Nicht alles was hinkt …

… ist ein Vergleich.
Um nicht zu sagen: Nur der besondere Respekt vor Rayson hat mich davon abgehalten, hier als Überschrift “Märschen (2)” für die absonderlichen Vergleiche des Herrn Steingart zu wählen.

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Die Varianz machts

Unterscheiden sich Männer und Frauen oder nicht? Auch dieses Wochenende war diese Frage wieder einmal das Thema von Zeitungsmeldungen, in der eine vergleichende Studie zu den Mathematiktestergebnissen von Mädchen und Jungen bemüht wurde. So titelte etwa die Welt “Mathematik: Auch Mädchen können rechnen” und hob hervor, dass die Ergebnisse der Wissenschaftler das alte Stereotyp von Männern als den besseren Rechnern vollends zu Grabe trage. Belegt wurde diese Aussage mit dem Verweis auf eine nahezu gleich gutes durchschnittliches Abschneiden beider Geschlechter in standardisierten Mathetests. Soweit so gut, doch daraus die Erkenntnis abzuleiten, die Dominanz von Männern in mathematisch-technischen Berufen müsse etwas mit Vorurteilen zu tun haben oder - wie manch Zeitgenosse es auch gern sehen will - mit Diskriminierung, bedeutet die Angelegenheit nicht zu Ende zu denken. Denn womit die Welt-Mitteilung sich nicht weiter aufhält, hat zumindest das Wall Street Journal am Rande seiner Pressemeldung erwähnt: Die Varianz der Testergebnisse von Jungen ist größer als bei Mädchen, dass macht sie gleichzeitig zu den besseren und schlechteren Rechnern. Mit anderen Worten Jungs sind mit einer größeren Wahrscheinlichkeit richtig gut oder richtig schlecht, obwohl sie im Mittel fast genauso gut rechnen wie Mädchen. Da es aber in mathematisch-technischen Berufen nicht so sehr auf durchschnittliche, sondern auf überdurchschnittliche Fähigkeiten ankommt, steigt auch mit dem Anspruchsniveau eines Jobs an die Mathematikkenntnisse, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann für diese Aufgabe besser geeignet ist als eine Frau.

Blogger William M. Briggs erläutert diesen kleinen aber wichtigen Unterschied sehr anschaulich, womit ich auch meinen üblichen Seitenhieb auf die klassische Presse einleite. Wenn der Spiegel erst kürzlich über die Unprofessionalität der deutschen Blogosphäre klagt, dann fällt dieser Beitrag vielleicht auch einem ähnlichen Trugschluss zum Opfer. Es mag sein, dass der durchschnittliche Blogpost schlechter als die Standardpressemeldung ist und dass es am “linken Rand” der Verteilung sogar extrem schlechte Einträge gibt. Aber die Varianz macht eben den Unterschied. Und die ist, wenn man mich fragt, in der Blogosphäre wesentlich größer als in klassischen Massenmedien.

Update: Was die Studie betrifft, kann man weitere Einsichten beim Reference Frame finden. Luboš Motl, immer eine Spur deutlicher als alle anderen, meint u.a.:

Before those five spice girls [die Autoren der Studie] made their bombshell statements about girls matching boys, they should have made sure that they could match boys (such as Rushton and Nymborg) in mathematics themselves. ;-)

Rückfall

Ich wollte mich eigentlich nie wieder über SPON lustig machen. Dazu ist der Boulevard-Charakter dieses Mediums zu offensichtlich. Aber jetzt musste ich das hier lesen:

Karadzic versteckte sich hinter falscher Identität

Zwölf Jahre lang narrte der mutmaßliche Kriegsverbrecher Karadzic seine Häscher - wie er so lange unentdeckt bleiben konnte, haben die serbischen Fahnder nun enthüllt: Karadzic legte sich eine neue Identität zu. Mit langem weißen Haar, Bart und Brille arbeitete er in einer Arztpraxis in Belgrad.

