Wir Deutschen…

…haben eine ausgeprägte Neigung stets anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Ob das nun bei Lebensmittelpreisen oder einfach nur im privaten Alltag der Fall ist. Ein besonders anschauliches Beispiel ist mir in einem Testbericht für ein Smart-Phone aufgefallen:

Das Gerät ist optisch gut gelungen und auch gut verarbeitet. Das verspiegelte Display ist zwar schick, wird jedoch sehr schnell fleckig wenn man das Telefon am Ohr hat was ein paar Minuspunkte gibt.

Vielleicht sollte sich der User einfach vor jedem Anruf die Ohren waschen.

Brett vorm Kopf…

… oder mit den Worten von Hartmut Kliemt:

Der durchschnittliche theoretische Ethiker hat anscheinend ebensolche Schwierigkeiten wie jeder andere zu begreifen, dass die je eigenen Vorstellungen vom Gemeinwohl am Ende nicht das Gemeinwohl, sondern nur je eigene Vorstellungen vom allgemeinen Wohl definieren.

Grüne Unterlassungssünde

Ein wunderbares Beispiel für Öko-Propaganda, die mit dem unzureichenden naturwissenschaftlichen, technischen und ökonomischen Wissen ihrer Zielgruppe spielt, ist der Webtrailer “The Story of Stuff”. Nicht dass die zwanzigminütige Missinformationskampagne nicht auch das eine oder andere Fünkchen Realität verarbeitet, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo ich mit dem Aufzählen der eingebauten Fehler anfangen und wieder aufhören soll. Ich überlasse diese frustrierende Aufgabe daher unseren Lesern. Viel Spaß!

PS: Wer nach dem Filmchen auch seinen iPod wegwerfen möchte, kann ihn gern mir geben. Immerhin hat er oder sie dann auch etwas mehr Zeit noch einmal die Schulbank zu drücken, um ein paar Basics der Ökologie, Chemie, Toxikologie und Ökonomie nachzuholen, die einem bei dieser Reaktion definitiv fehlen.

Ein linkes Ding?

Kein Leser wird es gerade von mir erwarten, aber auch ich muss heute mal etwas Negatives über ein Unternehmen loswerden. Nicht das ich mit seiner Servicequalität nicht zufrieden wäre. Nein, der Online-Buchhändler hat seinen Job zu meiner vollsten Zufriedenheit erledigt und eigentlich 5 Sterne verdient. Aber über folgende Passage aus einer Bestätigungsmail zur Kaufabwicklung muss ich mich doch sehr wundern:

Die Feedback Einstufung auf Amazon’s Webseite ist sehr wichtig fuer uns. Wenn sie mit Ihrer Bestellung zufrieden sind, wuerden wir es sehr schaetzen, wenn Sie sich die Zeit nehmen wuerden uns ein positives Feedback zu hinterlassen, und uns die Einstufung “5Sterne” zu geben. (BITTE nutzen Sie die Bewertung nicht, um uns auf diesem Weg Ihr Problem mir der Bestellung mitzuteilen. Wenn Sie uns e-mailen, werden Sie eine schnellere Antwort erhalten. Ausserdem liegt uns sehr daran eine Loesung fuer das Problem zu finden, so dass wir unsere 5 Sterne verdienen.)

Die Feedback-Einstufung ist vor allem auch für andere Kunden als objektives Informationsinstrument sehr wichtig, also bin ich geneigt hier mit Punkteabzug zu reagieren. Was sagt ihr dazu?

Demokratie zugunsten Microsofts

Microsoft versucht, sein OOXML-Format zum ISO-Standard zu machen (Der Verzicht aufs Passiv ist ein erster Hinweis…).

Es sieht jetzt so aus, als werde die Sache nach dem ersten gescheiterten Anlauf endlich zum Erfolg. Normierungsorgane mehrerer Staaten haben ihre ehemals ablehnenden Stimmen in zustimmende umgewandelt. Wie das so abläuft, ist allerdings geeignet, als Damaskus-Erlebnis für Demokratiefundis zu dienen. (mehr…)

Close Encounters of the Left Kind

Beim Zappen bin ich neulich mal auf ein Streitgespräch zwischen Ottmar Schreiner und Hans Werner Sinn gestoßen, das im Rahmen der Reihe “Unter den Linden” auf PHOENIX gesendet wurde (Livestream hier).

Ich gestehe, dass meine Sympathien von Anfang an ungleich verteilt waren, und dass ich mich in der Argumentation Sinns ganz wiederfand. Aber mir fiel auf, wie mühsam nur Schreiner in der Diskussion (die strittigen Themen “Tarifkonflikt” und vor allem “Mindestlohn” folgen erst nach den einleitenden Fragen zur Bankenkrise) seine Erregung unter Kontrolle halten konnte. Ich habe das als ehrliche Gefühlsäußerung verstanden. Sie scheint mir ein Beispiel des Missverständnisses zu sein, das mir in Diskussionen mit den Vertretern “linker” Thesen immer wieder auffällt. (mehr…)

Ostermärsche mal wieder

Gerade im Radio gehört: “In diesem Jahr soll es bei den Ostermärschen vor allem um die Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan gehen”. In diesem Jahr?!? Geht es nicht seit einigen Jahren jedes Jahr um die gleichen Einsätze? Wäre es nicht sinnvoll, sich diesmal vielleicht den Auseinandersetzungen in Tibet zu widmen? Oder dem Bürgerkrieg in Niger und Mali? Oder dem Kampf der FARC und der ELN in Kolumbien, der fast zu einem großen Krieg in Südamerika geführt hätte? Möglicherweise dem Bürgerkrieg in Sri Lanka, wo die Regierung im Januar den Waffenstillstand gekündigt hat?

