Zentralabitur^2

Etwas Panik habe ich ja beim Lesen dieses Artikels von FAZ.NET doch bekommen.

MP Oettinger und andere Unionspolitiker wollen ein bundesweites Zentralabitur. Weiter heisst es (in der RSS-Zusammenfassung):

Der Lehrerverband ist aber skeptisch und bezweifelt, dass das Vorhaben schnell umgesetzt werden kann.

Ich will auch nicht, dass es langsam umgesetzt wird. Nicht noch mehr Schulzentralismus.

Die Autorin des Kommentars “Zweifel am Zentralabitur” hat Recht, wenn sie schreibt:

Denn es müsste zunächst vergleichbare Lehrpläne für die drei letzten Gymnasialklassen geben, dann einheitliche Bildungsstandards und erst im letzten Schritt zentrale Prüfungen mit einem festen Erwartungshorizont und entsprechender Notengebung. Landesspezifische Eigenheiten in Lehrplänen und Prüfungsordnungen wären dann ausgeschlossen.

Auch eine Schulautonomie, die mehr ist als Fasade sein soll, ist zusammen mit Zentrabitur (auf Landes- oder Bundesebene) eine Illusion. Schulspezifische Schwerpunktsetzungen und ähnliches wären ebenfalls ausgeschlossen, den für ein Zentralabitur sind äußerst detailierte und absolut verbindliche Lehrpläne notwendig.

Gründe für einen Verzicht auf ein Studium

Auf die Sozialerhebung des Studentenwerkes hat stefanolix schon vergangende Woche hingewiesen.
Ein Schwerpunkt des Berichtes bildet die “Studierquote”. Diese gibt, nach dem sozialen Status des Vaters differenziert, an wieviel Prozent der Kinder einer sozialen Gruppe studieren gehen. Nach den Zahlen dort kann man annehmen, dass die Kinder, bei denen die Väter einen akademischen Abschluss haben, mit höherer Wahrscheinlichkeit studieren.

Bezüglich der Gründe für diesen Unterschied verweist die Sozialerhebung nur auf die Publikation “Studienberechtigte 2004 - Übergang in Studium, Ausbildung, Beruf” des HIS. Aber die von stefanolix zitierte Zusammenfassung suggeriert zum Beispiel durch die Verwendung des Begriffes “Bildungschancen” schon, dass das Hochschulsystem diskriminiert wäre. Die Stellungnahme des Präsidenten des Deutschen Studentenwerkes Dobischat ist da doch deutlicher:

Ob ein Kind ein Hochschulstudium aufnimmt, ist nicht alleine eine Frage der indiviudllen Begabung. Es ist zuallererst eine Frage des Bildungstatus der Eltern. Ganz entscheidend ist der Hochschulabschluss der Eltern.

(Hervorhebung von mir)

In den Kommentaren zu dem Artikel wurde schon sehr aktiv diskutiert, ob die Ursachen für die “soziale Auslese” nicht auch andere Gründe hat. Gründe, die nicht in dem Hochschulsystem und verminderten Bildungschancen begründet sind, z.B. andere Ziele und Werte, die im Elternhaus vermittelt werden.

Es ist also Zeit für ein paar Statistiken über die Gründe für einen Verzicht auf ein Studium. Die Daten sind dem HIS-Bericht entnommen. (mehr…)

Clown’s Army für Spiegel sowohl friedlich als auch gewalttätig

Ich weiß nicht, warum ich eigentlich immer noch spiegel.de lese. Ein bekanntlich häufig gelesener Satz in diesem Blog.

Aber fällt der Redaktion nicht der kleine Widerspruch zwischen diesem Video und der Mitteilung im Ticker von 11:42 auf. (mehr…)

The Great Global Warming Swindle

Martin Eisenhardt verweist in einem Artikel von heute auf die britische Reportage “The Great Global Warming Swindle”.