Eine Sensation! Offensichtlich war der Ansatz der Fahnder falsch, die Klingelschilder serbischer Städte nach “Radovan Karadzic, Kriegsverbrecher” abzusuchen. Behördensprecher versuchen zu beschwichtigen: Dass der Mann sich eine neue Identität zulegen würde, damit habe nun wirklich keiner rechnen können. Mehr noch: Sogar sein Aussehen hatte der listige Flüchtige geändert. Dieser geniale Schachzug ließ den gesuchten Massenmörder in der Achtung seiner Anhänger noch einmal steigen. Wenn diese Taktik Saddam Hussein bekannt gewesen wäre, hätte er sich nicht in einem Erdloch verkriechen müssen. Aber in der Zukunft muss wohl damit gerechnet werden, dass andere Gesuchte diese Vorgehensweise kopieren. Hoffentlich ist die deutsche Polizei auf solche geschickten Täuschungsmanöver vorbereitet…

Trittinomics

Es soll Politiker geben, die können nicht nur eins und vier nicht auseinander halten:

Beim Strom gibt es leider keine echten Marktpreise, sondern ein Monopol der großen vier Erzeuger.

Nein, sie geben auch so ohne rot zu werden blanken Unfug von sich. Sollte es daran liegen, dass sie bereits grün sind? Oder das sie von SPON interviewt werden?

Hinweis: Leser, die diese These nicht nur auch fühlen, sondern glauben gut begründen zu können, sind explizit eingeladen mir ein paar wirklich überzeugende Argumente zu liefern. Für eine sachliche Diskussionsgrundlage jedoch vorher hier Informationen einholen.

Qualitätspresse

FTD

Als sich Polens Verbandsspitze am Sonntag die deutsche Mannschaft ansah, kam Wehmut auf. In Lukas Podolski, Miroslav Klose und Piotr Trochowski standen in Klagenfurt gleich drei Spieler auf der anderen Seite im weißen Deutschland-Trikot, die die Verantwortlichen auch gerne im roten Polen-Dress gesehen hätten. Alle drei wurden in Polen geboren und sind dort aufgewachsen.

Wikipedia (Hervorhebungen von mir):

Podolski wurde als Sohn des ehemaligen polnischen Fußballprofis Waldemar Podolski im schlesischen Gliwice (Gleiwitz) geboren. Im Alter von zwei Jahren zog er 1987 mit seiner Familie nach Deutschland, wo er in Bergheim bei Köln aufwuchs.

Klose verbrachte seine Kindheit zunächst in seiner schlesischen Heimat und kam, nach einem Aufenthalt der Familie in Frankreich, im Alter von acht Jahren mit seiner Familie als Aussiedler nach Deutschland in die Pfalz.

Als Piotr Trochowski fünf Jahre alt war, kam die Familie nach Hamburg, wo sie in Billstedt lebte.

Wachsen Polen jetzt irgendwie schneller auf oder was?

Pressewetterfrösche

Die Tagesschau unkt tiefsinnig, ohne sich weiter mit konkreten Daten aufzuhalten:

Ein einzelnes Unwetter an sich ist für diese Jahreszeit nicht weiter ungewöhnlich. So was hat es schon immer gegeben und wird es immer geben. Ein Gewitter bei dem innerhalb von einer halben Stunde 70 Liter fallen, kann schon mal vorkommen. Ungewöhnlich ist aber, dass diese subtropische Wetterlage nun schon so lange anhält. Dass ist wie beim Würfeln. Wenn man einmal eine Sechs würfelt ist das nicht weiter ungewöhnlich. Wenn man aber fünf mal hintereinander eine Sechs würfelt, fragt man sich natürlich schon, ob das alles mit rechten Dingen zugeht. So ist das bei dieser Wetterlage auch. Ein Unwetter im Mai ist nicht ungewöhnlich, soviel Tage hintereinander schon.

Der Deutsche Wetterdienst berichtet trocken über das diesjährige Frühjahrswetter:

Ein ganz normaler Frühling

In Deutschland stand der Frühling 2008 im starken Gegensatz zum Vorjahr. März und April waren nasser, kälter und sonnenscheinärmer als 2007, der Mai deutlich trockener und viel sonniger als im Vorjahr. Insgesamt zeigte sich der Frühling 2008 recht typisch. Er war im Vergleich zum langjährigen Mittel leicht zu warm und sonnig und bot eine durchschnittliche Niederschlagsbilanz. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 100 Messstationen.

Es kommt eben darauf an wer für wen die Nachrichten macht.

FTD-Kolumnisten für Obama

Während der typische Salonlinke sich noch darüber empört, dass bei SPON nicht alle der Obamania verfallen sind, wird bei der FTD ganz offen für den wahrscheinlichen Kandidaten der Demokraten zur US-Präsidentschaftswahl Partei ergriffen.

