Aus liberaler Sicht ist der baden-württembergische Rigorismus, am diesjährigen Muttertag wegen eines der Mehrheit völlig unbekannten Festes den Verkauf von Blumen zu untersagen, ein weiteres Symbol staatlicher Machtanmaßung. Aber darum soll es hier ausnahmsweise mal nicht gehen.
Bundesweit bekannt in diesem Zusammenhang wurde der Versuch des Oberbürgermeisters von Bretten, dieses Verbot auf kreative Weise zu umgehen. Auch das “heute journal”, Flaggschiff des seriösen Verlautbarungsjournalimus im zweiten großen überregionalen öffentlich-rechtlichen Fernsehkanal, berichtete davon. Allerdings fatalerweise verbunden mit einem Lob für “schwäbische” Findigkeit.
Liebe Mainzelmännchen, auch wenn euch euer Nachbarbundesland so unbeschreiblich weit weg erscheint: In Baden-Württemberg leben nicht nur Schwaben. Die da kein Hochdeutsch können, sind auch die Badener. Egal? Na, dann schickt doch mal den zuständigen Redakteur beim nächsten Heimspiel des KSC gegen den VfB vorbei. Am besten, er wendet sich gleich an ein paar der sympathischen jungen Herren mit den blauweißen Schals und den schwarzen T-Shirts, die zwischendurch gerne “ein Baum, ein Strick, ein Schwabengenick” skandieren, und erklärt ihnen, warum Bretten, die Stadt im Kraichgau und im Landkreis Karlsruhe, von nun an dem schwäbischen Landesteil zuzurechnen ist. Das dürfte dem Sparkurs, den ihr angeblich fahrt, sehr förderlich sein.
Aber etwas ernsthafter: Wenn ihr euch schon ein paar Kilometer weiter südwestlich nicht auskennt, wieviel Expertise soll ich euch eigentlich bei euren weltpolitischen Informationen zutrauen?