Metall/JUSO Staat der 70er sprechen müssten.
    Problem ist nur, dass sich die Wirtschaftssubjekte an diesen Schluck aus der Pulle gewöhnen und wir langfristig die absolut lachhaft hohe Staatsverschuldung noch mehr in die Höhe treiben.

  30. 17.11.2008 | 15:30

    @Boche.

    Es gibt ja hier zwei Aspekte. Das Problem an sich und die mögliche Lösung. Letztere wird durch die von Rayson und von Dir angesprochenen Probleme (fehlendes Wissen, Lobbyeinfluss) beeinträchtigt.

    Aber statt Gelddrucken würde ich lieber von “Kredit aufnehmen” sprechen. Denn dem neuen Geld steht ja eine Verbindlichkeit des Staates als Sicherheit gegenüber.

  31. Herbert
    17.11.2008 | 15:40

    @ Dirk
    “Aber statt Gelddrucken würde ich lieber von “Kredit aufnehmen” sprechen.”
    Ich plädiere für echtes Gelddrucken: Schulden weginflationieren,…
    “Denn dem neuen Geld steht ja eine Verbindlichkeit des Staates als Sicherheit gegenüber.”
    …, damit keine weiteren Verbindlichkeiten dieser Art entstehen:-)

  32. 17.11.2008 | 16:11

    @Dirk

    Aber statt Gelddrucken würde ich lieber von “Kredit aufnehmen” sprechen.

    Bei wem nimmt der Staat Kredit auf, um zum Beispiel Banken Kapital zu geben?

  33. 17.11.2008 | 17:27

    @Boche

    Das kann der Staat (abgesehen von technischen Details) ziemlich direkt bei der Zentralbank machen. Die Zentralbank druckt Geld, bucht es auf ihr Konto (damit ist noch nichts passiert) und verleiht es dann an den Staat.

    Der Punkt ist aber, dass nicht einfach Geld gedruckt und auf den Markt geworfen wird. Dann würde ja das “alte” Geld proportional entwertet. Sondern, dass das Geld eine Form von Kredit ist. Dem Geldschein steht die Verbindlichkeit des Staates gegenüber.

    Wenn das Geld verwendet wird um eine Nachfragelücke zu schließen, verursacht es auch keine Inflation. Denn in dem Maße in dem das neue Geld Preistreibend wirkt, reduziert das nicht-ausgegebene alte Geld das Preiniveau.

    Ich halte auch nichts davon, wenn der Staat das Geld selber ausgibt. Denn das kann er eigentlich nur in einigen wenigen Bereichen – zum Beispiel im Strassenbau – und schafft dann dort Überkapazitäten ohne den anderen Branchen zu helfen. Stattdessen sollte er das Geld lieber den Bürgern geben (Steuergutschrift?) damit diese es möglichst gleichmäßig und möglichst ihren Präferenzen nach ausgeben können.

    Auch an diesem Ansatz gibt es Kritik. Denn die neuen Staatskredite müssen ja durch höhere Steuern in Zukunft zurückgezahlt werden. Also würden rein rationale Bürger das Geld einfach Sparen und in dem Moment in dem der Staat die Rechnung präsentiert, die Rechnung mit eben jenem Geld begleichen. (Stichwort Ricardianische Äquivalenz). Daran glaube ich aber nicht. Alleine schon, weil die Rechnung viel viel später einer ganz anderen Generation präsentiert wird.

  34. 17.11.2008 | 17:47

    @Dirk

    Der Punkt ist aber, dass nicht einfach Geld gedruckt und auf den Markt geworfen wird. Dann würde ja das “alte” Geld proportional entwertet. Sondern, dass das Geld eine Form von Kredit ist. Dem Geldschein steht die Verbindlichkeit des Staates gegenüber.

    Das “alte” Geld wird also deswegen nicht entwertet, weil der Staat irgendwann seine Schulden begleicht und das reingeworfene Geld wieder abzieht? Klingt das jetzt nur für mich komisch?