Nun ist es ja nicht so, als gäbe es überhaupt keine Gründe dafür. (mehr…)

Schwäbischer Qualitätsjournalismus

Aus liberaler Sicht ist der baden-württembergische Rigorismus, am diesjährigen Muttertag wegen eines der Mehrheit völlig unbekannten Festes den Verkauf von Blumen zu untersagen, ein weiteres Symbol staatlicher Machtanmaßung. Aber darum soll es hier ausnahmsweise mal nicht gehen.

Bundesweit bekannt in diesem Zusammenhang wurde der Versuch des Oberbürgermeisters von Bretten, dieses Verbot auf kreative Weise zu umgehen. Auch das “heute journal”, Flaggschiff des seriösen Verlautbarungsjournalimus im zweiten großen überregionalen öffentlich-rechtlichen Fernsehkanal, berichtete davon. Allerdings fatalerweise verbunden mit einem Lob für “schwäbische” Findigkeit.

Liebe Mainzelmännchen, auch wenn euch euer Nachbarbundesland so unbeschreiblich weit weg erscheint: In Baden-Württemberg leben nicht nur Schwaben. Die da kein Hochdeutsch können, sind auch die Badener. Egal? Na, dann schickt doch mal den zuständigen Redakteur beim nächsten Heimspiel des KSC gegen den VfB vorbei. Am besten, er wendet sich gleich an ein paar der sympathischen jungen Herren mit den blauweißen Schals und den schwarzen T-Shirts, die zwischendurch gerne “ein Baum, ein Strick, ein Schwabengenick” skandieren, und erklärt ihnen, warum Bretten, die Stadt im Kraichgau und im Landkreis Karlsruhe, von nun an dem schwäbischen Landesteil zuzurechnen ist. Das dürfte dem Sparkurs, den ihr angeblich fahrt, sehr förderlich sein.

Aber etwas ernsthafter: Wenn ihr euch schon ein paar Kilometer weiter südwestlich nicht auskennt, wieviel Expertise soll ich euch eigentlich bei euren weltpolitischen Informationen zutrauen?

Land unter…

…bei der tagesschau. Dramatische Berichte von den angeblich ersten Klimaflüchtlinge durch Überflutungen und steigende Meeresspiegel auf den Salomon-Inseln, die dieses Problem natürlich auf den Klimawandel zurückführen, gibt es von der Online-Redaktion unserer öffentlich-rechtlichen Nachrichtenbeglückung.

Kein Wort allerdings davon, dass die genannten Überschwemmungen vor allem auf den letztjährigen Tsunami zurückzuführen sind und das der Meeresspiegelanstieg laut offizieller Statistik (Darstellungen 11 u. 12 S. 22ff) nicht unbedingt besorgniserregend ausfällt. Zumal man dort auch lesen kann, dass monatliche Meerspiegelschwankungen nicht ungewöhnlich sind und gerade zu Jahresbeginn regelmäßig “land unter” herrscht. Laut offiziellen Berechnungen liegt der Wachstumstrend des Meeresspiegels bei 6,7 mm/Jahr. Das 25-Jahresmittel des Meeresspiegelanstiegs der gesamten im Bericht berücksichtigten Pazifikinseln liegt übrigens bei 1,14 mm/Jahr.

Wishful thinking

Ein ganz besonderes Exemplar des schlampigen Umgangs der Medien mit den Ergebnissen empirischer Forschung scheint die Online-Ausgabe des Ärzteblatts wieder einmal zu präsentieren. Unter dem Titel “Nichtraucher: Weniger Nierenkrebs in Europa” werden Informationen zu einer Vergleichsstudie der europäischen Nierenkrebsinzidenz der letzten Jahre gegeben und mit der Mutmaßung eines der Autoren gewürzt, es könnte ein Zusammenhang mit dem Rückgang des Rauchens bestehen. Sicher, es könnte so sein. Nur müsste man das auch untersuchen. Aus dem Abstract der Studie geht jedoch mit keinem Wort hervor, ob eine Untersuchung dieses Zusammenhangs mit geeigneten statistischen Daten und Verfahren überhaupt erfolgte.

