Moral gegen Gier?

Eins der beliebten Muster als Reaktion auf die aktuelle Finanzkrise ist es, die Gier bestimmter Personenkreise zu geißeln und Moral einzufordern. Wer das tut, hat nicht nur einen verzerrten Blick auf die Realität, er leistet auch einer Art Gottesstaat Vorschub, in dem die einen sich anmaßen, über die Moral der anderen zu befinden.

Eine liberale Gesellschaft aber muss auf dem moralischen Auge blind sein und stattdessen auf der Einhaltung und ggfs. Anpassung bzw. Neugestaltung konkreter und kodifizierter Regeln beharren. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Popel für Opel

Zunächst: SCNR…

Von der Politik vernimmt man jetzt die Botschaft, das Problem der Staatshilfen für Opel sei, dass sie möglicherweise dem Eigentümer in den USA zugute kämen. Offensichtlich sind unsere Herrscher auf der Suche nach Leitbildern an Keynes bereits längst vorbeigerauscht und stattdessen bei den Merkantilisten gelandet.

Hätten sie doch wenigstens zwischendurch bei Bastiat Halt gemacht…

Deutschland - einig Volk der Jammerlappen

Der Benzinpreis schießt nach oben: Kaufkraftentzug, Verarmung, Wachstumsbremse - kurz: Katastrophe!
Der Benzinpreis fällt: Investitionen in alternative Techniken rentieren sich nicht mehr, die Ölvorräte nehmen dramatisch schnell ab - kurz: Katastrophe!

Aus dem simplen Umstand, dass jedes Ding seine zwei Seiten hat, ziehen wir eben grundsätzlich den tröstlichen Schluss, dass es glücklicherweise auch immer etwas Negatives zu berichten gibt. Das fördert zudem eines unserer liebsten Hobbys, nämlich die Suche nach Schuldigen. Obwohl: Wo sind eigentlich diese finsteren Spekulanten, wenn man sie braucht?

Mission Accomplished

Künftig werden “alle Marktteilnehmer, alle Produkte und alle Märkte wirklich überwacht und reguliert werden”, so Merkel.

(Sueddeutsche.de)

Luzifer ex machina

Gäbe es Derivate für Konjunkturprogramme, wären die ein klarer Kauftipp: Die öffentlich geäußerte Nachfrage danach ist enorm, das Angebot jedoch noch vergleichsweise gering.

Doch ist diese Renaissance guter, alter keynesianischer Makro-Politik wirklich der Weisheit letzter Schluss? (mehr…)

Wie funktioniert Demokratie? Wie funktioniert Politik?

Und viel wichtiger: Soll sie denn “funktionieren” und in wessen Sinne eigentlich?

Eigentlich interessieren mich die Unbilden der Unpolitik relativ wenig. Aber gerade in diesen Zeiten, wo die Politik und die sie tragende Elite die Finanzkrise alles andere als widerwillig, sondern geradezu äußerst dankbar zum Anlass nimmt, die Welt wieder mehr zu “regulieren”, sprich: zu bevormunden, muss sie sich dann wohl doch hin und wieder genauer anschauen, die Maßstäbe der Damen und Herren, die da jetzt so schnell wieder mit ihren machtbewehrten Werturteilen aufwarten. (mehr…)

Die Frau ist schuld

Wenn das nicht völlig einseitig gefärbt ist, was ich hier lesen kann (und bei der Quelle muss man das leider immer hinzu sagen), dann versuchen einige Leute aus dem republikanischen Lager, Sarah Palin die Schuld an der Niederlage zuzuschreiben (wie SPON bei 47% Stimmenanteil zu der Formulierung “Desaster historischen Ausmaßes” kommt, wird aber wohl wieder ein Geheimnis bleiben).

Das ist aus zwei Gründen schofelig:

Erstens entspricht es einem alten Muster, alles Unglück auf Frauen abzuladen, die nicht nur Staffage sein wollen. Und zweitens ist es eine der wesentlichen Aufgaben einer Führungspersönlichkeit, ein geeignetes Team zusammenzustellen. Palins Versagen ist also immer auch McCains Versagen, und die Amerikaner können sich glücklich schätzen, einen Präsidenten gewählt zu haben, der solche Fehler nicht begeht.

Dávila der Woche VI

Die Revolutionen entsetzen, aber die Wahlkampagnen ekeln einen an.

Die russische Art der Gratulation

Wie sich Russlands Präsident einen Neuanfang in den Beziehungen vorstellt, hat er heute erläutert. Geschichte wiederholt sich vielleicht doch: Man scheint in Russland dem “neuen Kennedy” einen “neuen Chruschtschow” entgegensetzen zu wollen.

Obama? Au ja!

Heute wird Barack Obama zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt werden. Ich vertraue da ganz Zettel. (mehr…)

Gary Becker über Milton Friedman

Es gibt zur Zeit einen Streit darüber, ob die University of Chicago ein Milton-Friedman-Institut haben darf oder soll. Der Streit trennt die üblichen Verdächtigen voneinander, also die hierzulande “links” genannten Kräfte von den hierzulande “liberal” genannten (”konservative” Stimmen sind da nicht zu vernehmen).

Gary Becker, Blogger, Nobelpreisträger und liberaler Ökonom, hat einen Beitrag verfasst, in dem er zum einen im Streit Stellung beziehen will, der zum anderen aber auch für uns Nichtbeteiligte interessant sein dürfte, insbesondere was die Passagen im Zusammenhang mit Pinochets Chile betrifft sowie die damit zusammenhängenden Legenden, mit denen Linke Friedman gerne erledigen wollen.