Die Dokumentation, die bei Google Video online angesehen werden kann, ist eine Art Gegenfilm zu Al Gores Katastrophenfilm “Die unbequeme Wahrheit”. Er läßt Wissenschaftler zu Wort kommen (und ein Gründungsmitglied von Greenpeace!) die Zweifel an der These haben, dass die Menschheit für die globale Erwärmung verantwortlich ist. Außerdem wird auch auf die möglichen Folgen der Klimadebatte für die dritte Weltländer eingegangen und eine These präsentiert, die die Klimaerwärmung vielleicht besser erklären kann.

Auch wenn die Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der CO2-Diskussion hier im B.L.O.G. und im LibLog schon öfter diskutiert worden ist, steuert die ausführliche Dokumentation noch einige neue Aspekte bei.

Wer interessante 75 Minuten vor dem Rechner verbringen will, dem sei die Dokumentation sehr ans Herz gelegt.

Das bekannte Argument der “Kultur der Gewalt”

In diesem sehr lesenswerten Zeit-Artikel hinterfragt Thomas Kleine-Brockhoff das “allzu bekannte Argument” Amerikas “Kultur der Gewalt” habe den Massenmord an der Virgina Tech Hochschule verursacht.
(mehr…)

Warum Schimpansen die Welt besser kennen als Studenten?

SteffenH von “Mit dem Kopf voran” macht in seinem Artikel “Was ist der Unterschid zwischen Schimpansen und Studenten?” auf eine extrem interessante Präsentation von Hans Rosling, dem Begründer von Gapminder, aufmerksam.

Der “Startgag” auf den er in dem Artikel verweist, ist alleine schon Grund genug das Video anzusehen. Noch interessanter ist allerdings der Grund für das schlechte Abschneiden der Studenten: Sie sehen die Entwicklung in der Welt immer noch so wie sie in den 60er Jahren gewesen ist.

Die gezeigten Statistiken, Animationen und Hypothesen machen das Video unbedingt sehenswert. Die fazinierendeste Präsentation, die ich seit langem gesehen habe.

Staatliche Subventionen sind Gift für Airbus

Nicht dass es für regelmäßige B.L.O.G.-Leser eine Neuigkeit wäre: staatliche Subventionen sind Gift.
Dies meint zumindest Marcus Theurer von der FAZ in dem Artikel “Airbus an der Subventionsfessel”.

Airbus muss im knallharten Wettbewerb mit dem straff geführten amerikanischen Konkurrenten Boeing bestehen und ist gleichzeitig gefesselt durch betriebswirtschaftlich irrelevante Standorterwägungen.

Damit ist der Fall Airbus auch ein Lehrstück über das Gift staatlicher Subventionen. Lange Zeit galt der Flugzeugbauer in der öffentlichen Diskussion als Beispiel dafür, dass die Hilfen hier - entgegen den Warnungen vieler Ökonomen - gut eingesetztes Geld seien. Doch mit den Milliarden hat sich das Unternehmen von der Politik abhängig gemacht. Airbus wird daran zerbrechen, wenn die deutsche und die französische Seite so weitermachen wie bisher.

Die Drohung von Michael Glos vor einer Woche war in diesem traurigen Schauspiel deutscher und französischer Wirtschaftspolitik nur der vorläufige Höhepunkt.

Geschlechtergetrennter Unterricht in NRW?

Die CDU-Fraktion in NRW denkt nach einem Bericht auf koeln.de darüber nach zu geschlechtergetrennten Unterricht zurückzukehren.
Dort heisst es:

Die CDU-Landtagsfraktion will den gemeinsamen Unterricht von Jungen und Mädchen an den nordrhein-westfälischen Schulen auf den Prüfstand stellen. Es gebe unter den Abgeordneten den Wunsch, über getrennten Unterricht beispielsweise bei naturwissenschaftlichen Fächern nachzudenken, sagte Fraktionschef Helmut Stahl am Freitag in Düsseldorf bei einem Ausblick auf die Themen des neuen Jahres. [...]