Update:

Ein freundlicher Leser hat mit die Studie geschickt. Und siehe da, es wurde keine statistische Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Nierenkrebs und Rauchen von den Autoren vorgenommen. Der Zusammenhang zum veränderten Rauchverhalten wird lediglich in der Diskussion der deskriptiven Ergebnisse aus der Sekundärliteratur hergeleitet:

The present analysis confirms, and further quantifies, the declines in kidney cancer mortality reported from several European countries since the 1990s [1]. In general, the decreases were larger in men, in middle age, and in western European countries. This is consistent with a relevant role of tobacco in kidney cancer risk and mortality, as men, particularly from western Europe, are the population showing more favourable changes in smoking habits over the last few decades. It is more difficult to understand and explain the favourable trends in kidney cancer mortality in women from most European countries, including France and Spain, or several countries of central and eastern Europe, where the prevalence of tobacco, and consequently, tobacco-related cancer mortality, has been expanding over the last few years [2,19]. Being overweight is a second well recognized risk factor for kidney cancer, after tobacco smoking [20,21]. However, trends in overweight and obesity cannot explain the favourable trends observed in kidney cancer mortality, as, if anything, the prevalence of overweight and obesity has tended to increase over the last few years in several, though not all, European countries [22–24]. Dietary factors might also have some role, but their influence on renal carcinogenesis remains unclear. However, several studies found inverse relationships between a diet rich in vegetables and fruit and kidney cancer [25–30]. Reduced exposure to occupational carcinogens might also have had a favourable role, although the impact of occupational exposures on kidney cancer risk remains unquantified. Hypertension has also been related to the risk of kidney cancer, but it is unclear whether pharmacological control of hypertension might have had some measurable effect on kidney cancer rates [31–33]. Likewise, better control of UTIs might also favourably influence the risk of kidney cancer [21].

Etwas dürftig für eine derartige Schlagzeile. 

Hochgerechnet

Arbeitsplatzabbau ist derzeit ein Verkaufsschlager der Massenmedien. Also ist es attraktiv den Beschäftigungsabbau möglichst hoch auszuweisen: Wer bringt die Schlagzeile mit den höchsten Entlassungszahlen? Und dazu bedienen sich manche Journalisten besonders durchsichtiger Methoden der “Hochrechnung”. So liest man heute bei tagesschau.de:

Allein in Deutschland würden bis zu 2000 Stellen gestrichen, weltweit seien es 3800, teilte die Siemens AG in München mit. Von weiteren 3000 Beschäftigten will sich Siemens durch Verkäufe und Partnerschaften trennen. Damit stehen insgesamt 6800 Arbeitsplätze zur Disposition.

Ich kann so manchen verstehen, der immer wieder in Bastiats “Was man sieht und was man nicht sieht”-Falle tappt, aber derartiger Nonsens stößt schon an die Grenzen des Tolerierbaren. So tun, als würden Verkäufe und Aufgabenauslagerungen Werksschließungen entsprechen. Keine Ahnung wer so etwas ernst nimmt. Aber dennoch, haben die Öffentlich-Rechtlichen einen Verbildungsauftrag?

Ein Leben ohne SPON

Der Kollege von “Libertas Cara” hat mich inspiriert: Ab heute ist bei mir Schluss mit “Spiegel Online”.

Aktualität und Breite sprachen immer für dieses Medium. Andererseits nervten die hier oft thematisierten Gegensätze zwischen Überschrift und “Teaser” auf der einen und dem jeweiligen Text auf der anderen Seite. Mittlerweile aber bekommt man den Eindruck, als habe SPON eine Agenda jenseits der Berichterstattung, und die beginnt immer mehr aufzustoßen. Hinzu kommt die Praxis, zunächst allgemein verfügbare Beiträge nach einer gewissen Zeit in den Bezahlbereich zu verschieben, was insbesondere Bloggern einigermaßen lästig ist.

Auch die Gastbeiträge nerven im Verhältnis von 2:1. Ich brauche keine rappenden Möchtegernstars und keine abgehalfterten Politikwissenschaftler, die mir da die Welt erklären. Ein Hubert Kleinert macht noch keinen Sommer.

Internet ist einfach: Schwupps, weg ist das Lesezeichen.

Was wir am Hindukusch verteidigen

A young man, a student of journalism, is sentenced to death by an Islamic court for downloading a report from the internet. The sentence is then upheld by the country’s rulers. This is Afghanistan – not in Taliban times but six years after “liberation” and under the democratic rule of the West’s ally Hamid Karzai.

The fate of Sayed Pervez Kambaksh has led to domestic and international protests, and deepening concern about erosion of civil liberties in Afghanistan. He was accused of blasphemy after he downloaded a report from a Farsi website which stated that Muslim fundamentalists who claimed the Koran justified the oppression of women had misrepresented the views of the prophet Mohamed.