Würde man sich um diese Konflikte kümmern, hätten die Ostermärsche einen wirklichen Sinn. Sie würden nämlich die Aufmerksamkeit der Menschen auf vergessene Kriege lenken und darauf, dass wir vom weltweiten Frieden noch sehr weit entfernt sind. Man würde ein echtes Engagement für den Frieden zeigen.

So, wie die Ostermärsche sind, zeigen sie nur eines: Dass auch die sonst marginalisierten Kommunisten mit Antiamerikanismus immer noch viele Menschen auf die Straße bringen.

Verantwortung

Was eigentlich, glauben die Menschen da draußen, hat Unternehmen dazu getrieben, Arbeitnehmer einzustellen?

Butter bei die Fische

Man ist fürs Regieren gewählt und nicht dafür, sein Gewissen zu untersuchen.

Judith Pauly-Bender, designierte Frauenministerin im Kabinett Ypsilantis, im HR-Fernsehen.

Zur Info: Art. 38 Abs. 1 GG:

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.

Ok, der hessische Landtag ist nicht der Bundestag. So sehr nicht?

Stimme der Vernunft

Auf Tyler Cowen ist Verlass. Es ist einfach angenehm, zwischen manch hysterischem Geschrei anlässlich der Steuerhinterziehungsdebatte hierzulande mal wieder eine Stimme der Vernunft wahrzunehmen.

Die Proklamation der Utopie als einzig zulässige Alternative ist nur eine marktschreierische Art der Diskussionsverweigerung.

Exklusionismus

Über eine neue deutsche Tugend bei La Deutsche Vita: Man definiert sich durch das, was man nicht ist oder nicht sein will.

So schnell wird man zum Sünder

Gestern noch hätte niemand auch nur im Traum daran gedacht, einem unbescholtenen Autofahrer wegen einer Fahrt nach Berlin etwas Anstößiges nachzusagen. Wer hat sich auch darüber Gedanken gemacht, dass er bei dieser Handlung lungengängige Feinstaubpartikel emittiert und zur Verletzung von EU-Grenzwerten beiträgt. Doch kaum führt der Senat der Stadt Berlin eine Feinstaubplakette für die Innenstadt ein, da werden aus völlig normalen Leuten plötzlich “Plakettensünder”. Von einem Tag auf den anderen kann man Menschen mittels eines Hoheitsaktes stigmatisieren und ihnen verwerfliche Taten, ja das Gegenteil moralischer Verantwortung vorwerfen. Nicht dass es keinen Grund für Maßnahmen gegen Feinstaubemissionen gäbe, aber lässt unsere Sprache nicht doch ein gewisses Maß an Verhältnismäßigkeit vermissen. Lassen wir uns nicht allzu sehr diktieren, wen wir ab wann für Sünder zu halten haben? Ist nur so eine Frage…

Dr. House und die Liberalen

Zunächst dachte ich, es sei nur eine persönliche Vorliebe, ähnlich wie “Navy CIS”. Aber dann entdeckte ich, dass Liberale und Libertäre beinahe gleichermaßen gerne am Dienstag abend RTL einschalten, um sich “Dr. House” anzuschauen.

Ich habe da eine Vermutung, warum dem so ist: House ist als Anti-Mephistopheles, als Geist, der das Gute nicht will, es aber trotzdem immer wieder schafft, eine Metapher der “unsichtbaren Hand” des Adam Smith.

Die nüchtern-empirische Wahrheit ist vielleicht profaner: Da meine Liebste ein sicherer Gradmesser dessen ist, was Frauen in Sachen Kino und Fernsehen mögen (Ausnahme: Boxen!), könnte die Beliebtheit des bekennenden Ekels Dr. House auch auf den hohen Anteilen an Kerls in der liberal-libertären Szene zurückzuführen sein. Denn sie findet ihn zwar interessant genug, um ihn sich gemeinsam mit mir anzuschauen, mag ihn aber sonst nicht. Scheißegal - gut ist der trotzdem.

Nokia, Bastiat und Dr. House

Im Verlauf der Diskussionen um den Fall “Nokia” fiel es mir erneut auf, was mich an manchen moralischen Argumentationen stört: Sie leben von einer willkürlichen Beschränkung der zur Verfügung stehenden Alternativen. Sie müssen es, weil sie sonst nicht widerspruchsfrei durchgehalten werden können. Nur mit einem für jeden Fall jeweils immer wieder neu zusammengesetzten Set von Handlungsmöglichkeiten fallen die Widersprüche nicht auf.