Auftakt der Debatte über dem gemeinsamen Unterricht, die so genannte Koedukation, soll ein Werkstattgespräch der Fraktion im ersten Halbjahr sein, zu dem auch Experten eingeladen werden. Er selbst würde eine Trennung nach Geschlechtern befürworten, wenn feststehe, dass dies beiden Seiten nütze, betonte Stahl. Ziel müsse sein, Jungen und Mädchen gerecht zu werden und am besten zu fördern.

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Geschäftsklima bricht ein: Eine Überraschung?

Im Januar ist der GfK-Konsumindikator eingebrochen wie in keinem Monat der letzten 25 Jahre zuvor. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex hat sich verschlechtert.

Spiegel Online nennt diese Entwicklung “überraschend” und alle in diesem Artikel zitierten Wirtschaftsforscher sehen den Rückgang durch die Mehrwertsteuererhöhung begründet und halten dies deshalb nur für einen kurzfristigen Effekt. (Der Titel “Steuerschock schlägt auf die Stimmung” klingt mal wieder extrem nach Boulevard, aber das nur mal am Rande).

Dies sieht zumindest Robert von Heusinger vom Zeit-Herdentrieb anders: (mehr…)

Computerspiele sichergestellt. Na und!

Oh Mann, kennt den in den deutschen Redaktionen niemand mehr Grundbegriffe der Statistik wie etwa Korrelation und Signifikanz?

Nach dem Mord an zwei Personen vermutlich durch zwei Jugendliche werden wieder “Killerspiele” (was immer dies genau sein mag) ins Gespräch gebracht.
Dazu schreibt die FAZ in “Tessin: Nach Doppelmord: Computerspiele sichergestellt”:
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Netzneutralität in Deutschland

In meinem Zweit-Blog julitopia.de habe ich einen ausführlichen Artikel über “Netzneutralität in Deutschland” geschrieben.
In den USA war die Diskussion in 2005 sehr präsent und in Deutschland wird die Debatte aus drei Gründen auch akut werden. 1) Die Zunahme von IP-Telefonie, 2) der Einführung von IP-TV, also Fernsehen über IP-Netzwerke zum Beispiel von der Telekom 3) und dem neuen High-Speed-Kommunikationsnetz VSDL.

In dem Artikel beschreibe ich was “Netzneutralität” bedeutet und warum es dabei ein Dilemma zwischen der Vertragsfreiheit und der Gefahr einer neuen Monopolbildung gibt.
In diesem Fall ist in meinen Augen die Gefahr einer Monopolbildung zu groß und auf Grund der großen Bedeutung auf die Innovationsfähigkeit und den Zugang zu Informationen fordere ich eine staatliche Reglementierung für die “Netzneutralität”.

Milton Friedman ist gestorben

Milton Friedman, einer der einflussreichsten Liberalen des letzten Jahrhunderts, ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Das berichtet die Online-Ausgabe der FAZ.

Der am 31. Juli 1912 in New York geborene Friedman lehrte von 1946 bis 1976 an der Universität von Chicago. 1976 erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis. Friedmans Vorstellungen vom freien Markt ohne größere staatliche Eingriffe prägten in großem Maße die Wirtschaftspolitik des amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan, als dessen Berater er auch fungierte, und der britischen Premierministerin Margaret Thatcher.

Er galt als Wortführer der „Monetaristen“, die für die Kontrolle der Inflation durch die Geldmenge eintraten.
Seine radikalen Positionen und die Veröffentlichung mehrerer Bücher machten Friedman weltweit bekannt.

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Frankreich will Schutzzölle gegen Kyoto-Verweigerer erheben

Der französische Ministerpräsident de Villepin hat auf der Klimaschutzkonferenz in Nairobi vorgeschlagen, dass Strafzölle gegen Produkte aus Ländern erhoben werden sollen, die sich nicht am Kyoto-Protokoll beteiligen.