Mr Kambaksh, 23, distributed the tract to fellow students and teachers at Balkh University with the aim, he said, of provoking a debate on the matter. But a complaint was made against him and he was arrested, tried by religious judges without – say his friends and family – being allowed legal representation and sentenced to death.

So kann man das heute im Independent nachlesen. Und solche Nachrichten sollte man bedenken, wenn man im Hinblick Afghanistan nur dann debattiert, wenn es darum geht ob deutsche Soldaten dort in Kampfhandlungen eintreten sollten oder nicht. Afghanistan wird nicht automatisch dadurch demokratisch, dass man die Taliban von Kabul fernhält. Die Aussage dass Deutschlands und Europas Freiheit am Hindukusch verteidigt wird, ist nett. Die Frage ist aber auch, welche Maßnahmen man ergreifen muss, um die Freiheit der Afghanen dort zu verteidigen. Wenn wir - damit meine ich alle alliierten Nationen die in Afghanistan vertreten sind - es wirklich ernst meinen, dann sollten solche Justiz-Exzesse kritisch angeprangert, deutlich angesprochen und in Zukunft unterbunden werden. Denn sonst ist der militärische Kampf in Afghanistan nichts weiter als Spiegelfechten, weil der eigentliche Kampf um die Freiheit dort bereits verloren ist.

SPON-Logik

Neuer Zündstoff für die Mindestlohn-Debatte: Laut einer Studie verdient fast jeder Fünfte in Ostdeutschland weniger als 7,50 Euro die Stunde. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle, das die Studie durchführte, lehnt eine Lohnuntergrenze dennoch ab - die Folgen wären “völlig unklar”.

“Dennoch”: Deutlicher kann man ökonomische Ignoranz gar nicht zum Ausdruck bringen. Und “der Mindestlohn”, das sind offensichtlich definitiv 7,50 Euro: Deutlicher kann man Parteilichkeit nicht mehr zum Ausdruck bringen.

Und das im wichtigsten deutschen Online-Nachrichten-Medium. Seitdem Aust weg ist, legen der Spiegel und das drumherum tatsächlich an Qualität zu. Oder jedenfalls, was Linke dafür halten.

Subterranean Homesick Blues

I’d rather be in some dark holler, where the sun don’t never shine. So sang das zumindest Clarence Ashley. Damit steht sie der Einschätzung von Franz-Josef Wagner diametral gegenüber, der sagt dass er lieber “über der Erde lebe – mit Bäumen und Blumen.” Ob die Bäume und Blumen vielleicht lieber unter der Erde leben würden, ohne Franz-Josef Wagner, das hat sie keiner gefragt.

Dafür hat sich Franz-Josef Wagner jetzt zusammen mit Dr. Seltsams Faktotum der Bundesjustizzypries “in Berlins gefährlichste U-Bahn gewagt“. Eine U-Bahn in der es “nach abgestandenem Leben” riecht, in der Gangster-Rap-Typen, Bettler, Unter-der-Erde-Fahrer (In einer U-Bahn? Neiiiin!) und Betrunkene unterwegs sind, und in der Franz-Josef Wagner visioniert wie er blutüberströmt auf einen Notknopf zukriechen wird. Alles sehr dramatische Szenen. Alles sehr packend beschrieben. Und das Ende spoilere ich hier mal nicht.

Wer die Spannung und die visuelle Präsenz von Franz-Josef Wagner erträgt, der kann sich das ganze auch hier als Video angucken. Das ist ab heute die Messlatte, die Cloverfield überspringen muss, um für mich als Erfolg zu gelten.

Ob Frau Zypries nun nur mit FJW U-Bahn fährt um ihr Image aufzubessern, ob sie das - wie Wagner andeutet - “als romantische Freundin” getan hat, oder ob die ZEITUNG im Gegenzug ihre bisherige Kampagne ein wenig eindampfen wird, darüber darf man spekulieren. Für mich ist das Mitspielen einer Ministerin in so einer Schmierenkomödie nur ein weiterer Beweis dafür, wie sehr die ganz Jugendgewaltkiste zu einem inhaltsleeren Medienrummel verkommen ist. Interessant allerdings dass Wagner sich inzwischen so stark von seinen subterranen Verwandten distanziert…

Cruise-Knopp-Goebbels: Unseren täglichen Nazi-Vergleich gib uns heute

Ich sollte sonntags früher frühstücken, damit mich die Nazis bzw. die Nazi-Vergleiche nicht immer auf nüchternen Magen erwischen.