Karriere-Info

Kleiner Tipp für Gebildete auf Stellungssuche:

Die “Information”, es gäbe da noch einen alten Gründer oder Patriarch, aber der wolle sich aus dem Geschäft zurückziehen, ist nur selten keine Lüge und auch dann noch unwahr.

Jüngste Beispiele siehe hier.

Bade-Würdembärg, du hast es besser!

Ich bin ja richtig froh, dass ich mittlerweile im Ländle wohne.

Da ist der MP gefundenes Fressen für geniale Stimmenimitatoren wie Andreas Müller, und die Reizlinien der Landespolitik erschöpfen sich darin, ob die CDU mit der FDP oder mit den Grünen koaliert.

Eine Gefechtslage derart, wie sie einem in Hessen begegnet, kann man sich woanders wohl gar nicht vorstellen. In Hessen sind die beiden sogenannten Volksparteien immer extremer gewesen als anderswo und die Wahlausgänge knapper. Dafür wurde da so manches Modell erprobt, das später Bundesgeltung erlangte.

Es ist also kein Zufall, dass gerade dort ypsilantiert und gekocht wird.

Und um auf solche Ideen zu kommen, wie sie anscheinend jetzt in der CDU kursieren, muss man wohl tatsächlich immer den Stahlhelm griffbereit unter der Abgeordnetenbank haben.

Aktueller Online-Journalismus bei SpOn

Wer zu früh den Bericht schreibt, den bestraft das Endergebnis… 3:0, du Pappnase!

Eine Lanze gebrochen

Ich finde, es sind schlechtere Finanzminister vorstellbar als der aktuelle.

Beobachtungen eines Autofahrers

Ich befahre momentan morgens eine Strecke, die völlig überlastet ist. Auch die möglichen Ausweichrouten sind es. Und da ist folgendes zu beobachten:

Bei extremer Auslastung gibt es genau eine vernünftige Strategie, mit der alle am schnellsten vorankommen: Tempo drosseln, Abstand halten. Denn schnelles Fahren führt zu dichtem Auffahren, das wiederum zum Bremsen, und das Ergebnis einer Bremskaskade ist der Stau. Aber genau dieses Negativ-Szenario tritt regelmäßig ein. Offensichtlich regiert hier das Rückenmark, zumindest bei den männlichen Fahrzeuglenkern, die auch eindeutig in der Überzahl sind: Es läuft das falsche Programm ab. Statt Kooperation wird Wettbewerb geübt. Jeder meint, es ginge vor allem darum, die eigene Position gegenüber den anderen zu verbessern. Die Zeitgewinne daraus sind aber extrem gering bis nicht vorhanden. Und stattdessen wird der Stau für alle noch ein Stück gefördert.

Man kann hier noch nicht einmal konstatieren, dass Eigeninteresse das Allgemeininteresse behindert, denn die inidividuellen Aktionen schädigen letztlich auch das Eigeninteresse.

Es ist einfach ein falsches Tape eingelegt worden.

Gibt es da Parallelen zu dem, was wir gerade täglich erleben? Mir scheint es so.

Die Suche nach den Schuldigen

Die Suche nach Schuldigen scheint wirklich ein menschliches Urbedürfnis zu sein. Wie sonst sollte man sich den Widerwillen erklären, der einem entgegenschlägt, wenn man feststellt, dass die aktuelle Finanzkrise nicht die Fehler einzelner, sondern in erster Linie systematische Defizite offenbart, die nicht als gottgegeben hinzunehmen sind, sondern verringert werden können.

Marx hätte sich über eine solche Sichtweise übrigens kaputtgelacht - für ihn war der Kapitalismus schließlich nicht eine Veranstaltung böser Kapitalisten, sondern notwendige historische Entwicklungsstufe.

Da das einigen Linken noch im Hinterkopf herumspukt[1], kommt es daher manchmal zum absurden Zusammentreffen, dass die Diagnose von Systemfehlern einerseits abgelehnt wird, weil man eine bestimmte Gruppe gerne als Schuldige brandmarken würde, andererseits aber heftig vorgetragen wird, sobald es nicht mehr um das Teilsystem Finanzmarkt geht, sondern getreu den “Gebrüdern Blattschuss” um “das” System. Da fällt mir doch glatt der bessere Marx ein, also Groucho, der mal verkündete, er hätte eiserne Prinzipien, und falls einem diese nicht zusagten, hätte er auch noch andere.

[1] “So groß ist der Glauben des Marxisten an Marx, dass er gewöhnlich davon Abstand nimmt, ihn zu lesen.” (Nicolás Gómez Dávila)

You’re So Vain

… sang die verführerische Carly Simon einstens.

You’re so vain
You probably think this song is about you
You’re so vain
I’ll bet you think this song is about you
Don’t you don’t you

Warum fällt mir das ein? (mehr…)

Copenhagen Consensus - Über Bewertungen

Wer das begreift, ist bereits ein guter Ökonom. Noch etwas Mathe dazu, und der Nobelpreis ist eine reale Option.

(via David Harnasch)

Individuum oder System?

Ich komme erst mal nicht dazu, den ausführlichen Beitrag zu verfassen, der mir seit längerem im Kopf herumspukt. Deswegen zunächst ein paar Anmerkungen anlässlich des Geplänkels um die Äußerungen von Hans-Werner Sinn. (mehr…)

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