Ist die Rente sicher?

Manche meinen ja, obgleich die durchaus nicht völlig von der Hand zu weisenden Argumente letztlich etwas an Substanz vermissen lassen. Vor allem kommen die Anreizeffekte einer privaten Rentenvorsorge gegenüber einer Rentenabgabe ohne späterer Substanzgarantie in diesem Kommentar zu kurz. Kapitalgedeckte Rentensysteme auf Basis privater Spareinlagen und eine soziale Grundsicherung als gesellschaftliche Notsicherung schließen sich nicht aus. Nur ist das, was wir heute haben meilenweit von einer derartigen Grundsicherung entfernt. Vielmehr belastet das für viele nach wie vor als Hauptquelle der Altersvorsorge gesehene, hart umkämpfte Umverteilungsvolumen als Abgabe auf Arbeitseinkommen mit den bekannten negativen Anreizeffekten und Ausweichreaktionen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern die Produktivität der Gesellschaft und damit ihr Vermögen auch in Zukunft noch ein solide finanziertes Ruhekissen für Ältere zu gewährleisten.

Berliner Leser von B.L.O.G. haben daher Glück am Donnerstag Abend einem Vortrag des Vaters der chilenischen kapitalgedeckten Rentenversicherung José Piñera zum diesem Thema lauschen zu können. Ich bin persönlich auch zugegen…

Über Bulgaren und andere minderwertige Fremdlinge

Das Schöne am öffentlich geäußerten Moralismus ist, dass er individuell nichts kostet. Etwas weniger schön für die Betreffenden ist vielleicht, dass diese Haltung schon im NT einen prominenten Platz eingeräumt bekommen hat (Lk 18, 9ff.).

Da entrüsten sich bei uns in einer Diskussion über das Verbot deutscher Behören, Bulgaren hierzulande zu Bedingungen arbeiten zu lassen, die der gute Deutsche als unzumutbar ablehnen gelernt hat, die Moralisten nach allen Regeln der Kunst. Zum Kotzen sei das, die armen Bulgaren. (mehr…)

Allerfeinste Handarbeit

Das britische Office of Government Commerce hat ganze 14000 britische Pfund in den Sand gesetzt, bloß weil die halbe Welt so eine schmutzige Phantasie hat.

Über das und die Steuern

Etwas Werbung in eigener Sache: Gleich zwei hochkarätige Veranstaltungen hat das Institut für unternehmerische Freiheit und seine Partnerinstitute im April in Berlin anzubieten. Am 17. April 2008 wird über den Klimawandel und die Klimapolitik diskutiert, am 28. April 2008 steht die Debatte um den internationalen Steuerwettbewerb vor dem Hintergrund der Lichtensteiner Steueraffaire auf dem Programm.

Und sie bewegen sich doch

Deutsche kann man normalerweise mit steuerlichen Überlegungen zu allem, selbst zum größten Unsinn bewegen.

Aus der Rede von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter auf dem Neujahresempfang 2008 der IHK Karlsruhe.

EU-Kommission: Computer sind zu billig

Reuters meldet Razzien der Wettbewerbshüter in Intels Zentrale in München und großen Elektronikmärkten wegen des Verdachts auf illegale Geschäftspraktiken und Missbrauch seiner dominierenden Wettbewerbsposition. Das Vergehen? Zu niedrige Preise:

The raids come as Intel faces a closed hearing in Brussels next month on charges that it slashed prices below cost and offered huge rebates in an attempt to drive smaller competitor Advanced Micro Devices Inc out of the market.

Keine Kostendeckenden Preise? Intel verkauft seine Prozessoren nicht kostendeckend und macht bei seinem hohen Marktanteil weit höhere Verluste als die Wettbewerber mit geringeren Verkaufszahlen. Tolle Drohkulisse, die nur funktioniert, wenn Intel sie bis zum Suizid dauerhaft aufrecht hält. Wettbewerber bräuchten nur darauf warten bis Intel sich selbst vom Markt verramscht hat, um dann erfolgreich ins Geschäft einzusteigen. Meine Interpretation: Nachdem die 262 Mill. Euro Subvention für den Konkurrenten AMD in Dresden nicht gereicht haben den lahmenden Absatz anzukurbeln wird wieder einmal die politische Keule geschwungen. Wäre ja auch zu schade, wenn man die 496000 Euro für jeden der 565 Jobs in den Sand gesetzt hätte und vielleicht noch ein zweites Bochum erlebte. Da sollen die Konsumenten lieber mehr Geld für ihre neuen Computer hinblättern. Die Dinger sind ohnehin schlecht fürs Klima…