Es heisst in der entsprechenden Reuters-Meldung:

Villepin sagte jedoch, die Gespräche verliefen zäh. Deshalb müsse Europa nach Wegen suchen, um Länder für das Kyoto-Protokoll zu gewinnen - auch mit Druck. “Europa muss all sein Gewicht nutzen, um gegen diese Art von Umweltdumping vorzugehen”, sagte der französische Regierungschef laut Redetext bei einem Treffen über nachhaltige Entwicklung.

Liebe Franzosen, ihr setzt mal wieder das Kyoto-Protokoll mit Klimaschutz gleich. (mehr…)

Wahlcomputer: Sicherheitsmerkmale und -Lücken

Nach dem sich Stefanolix und MartinM schon dem Thema “Wahlcomputer” angenommen haben, möchte ich nun noch einige andere Aspekte hinzufügen. Insbesondere soll dargestellt werden, dass die Manipulierbarkeit keine rein theoretische Gefahr ist sondern real realisiert werden könnte.
Deshalb geht es in diesem Artikel primär um die konkreten Sicherheitsmerkmale der eingesetzten Wahlmaschinen und deren Wirksamkeit

Natürlich kann auf diese Weise nicht gegen das Prinzip der Wahlmaschinen an sich argumentiert werden, sondern nur gegen konkrete Maschinen, aber wer sieht wie sorglos mit der Manipulierbarkeit umgegangen wird, sollte darüber nachdenken, ob man nicht prinzipiell die sichere Alternative (Papierwahl) wählen sollte.
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Linke schützt bis 21 Jahren vor Arbeit(splätzen)

Man könnte glatt denken, die Linke hätte verstanden, was die Schutzgesetze für besondere Personengruppen oft bewirken.

In einer Meldung des Bundestages zu einem Antrag der Linken zum Jugendarbeitsschutzgesetz heisst es:

Darüber hinaus, so die Linksparlamentarier, benachteilige die Altersgrenze [des Jugendarbeitsschutzes] von 18 Jahren Jugendliche mit Hauptschul- und Realschulabschluss bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Sie stünden zunehmend mit Abiturienten in Konkurrenz, für die das Jugendarbeitsschutzgesetz aus Altersgründen in der Regel nicht gilt.

Richtig, das Gesetz bewirkt Nachteile für die Personen, die eigentlich durch das Gesetz geschützt werden sollen.
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Koch-Mehrin über Grün-Gelbe Harmonie

In einem Gastkommentar in der “Financial Times Deutschland” schreibt die deutsche EP-Abgeordnete Koch-Mehrin über ein mögliches zukünftiges Bündnis zwischen FDP und Grünen.

Viele in der Ökopartei können sich ein Bündnis mit der FDP vorstellen. Das gilt umgekehrt auch für Liberale - aber erst müssen machtsüchtige APO-Opas weg von der Grünen-Spitze.

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Disziplin: Das alte neue Wundermittel der Erziehung

In dem Feuilleton-Artikel “Weniger Disziplin bitte!” in der Online-Ausgabe der Zeit wird der “neueste Katastrophenmanager” des deutschen Bildungssystems Bernhard Bueb kritisiert. Der ehemaliger Leiter einer Internatsschule fordert eine strenge Disziplin in Schule.

Bueb fordert »Strenge, Härte, Disziplin«. Mehr noch: »die vorbehaltlose Anerkennung von Autorität und Disziplin«. Denn: »Erziehung bedeutet immer Führung.« Und: »Wer führt, erwartet Gefolgschaft.« Natürlich will auch er nur das Beste für unsere Kinder: »Die Fürsorge gebietet manchmal Disziplin ohne Debatte.«

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Unser Urheberrecht ist zu extrem und ineffizient

Das IT-Newsportal Golem.de hat ein mit dem Volkswirtschaftsprofessor Varian geführtes Interview veröffentlicht, dass während der Wizard of OS-Konferenz geführt wurde.

In dem Interview werden viele interessante Thesen zur Zukunft des Urheberrecht aufgestellt. Die Kernthese ist, dass das heutige Urheberrecht zu extrem bei beim Schutz der Rechte sei und dazu sehr ineffizient.