    Wenn das Geld verwendet wird um eine Nachfragelücke zu schließen [...]

    Was ist denn eine “Nachfragelücke”? Der Umstand, dass ein angebotenes Produkt keinen Käufer findet? Wenn man dieses “Problem” durch “Kredite” “löst”, könnte dabei Information verlorengehen, die wichtig wäre, um zukünftige Blasen und Fehlallokationen zu vermeiden?

    weil die Rechnung viel viel später einer ganz anderen Generation präsentiert wird.

    Das ist also soweit weg, dass es praktisch egal ist. Aber als Argument dafür, dass Geldentwertung nicht stattfindet, ist es dann doch nicht egal? Oder sehe ich da einen Widerspruch, den es nicht gibt?

  35. 17.11.2008 | 18:30

    @Boche

    Das “alte” Geld wird also deswegen nicht entwertet, weil der Staat irgendwann seine Schulden begleicht und das reingeworfene Geld wieder abzieht?

    Das Geld ist in dem Sinne gedeckt. Wer die Banknote in den
    Händen hält weiss, dass er damit morgen seine Steuern bezahlen kann. In diesem Sinne hat das Geld einen “Wert an sich”.

    Was ist denn eine “Nachfragelücke”? Der Umstand, dass ein angebotenes Produkt keinen Käufer findet? Wenn man dieses “Problem” durch “Kredite” “löst”, könnte dabei Information verlorengehen, die wichtig wäre, um zukünftige Blasen und Fehlallokationen zu vermeiden?

    Theoretisch ist das nicht ausgeschlossen. Bei einem Konjunkturprogramm werden die Kredite aber über Steuergutschriften durch die Bürger in den Konsum geleitet. Investiert wird zu dieser Zeit wohl ohnehin nur das nötigste.

    Das ist also soweit weg, dass es praktisch egal ist. Aber als Argument dafür, dass Geldentwertung nicht stattfindet, ist es dann doch nicht egal? Oder sehe ich da einen Widerspruch, den es nicht gibt?

    Du bist echt scharfsinnig. :-) . Die wenigsten Bürger beziehen mögliche Steuererhöhungen in den nächsten 30 Jahren in ihre Kalkulation mit ein (wäre schön wenn) und wenn doch, dann sind es nur die Steuern der anderen.

    Ich sehe da keinen Widerspruch, kann das aber – vielleicht aufgrund fehlender analytsicher Schärfe – nicht näher erläutern. Das Problem ist, dass das Geld ein Produkt der Zentralbank ist und damit nicht ganz klar ist, was eine Entwertung des Geldes sein soll. Die Kreditausweitung ist etwas ganz anderes als die frühere Verwässerung des Goldstandards. Da würde einfach nur Geld gedruckt und der Umtauschkurs zu Gold verschlechtert.

  36. 17.11.2008 | 20:21

    @Parker8

    Irgendwie habe ich dir die Zielrichtung des Beitrags nicht nahe genug bringen können. Um das “Programm” der Bundesregierung geht es nur am Rande als Symptom des eigentlichen Missverständnisses, über das ich schreibe.

  37. 17.11.2008 | 21:25

    @Dirk

    Wer die Banknote in den Händen hält weiss, dass er damit morgen seine Steuern bezahlen kann.

    Steuern, die ohne staatliche Kreditaufnahme vielleicht mit dieser Banknote gar nicht bezahlt werden müssten? ;-)

    Theoretisch ist das nicht ausgeschlossen.

    Wieso “theoretisch”? Wenn Nachfrage nicht existiert und erst durch Verteilung kleiner, bunter Zettel geschaffen wird, dann ist das doch immer eine Nachfrage, die nicht am Markt entstanden ist.

    Bei einem Konjunkturprogramm werden die Kredite aber über Steuergutschriften durch die Bürger in den Konsum geleitet. Investiert wird zu dieser Zeit wohl ohnehin nur das nötigste.