Über den Daumen gepeilt…

…ist der Mindestlohn noch weniger als eine Nullnummer. Eine einfache Schätzung mit Hilfe von Arbeitsnachfrageelastizitäten des ifo-Instituts Dresden legt nahe, dass der Mindestlohn für eine große Anzahl von Niedriglohnbeziehern den Jobverlust bedeuten könnte. 7,50 € würden ganz schnell für 3% weniger Beschäftigte in Westdeutschland und mehr als 6% in Ostdeutschland sorgen. Im absoluten Niedriglohnbereich würde das bis zu 50% der Beschäftigten den Job kosten. Ein wahrhaft linkes Ding.

Vor den Karren spannen lassen

Was man an einem sonnigen Sonntagnachmittag so alles macht, wenn einen die Grippe an die Wohnung fesselt. Zum Beispiel im jüngsten Gutachten des Sachverständigenrates… stöbern und staunen, dass die Experten sich mal einig sind:

Besonders eklatant sticht die Absicht ins Auge, mit einem Mindestlohn die Deutsche Post AG und ihre Töchter und Ausgründungen von lästigem Konkurrenzdruck zu befreien. Sichtbarer Ausdruck für dieses Motiv ist das Bedauern des Arbeitgebers (!) Deutsche Post AG über einen aus ihrer Sicht zu niedrigen Tarifvertrag, weil der dort vereinbarte Mindestlohn noch unterhalb des betreffenden Haustarifs der Deutschen Post AG liege. Klagen über zu niedrige Tariflohnabschlüsse kamen bisher in der Regel von Seiten der Arbeitnehmer. Letztlich soll damit das Anfang 2008 entfallende Briefmonopol der Deutschen Post AG durch die Hintertür wieder eingeführt werden, wozu die nur für dieses Unternehmen, nicht aber für ihre Konkurrenten geltende Befreiung von der Umsatzsteuer ebenfalls beiträgt, die als Ausgleich für die flächendeckende Bedienung auch schwerer erreichbarer Kunden dienen soll. Wettbewerber der Deutschen Post AG werden massiv bedrängt und verdrängt und neue Konkurrenten abgewehrt. Die Arbeitsplätze bei der Deutschen Post AG werden geschützt, die bei ihren Konkurrenten gefährdet und das Entstehen neuer erschwert. Im Gegenzug entrichten die Nutzer von Briefdienstleistungen einen erhöhten Preis. Worin vor diesem Hintergrund das gesetzlich vorgeschriebene „öffentliche Interesse“ einer Allgemeinverbindlicherklärung der unteren Lohngruppe der Briefdienstleister bestehen soll, hat die Bundesregierung bisher nicht schlüssig dargelegt, sie kann es auch nicht, weil sie sich in erster Linie vor den Karren von Partikularinteressen spannen lässt.

Manchmal gibt es sie doch, die einhändigen Ökonomen.

Zum Mindestlohn

Im Handelsblatt gibt es einen Artikel des “Korrespondenten” Norbert Häring, der sich vordergründig gegen die CDU-Strategie ausspricht, branchenbezogene Mindestlöhne einzuführen, und zwar mit dem Argument, dass diese Alternative gegenüber den anderen beiden “kein Mindestlohn” und “allgemeiner Mindestlohn” stets die schlechtere sei. (mehr…)

Venezolanisches Öl im Sonderangebot! Jetzt zugreifen!

Venezuela’s state-run oil company PDVSA is seeking a $1 billion up-front payment for several large shipments of fuel oil, El Universal newspaper reported on Saturday, in what may be a new sign of cash flow problems. (Quelle)

Bezahlt werden müsste allerdings schon nächste Woche.