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Neue Posterkampagne des Familienministeriums: Coole Jungs

Es gibt immer wieder Kampagnen, die schon ziemlich seltsam anmuten. Nicht dass ich solche Kampangnen generell ablehne, aber oft fragt man sich schon, ob da das Geld der Bürger wirklich effizient angelegt ist: Die neue Kampagne “Coole Jungs” (als Teil der großen Kampange “Neue Wege für Jungs”) soll laut REGIERUNGonline

Jungen dazu anregen, auch Tätigkieten und Verhaltensweisen zu übernehmen, die früher als “unmännlich” und damit “uncool” galten.

Die Kampange umfasst Poster, die kostenlos an Schulen und Jugendverbände verteilt werden sowie ein Onlineangebot. Dort findet man zum Beispiel das Spiel “Mannopoli - das Ratespiel zur Berufs- und Lebensplanung”. Es wird beschrieben als

Das Ratespiel Mannopoli bietet sehr gute Möglichkeiten mit Jungen unterschiedlicher Alterstufen zu verschiedenen Themen ins Gespräch zu kommen. Zwei Gruppen lösen abwechselnd Fragen und Aufgaben zur Zukunftsplanung wie bei dem bekannten Fernsehspiel Der große Preis.

(Hervorhebungen wie im Original)

Coole Jungs

Dies ist eines der Kampagnenposter. Es heist zur Erklärung:

Cooler Spruch – super T-Shirt! Auf den ersten Blick typisch Junge! Und die Message? Nichts für Einmal-Hingucker… DA IST MEHR DRIN! Denn er meint mit „Alte“ nicht seine Freundin, sondern die älteren Menschen, um die er sich in seinem Beruf als Altenpfleger täglich kümmert. Auf einmal bekommt „meine Alte“ fast etwas Liebevolles, auf jeden Fall etwas Verantwortungsvolles und beschreibt eine Tätigkeit, die er gerne macht und auf die er stolz ist!

Ich empfinde die Message schon als etwas weit hergeholt.

Zur der Kampange gehören auch die Domains “coole-jungs-sind-fit-im-haushalt.de”, “coole-jungs-werden-pfleger.de” und “coole-jungs-nehmen-rücksicht.de”.

Glaubt die Ministeriumsbeamten damit (uncoole) Jungen zu Verhaltensänderungen bewegen zu können? Vermutlich wird man damit Kinder ansprechen können, die eh schon offen für Sozialkompetenz und ein anderes Rollenbild sind. Schon “coole Jungs” im Sinne des Ministeriums. Doch spricht man tatsächlich diese schon offene Zielgruppe wirklich gut mit Sprüchen an, die die Jugendsprache imitieren? “Finger weg von meiner Alten”, “Hast du’n Problem?”, …

Ich habe leider keine Information über das Gesamtbudget der Kampange gefunden, es scheint aber nicht ganz niedrig zu sein. Kostenlose Poster für alle Schulen und Jugendverbände, Wettbewerb mit 25 x 1500 Euro, …

Ein uralter Konflikt in der Bildungspolitik

Es ist ein uralter Konflikt in der Bildungspolitik: Das übergreifende Schulfach Ethik (oft auch “Ethik, Religion, Lebenskunde” genannt) vs. das konfessionsgebundene Schulfach Religion.

Wie Spiegel Online berichtet, wurde in Berlin jetzt Ethik als verpflichtendes Schulfach eingeführt. Man kann sich weder abmelden noch einen konfessionsgebundenen Religionsunterricht wählen.

Von der CDU und der FDP wird dies als “rein politische Entscheidung des linken Flügels” gesehen. Aus Sicht der Berliner Opposition beginnt der “Linke Flügel” wohl direkt am Rand der CDU.