    Anmaßung von Wissen. Ich gebe dir heute Geld, was ich dir morgen wieder wegnehme. Und bin mir sicher, dass du es heute zwangsläufig besser verwendest als morgen.

    Die wenigsten Bürger beziehen mögliche Steuererhöhungen in den nächsten 30 Jahren in ihre Kalkulation mit ein

    Wenn das der Fall ist, ist Gelddrucken aber eben auch Geldentwertung. Weil die vermeintliche Kredit-Natur gar nicht als solche wahrgenommen wird.
    Und mal anders gefragt: Wenn die Volkswirtschaft nicht sparen kann – kann sie dann Kredite aufnehmen? Ist das Sparen nicht die Kehrseite des Sich-Verschuldens? So rein intuitiv scheint mir auch da ein Widerspruch zu liegen. Aber den kann ich auch nicht näher erläutern oder analysieren. ;-)

  38. 17.11.2008 | 21:56

    Wenn die Volkswirtschaft nicht sparen kann – kann sie dann Kredite aufnehmen? Ist das Sparen nicht die Kehrseite des Sich-Verschuldens?

    Sie kann Kredite in monetären Einheiten aufnehmen. Und meiner Meinung sollte sie es tun, wenn nur so ein rein monetäres (aber de facto nicht stattfindendes) Sparen ausgeglichen werden kann. Ansonsten werden wir Deflation und schmerzhafte Preisanpassungsprozesse nach unten erleben.

    Anmaßung von Wissen. Ich gebe dir heute Geld, was ich dir morgen wieder wegnehme. Und bin mir sicher, dass du es heute zwangsläufig besser verwendest als morgen.

    Ich verhindere ein Koordinationsproblem. Jeder denkt, er könne sparen (und für jeden einzelnen stimmt es ja auch), aber als Gesamtheit ist es falsch. Ich verhindere dies, in dem ich mit einem Kredit in gleicher Höhe neutralisiere. Ist das Anmaßung von Wissen? Es wäre schön, wenn unsere Währung aus dem Wahrenkorb des BIP bestehen würde. Auch dann würde die Währung, stetig an Wert verlieren. Denn das Auto von heute, ist in 10 Jahren technologischen Fortschritts weniger Wert.

    Wieso “theoretisch”? Wenn Nachfrage nicht existiert und erst durch Verteilung kleiner, bunter Zettel geschaffen wird, dann ist das doch immer eine Nachfrage, die nicht am Markt entstanden ist.

    Ich sehe es als Nachfrage, die nur deswegen nicht vorhanden ist, weil alle der Illusion erliegen sie könnten sparen. :-)

  39. 18.11.2008 | 9:55

    Ich sehe es als Nachfrage, die nur deswegen nicht vorhanden ist, weil alle der Illusion erliegen sie könnten sparen.

    Alle erliegen der Illusion, nur der weise Planer und Staatenlenker nicht.
    Anmaßung von Wissen. Sag ich doch. ;-)

  40. 18.11.2008 | 14:32

    Alle erliegen der Illusion, nur der weise Planer und Staatenlenker nicht.
    Anmaßung von Wissen. Sag ich doch.

    Angesichts einer Zentralbank, ist das natürlich ein Totschlagargument. Nützt aber nichts, wenn es eine richtige Sache trifft.

  41. 18.11.2008 | 14:41

    Natürlich nützen Argumente nichts, wenn jemand die Macht hat etwas zu tun.

  42. 18.11.2008 | 18:36

    Damit hast Du jetzt das letzte Wort gehabt. (schönes Beispiel um den Unterschied zwischen Perfekt und Präteritum zu erklären :-) )

  43. 23.11.2008 | 0:16

    Übersehe ich zu dieser Uhrzeit etwas oder wo ist die Kreditklemme? Kann es sein, dass die Situation der Autobauer mit dem hohen Ölpreisen vom Sommer zu tun hat und nichts mit der Finanzkrise?

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