Steinmeier hat übrigens ein iPhone

Ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten: Frank-Walter Steinmeier, die neue Nachwuchs-Hoffnung der SPD und Nebenerwerbsaußenminister, macht beim Nokia-Boykott nicht mit - weil er nämlich ein iPhone hat, wie er der NRZ verriet.

Was er der NRZ sonst noch verriet, bestärkt mich darin, mich nach Außenministern zurückzusehnen, die nur nichtssagende Sprechblasen produzierten. Außerdem meine ich, dass die Nokia-Kritiker ihre Anstrengungen konzentrieren sollten. Warum entwerfen sie nicht gemeinsam eine Erklärung, die dann bei allen Außenhandelskammern und Botschaften ausgelegt wird: “Liebe Investoren! Schaut auf dieses Land! Und erkennt, dass Ihr Euer Geld woanders besser anlegen könnt!” (Auslandsaufträge für deutsche Firmen und der Absatz von Produkten “made in Germany” bleibt davon natürlich unberührt, iss’ klar, ne?)

High-Tech-Handys am Steinzeitkopf

Marian fragt, warum Politiker mit Kapitalismus-Kritik und Nokia-Schelte immer wieder durchkommen. Weil sie sich an die Denkmuster eines großen Teils der Bevölkerung anpassen. Bryan Caplan hat die instinktiven Fehlschlüsse des Durchschnittswählers sehr gut zusammengefasst. Paul H. Rubin liefert einen plausiblen evolutionspsychologischen Erklärungsansatz:

Our primitive ancestors lived in a world that was essentially static; there was little societal or technological change from one generation to the next. This meant that our ancestors lived in a world that was zero sum — if a particular gain happened to one group of humans, it came at the expense of another.

This is the world our minds evolved to understand. To this day, we often see the gain of some people and assume it has come at the expense of others. Economists have argued for more than two centuries that voluntary trade, whether domestic or international, is positive sum: it benefits both parties, or else the exchange wouldn’t occur. Economists have also long argued that the economics of immigration — immigrants coming here to exchange their labor for money that they then exchange for the products of other people’s labor — is positive sum. Yet our evolutionary intuition is that, because foreign workers gain from trade and immigrant workers gain from joining the U.S. economy, native-born workers must lose. This zero-sum thinking leads us to see trade and immigration as conflict (”trade wars,” “immigrant invaders”) when trade and immigration actually produce cooperation and mutual benefit, the exact opposite of conflict.

Was er “Folk Economics” nennt, hatte ich hier vor einiger Zeit zusammengefasst.
Ausführlicher kann man es in diesem Aufsatz nachlesen. Noch mehr dazu gibts in seinem Buch “Darwinian Politics: The Evolutionary Origin of Freedom“.

SPON-Logik

Neuer Zündstoff für die Mindestlohn-Debatte: Laut einer Studie verdient fast jeder Fünfte in Ostdeutschland weniger als 7,50 Euro die Stunde. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle, das die Studie durchführte, lehnt eine Lohnuntergrenze dennoch ab - die Folgen wären “völlig unklar”.

“Dennoch”: Deutlicher kann man ökonomische Ignoranz gar nicht zum Ausdruck bringen. Und “der Mindestlohn”, das sind offensichtlich definitiv 7,50 Euro: Deutlicher kann man Parteilichkeit nicht mehr zum Ausdruck bringen.

Und das im wichtigsten deutschen Online-Nachrichten-Medium. Seitdem Aust weg ist, legen der Spiegel und das drumherum tatsächlich an Qualität zu. Oder jedenfalls, was Linke dafür halten.

Rückblende: Ben Bernanke vs. “Dean Glenn Hubbard”

In den letzten Tagen muss ich oft an das Video denken, dass Steven Levitt damals als “the best  economics humor ever” bezeichnet hat (via). Im Moment wird Glenn Hubbard ganz froh sein, dass er nicht an Ben Bernankes Stelle ist, sondern sich als Berater von Mitt Romney Wahlversprechen ausdenken darf.

Ich weiß, dass das jetzt wie Schadenfreude aussieht, aber das Video ist einfach zu gut. Und Schadenfreude empfinde ich absolut überhaupt gar keine, weder in Bezug auf Bernanke noch in Bezug auf die amerikanische Wirtschaftslage.