Es ist für mich nicht einzusehen, warum der Staat im Sinne der Kirchen Unterricht gestaltet, den Kirchen den Lehrplan überlasst und deren Lehrkräfte ausbildet. Doch wie gesagt, der Konflikt ist nicht neu. Ich glaube auch nicht, dass sich dieser Konflikt in absehbarer Zeit lösen wird.

Doch gerade die Berliner-FDP hat diesem Konflikt um eine lächerliche Dimension erweitert:

Der Berliner FDP-Landesvorsitzende Markus Löning sagte SPIEGEL ONLINE: “Gerade religionsgeprägten Leuten muss zugebilligt werden, dass sie sich für Religion statt für Ethik für ihre Kinder entscheiden können.” Er sei für die strikte Trennung von Staat und Religion, aber der Staat sei eben auch dazu da, die Religionsfreiheit zu schützen, so Löning.

Das dürfen die religionsgeprägten Leute auch. Wie in anderen Ländern z.B. den USA in Sonntagsschulen.

Den Schutz der Religionsfreiheit als tragendes Argument für konfessionsgebundenen Unterricht anzuführen, ist für mich nicht zuverstehen. Die Kirchen sind in diesem Land weder in verfolgt, noch ohne Lobby, noch stellen ihre Mitglieder eine echte Minderheit dar. Warum sollte dann bitte der Staat für den Schutz zuständig sein?

Gerade Werte und Ethik sind eben auch mehr als Religionsunterricht. Leider haben in diesem Land die Religionen ein Generalmonopol auf “Werte”. In dem schon angesprochenen Artikel auf Spiegel Online heißt, es das die evangelische Kirche in Berlin mit einem Plakat “Werte brauchen Gott” wirbt. Man kann seine Werte aus einem religiösen Glauben ableiten, zwingend ist dies aber nicht. Der kategorische Imperativ kommt ganz gut ohne Gott aus:

Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Es ist im Übrigen die zweifellos liberale Variante im Gegensatz zu den 10 Geboten als ein wichtiger Teil des christlichen Ethikverständnisses.

Die Liberalen verstecken oft bei der Wertediskussion. Wenn zum Beispiel unsere Familienministerin wieder ein Bündnis für Erziehung einberuft und damit nur Repräsentanten von Religionen vertreten sind, dann erwarte ich von liberalen Politikern einen Widerspruch. Doch da kommt nie etwas. Ich glaube sie/wir verstecken uns da zu unrecht.
In NRW sind, im Gegensatz zu Berlin, die Leute auf den Vormarsch, die die Religion als einzige Quelle von Werten siehen. Nicht anders ist es zu erklären wie es nun die Erziehung zu Ehrfurcht vor Gott als Ziel der Schulerziehung als erstes genannt wird. Im Schulgesetz heißt es:

§2 (3) Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung. Die Jugend soll erzogen werden im Geist der Menschlichkeit, der Demokratie und der Freiheit, zur Duldsamkeit und zur Achtung vor der Überzeugung des anderen, zur Verantwortung für Tiere und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, in Liebe zu Volk und Heimat, zur Völkergemeinschaft und zur Friedensgesinnung.

Die Landesregierung betont zwar, dass mit “Gott” nicht nur der christliche Gott gemeint ist, sondern die Götter aller Religionen. Dies macht die Sache im Kern nur nicht tatsächlich besser. Es ignoriert alle Konfessionslosen und Atheisten und es macht die Religion wieder zum Kern aller Werte. Sollten wir die Kinder nicht lieber zu mündigen, aufgeklärten, selbstbewussten Bürgern erziehen, die dann selbst entscheiden können, an was sie glauben, welche Werte sie leben wollen?

Eine Anekdote am Rande: Als vor 60 Jahren “Ehrfurcht vor Gott” in die Landesverfassung von NRW geschrieben wurde, hat die FDP-Fraktion genau deshalb gegen die Verfassung gestimmt. Bei dem Schulgesetz wurde aber zugestimmt. Irgendwo in den letzten 60 Jahren ist etwas liberales Gedankengut bei der Fraktion verloren gegangen.

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