Letzte Woche Goebbels um 9 Uhr 05 (Der totale Krieg, Deutschlandradio Kalenderblatt), heute eine halbe Stunde früher am Kiosk:

Guido Knopp: Cruise tritt auf wie Goebbels

Online liest sich das dann so:

Historiker Professor Dr. Guido Knopp (59), Chef der Redaktion Zeitgeschichte des ZDF, bewertet die Szene so: „Tom Cruise tritt auf wie Goebbels.“ Konkret denkt er an eine berüchtigte Rede von Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels. Knopp zu BILD am SONNTAG: „Es mag ja sein, dass Cruises Sprechweise bei vielen Erweckungsbewegungen in den USA üblich ist. Doch die Szene, in der er fragt, ob die Scientologen die Welt säubern sollen und alle Ja rufen, erinnert zwangsläufig jeden Deutschen, der sich für Geschichte interessiert, an die berüchtigte Sportpalast-Rede von Goebbels.“

Knopp ist Professor? Wusste ich noch gar nicht. Für was denn?

Hier das Video bei Gawker.com: Tom Cruise Uncut: The Freedom Medal Award Ceremony (das Video, um das es geht, ist ganz am Ende des Beitrags)
Alle Tom-Cruise-Artikel bei Gawker.com

Wenn ich dringend eine historische Einschätzung bräuchte und hätte die Wahl zwischen Knopp und Knoppers - dann würde ich mich für Knoppers (”das kleine Frühstückchen”) entscheiden. Guten Appetit! Und schönen Sonntag noch.

Lady Bitch Ray - Debattentod Delüks

Auch wenn sich Marian und stefanolix des aufrüttelndsten Beitrags zum Thema Jugendgewalt schon angenommen haben, soll mich das nicht davon abhalten auch meinen eigenen Senf noch zum Thema abzugeben. B.L.O.G. endet ja nicht nur rein zufällig auf O.G..

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Die China-Besoffenheit deutscher Wirtschaftsjournalisten …

macht mich noch verrückt. So richtig der Kommentar von Herrn Ziesemer im übrigen ist, dieser Satz hier ist einfach nur dumm:

Kluge Entwicklungsländer wie China wissen, dass es gegen den Strukturwandel nur ein einziges Mittel gibt: sich ihm nicht zu widersetzen, sondern immer höherwertige Waren zu produzieren.

Klug? Entwicklungsland? höherwertige Waren? einziges Mittel? - Mann, Ziesemer, lesense doch wenigstens die Artikel über China in ihrem eigenen Blatt.

Macht Bush den Putin?

Larry Summers verlangt in der FT ein Eingreifen der Fiskalpolitik in den USA, um eine schwere Rezession zu verhindern. Der “Economist” und andere lehnen den Vorschlag ab, weil sie entweder den Maßnahmen selbst misstrauen oder der Fähigkeit der Politik, die richtigen Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt umzusetzen.

SPON lehnt ihn ab, weil Bush ihn befürwortet.

Ich weiß, SPON ist ein zu billiger Gegner, aber beim Lesen der Überschriften stellt sich meist ein Gefühl zwischen Resignation und Verwunderung ein. In diesem Fall Letzteres, da mir nicht klar wird, wie Bush “sich” durch ein Konjunkturprogramm “retten” wollen soll. Vermutlich ist der Schreiber wegen all der Politiker-Dynastien in den USA etwas verwirrt und rechnet mit Bushs nochmaliger Kandidatur für das Präsidentenamt.

Es muss aber auch schwierig sein für die SPON-Truppe. Das Hauptziel der Attacken tritt definitiv ab, und bei den Kandidaten der Republikaner steht noch nicht fest, über wen man herziehen soll und wer für die Angriffe als Kronzeuge gebraucht wird.

Das hätte gerade noch gefehlt

Wir haben wirklich Glück, dass Heintje es vorzieht nicht vom Klimawandel zu singen. Er hat Angst für verrückt gehalten zu werden. Soviel Bescheidenheit legt kaum einer mehr an den Tag. Obwohl nicht viele der Klimawandler mehr Expertise als Heintje vorweisen können. Doch man könnte den Mann auch als Pessimisten bezeichnen, schließlich bekommt man heutzutage eher einen Nobelpreis als die Zwangsjacke fürs Dilettieren über den Klimawandel. Für einen Schlagerpreis hätte es also dicke gereicht.

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