Every breath Bernanke takes

Every breath you take
Every change of rate
Jobs you don’t create
While we still stagflate
I’ll be watching you

(…)

Gewinn-Maximierung oder: Der Nokia-Mythos

Um sich ganz auf die Moral-Frage konzentrieren zu können, wird fleißig am Nokia-Mythos gestrickt. Der besagt, dass Nokia aus Gewinnmaximierungssucht ein profitables Werk schließt, nachdem die Subventionen abgezockt worden sind. (mehr…)

Tun Sie doch was!

Angesichts der drohenden Rezession und des Konjunkturprogramms der US-Regierung wird in amerikanischen Blogs die Frage diskutiert, wie sinnvoll eine “fiskalpolitische Stimulierung” der Wirtschaft, also das Verwenden von Steuerzahlergeld, um Steuerzahlern Geld zum Ausgeben in die Hand zu drücken, überhaupt ist. Man lese dazu z.B. einige der letzten Beiträge bei Greg Mankiw.

Ich gehöre zu denen, die davon überzeugt sind, dass es sich für jede demokratische Regierung um ein Ding der Unmöglichkeit handelt, das richtige Programm zur richtigen Zeit richtig umzusetzen. Einen von drei Parametern versauen sie dabei mindestens, und das reicht, um schon in der Theorie das Idealgebilde zum Stürzen zu bringen, bevor man überhaupt die Frage nach der Wirksamkeit an sich gestellt hat.

Man muss es sich wahrscheinlich so vorstellen wie in einer Szene, die zum Inventar so gut wie jeder Fernsehkrimiserie gehört. Wer kennt sie nicht, die Situation, wo jemand, der einer vermissten Person sehr, sehr nahe steht, den vor ihm sitzenden verantwortlichen Polizeibeamten anschreit: “Warum tun Sie nichts? Sie müssen doch etwas tun!” Als ob es etwas helfen würde, wenn der Angesprochene und seine Mitarbeiter hektisch durch die Gegend liefen und vielleicht noch ein paar der üblichen Verdächtigen verhafteten.

So entsteht auch der Bedarf an Fiskalpolitik. Man sieht ein Unglück kommen, will sich als Politiker aber nicht dem Vorwurf aussetzen, nichts getan zu haben. Für negative Folgen lässt sich notfalls immer jemand anderes verantwortlich machen, aber das Nichtstun muss man immer selbst verantworten. Noch dazu ohne jede Aussicht, dafür Lorbeeren einzuheimsen, denn der allgemeine Tenor wird natürlich unweigerlich darauf hinauslaufen, die Sache sei glimpflich ausgegangen, obwohl der betreffende Politiker nichts getan habe. Warum dabei niemandem in den Sinn zu kommen scheint, dass das “obwohl” ein “weil” sein könnte, wird mir demnächst mal einen weiteren Eintrag wert sein.

Fragen Sie Ihren Experten

Es gibt da etwas, das nennt sich OECD. Laut Wikipedia handelt es sich hier um eine von 30 Mitgliedstaaten getragene Organisation, die den Charakter einer permanent tagenden Konferenz hat. Diese Konferenz hat auch eine kleine Bürokratie mitbekommen, die jährlich ein paar hundert Millionen Euronen unter die eigenen Leute bringt.

Insgesamt sehen sich Sekretariat und Direktorate in erster Linie als Denkfabrik, die Probleme frühzeitig erkennt und Lösungsmöglichkeiten zur Diskussion stellt. Große Verdienste hat sich die OECD durch ihre Arbeit im statistischen Bereich und als Forum für den Erfahrungsaustausch erworben.

Das klingt ja alles nicht schlecht, bloß warum bekommen die Meinungen von deutschen Wissenschaftlern zu deutschen Problemen in der Öffentlichkeit höhere Weihen verliehen, nur weil die betreffenden Damen und Herren bei dieser Organisation angestellt sind? Hüten die dort den Stein der Weisen? Habe ich ein Unfehlbarkeitsdogma verpasst? Eröffnen sich gar ungeahnte Einsparungschancen im hiesigen Wissenschaftsbetrieb?