Das Problem mit Handlungen ist, dass alles, was wir tun, zugleich auch definiert, was wir nicht tun. Einer Handlung kann daher höchstens eine relative, nie aber eine absolute moralische Überlegenheit zugeschrieben werden. (mehr…)

Parasiten und Schmarotzer oder: Toxoplasma gondii ist schuld

Neoliberale und Biochemiker sind für den Untergang des Abendlandes verantwortlich, darüber besteht ja weitestgehende Einigkeit. Nachdem wir am Beispiel Nokia unsere neoliberale Kaltherzigkeit hinreichend zur Schau gestellt haben, ist es an der Zeit, zur Abwechslung mal wieder auf einen Artikel mit biochemischem Aufregungs-Potential zu verweisen (via Perlentaucher):

Unheimliche Gäste
Können Parasiten unsere Persönlichkeit verändern?
Von Gottfried Schatz, Neue Zürcher Zeitung

(…)

Einige Untersuchungen sprechen dafür, dass Toxoplasma unsere Psyche auch auf subtilere Weise verändern kann: Es macht Frauen oft intelligenter, dynamischer und unabhängiger, Männer dagegen eifersüchtiger, konservativer und gruppenhöriger. In beiden Geschlechtern erhöht es die Neigung zu Schuldbewusstsein, was manche Psychologen als negative emotionale Grundhaltung deuten.

(…)

Fragen über Fragen

Verstärkt das Internet bereits vorhandene Aggressionen? Ruft es neue Aggressionen hervor? Worauf ist es zurückzuführen, dass besonders aggressive Kommentare unter Pseudonym abgegeben werden? Sind aggressive Kommentare, die im Internet abgegeben werden, Ausdruck einer Sehnsucht, zumindest vorübergehend die Schranken der Zivilisation niederzureißen? War früher alles besser? Ist die Welt außerhalb des Internets besser? Sollten wir das Internet a.) mit Öffnungszeiten versehen b.) der persönlichen Aufsicht der FAZ unterstellen oder c.) doch lieber gleich ganz dicht machen?

(Die Fragen sind absichtlich allgemein und unverlinkt gestellt; Gelegenheiten, den eigentlichen Anlass zu diskutieren, gibt es nun wirklich woanders in ausreichender Zahl.)

Doppelmoral

Ein sehr schönes Zitat, das der Politologe Roger Pielke Jr. von Prometheus beim Worldwatch Institute für uns ausgegraben hat:

One car gets 46 miles per gallon, features fancy accessories, and sports two engines with a combined 145 horsepower. The other car reportedly gets 54 miles per gallon, runs on a diminutive 30-horsepower engine, and is positively spartan in its interior trimmings. The first is a darling of the environmentally conscious. The latter is reviled as a climate wrecker. These two vehicles are the Toyota Prius and the newly unveiled Tata Nano, dubbed “the people’s car.” Is there a double standard?

Zu dumm, dass Leute wie Roger vom Kanzler ihrer Uni Maßregeln für ihre Meinungsäußerung  bekommen. Das ist die wahre Katastrophe hinter dem Klimawandel. 

Bastiatsche Kompensation

Mein letztes Wort zum Nokia-Fall.

Milton Friedman vs. Naomi Klein

Da hat Steffen ja ein schönes Video ausgegraben.

Auszug:

Naomi Klein: They have a real tough intellectual job. Their job … well, quote Milton Friedman (…)

Hier unterbricht der Youtuber “Advocate 1234″:

Actually, let us hear him say what you were going to distort:

Es folgt ein Auftritt Talkshow-Auftritt von Milton Friedman:

If I’m going to do good with other peoples’ money, I first have to take it away from them. That means, that the welfare state philosophy of doing good with other peoples’ money (…) is a philosophy of violence and corrosion. It’s against freedom, because I have to use force to get the money.

In the second place, very few people spend other peoples’ money as carefully as they spend their own.

(mehr…)

Geld oder Wahrheit

Ohne Worte:

Während der geschmeidige Romney eine gewaltige Finanzspritze aus Washington und gesetzliche Erleichterungen für die Autoindustrie beim Umweltschutz versprach, verfolgte der kantige Vietnamveteran McCain die riskante Strategie, „harte Wahrheiten“ zu verkünden. Jeder Kandidat, der sage, dass die traditionellen Jobs in der Autoindustrie zurückkommen würden, sei entweder naiv oder rede nicht Klartext, hatte er im Wahlkampf verkündet, in der Hoffnung damit die Stimmen von parteilosen Wählern zu gewinnen. Deren Unterstützung für McCain fiel jedoch deutlich geringer aus als 2000. Der in Michigan aufgewachsene Romney dagegen erhielt breite Zustimmung von traditionellen republikanischen Wählern.

(Amerikanische Vorwahlen: Finanzspritze statt „harter Wahrheiten“. Von Katja Gelinsky, Washington, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

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