Oder gilt einfach die schlichte Wahrheit, dass bei der OECD automatisch die größten und unumstrittenen Autoritäten ihres Fachs versammelt sind? Hängen Hunderte von Bildungsforschern an den Lippen eines Herrn Schleicher, um seiner höheren Weisheiten teilhaftig zu werden? Ist Monika Queisser ein Name, der in der Finanzwissenschaft einen Ruf wie Donnerhall genießt und nur wegen der fiesen Machenschaften der INSM (mögen ihre Schecks immer gedeckt sein!) bisher der deutschen Öffentlichkeit unbekannt blieb?

Aber wahrscheinlich ist es viel einfacher: Wer die Daten verarbeiten darf, dessen Meinung gilt als besonders kompetent. Um ähnliche Unglücke wie das uns seit zwei Jahren beschäftigende zu verhindern, schlage ich vor, die nächsten Koalitionen durch Matthias Jung bestimmen zu lassen.

Die China-Besoffenheit deutscher Wirtschaftsjournalisten …

macht mich noch verrückt. So richtig der Kommentar von Herrn Ziesemer im übrigen ist, dieser Satz hier ist einfach nur dumm:

Kluge Entwicklungsländer wie China wissen, dass es gegen den Strukturwandel nur ein einziges Mittel gibt: sich ihm nicht zu widersetzen, sondern immer höherwertige Waren zu produzieren.

Klug? Entwicklungsland? höherwertige Waren? einziges Mittel? - Mann, Ziesemer, lesense doch wenigstens die Artikel über China in ihrem eigenen Blatt.

Heute: Bochum. Morgen: Dresden

oder: Money for nothing and chips for free.

Alle reden über Nokia und Bochum. Außer Bernd, der hat gelernt:

Die hochsubventionierte Chip-Industrie im Raum Dresden wird in einigen Jahren das gleiche Debakel erleben. In schöner Regelmäßigkeit verpulvert Georg Milbradt neue Steuermillionen für sein „Silicon Saxony“. Im jüngsten Subventionswettlauf verlor Dresden trotzdem schon gegen New York. Und irgendwann zieht der US-Konzern AMD ganz weiter. Und dann wird wieder demonstriert: Die Wette gilt.

Kommentar: Eins, zwei, viele Nokias. Von Bernd Ziesemer, Handelsblatt

Brauchen eigentlich die Käufer des Handelsblattes solche Kommentare? Also, ich würde mich ärgern, wenn ich Geld dafür bezahlen müsste, etwas zu lesen, was ich schon weiß. Aber das ist ja nicht mein Problem, sondern das der Handelsblatt-Käufer.

Nokia oder: Der Karawanen-Kapitalismus

Da sind Entscheidungen offenbar in Finnland getroffen worden. Aber ich kann die Empörung verstehen. Das ist ein Ausdruck eines Karawanen-Kapitalismus, von dem viele wissen müssen, dass er die Zustimmung zu diesem Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell systematisch unterminiert. Die Menschen verlieren Vertrauen und das ist eminent gefährlich und von politischer Bedeutung.

(Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, heute morgen im DLF-Interview)

Zunächst das Positive: Die SPD rückt offenbar von Tier-Vergleichen und Anspielungen auf die Bibel ab. Stattdessen also: Karawane. Das klingt irgendwie nach Orient, nach etwas, dem nicht so recht zu trauen ist. Andererseits: Karawanen bewegen sich von Handelsknotenpunkt zu Handelsknotenpunkt; zwischendurch müssen mal Durststrecken überwunden werden, bis man zur nächsten Oase kommt. Das erfordert strategische Planung und taktisches Geschick. Wenn Steinbrück das mit diesem Bild ausdrücken wollte, dann würde ich das anstelle von Nokia einfach mal als Kompliment annehmen.

Was mir Kopfzerbrechen macht, ist die behauptete Unterminierung der Zustimmung zu “diesem Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell”. Da weiß ich nämlich mindestens bei der SPD (aber auch bei weiten Teilen der CDU, vertreten durch Nordrhein-Westfalens obersten Arbeiterführer Robin Rüttgers) nicht mehr, was das eigentlich sein soll.

Und in wen oder was verlieren die Menschen Vertrauen? Für wen ist das gefährlich?

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