Über Bulgaren und andere minderwertige Fremdlinge

Das Schöne am öffentlich geäußerten Moralismus ist, dass er individuell nichts kostet. Etwas weniger schön für die Betreffenden ist vielleicht, dass diese Haltung schon im NT einen prominenten Platz eingeräumt bekommen hat (Lk 18, 9ff.).

Da entrüsten sich bei uns in einer Diskussion über das Verbot deutscher Behören, Bulgaren hierzulande zu Bedingungen arbeiten zu lassen, die der gute Deutsche als unzumutbar ablehnen gelernt hat, die Moralisten nach allen Regeln der Kunst. Zum Kotzen sei das, die armen Bulgaren. (mehr…)

Da werden sie geholfen

SPON posaunt im Zusammenhang mit der “Aufdeckung” eines Falls von niedrigen Stundenlöhnen:

Die Zollbeamten fanden zehn Bulgaren vor, die ohne Arbeitsgenehmigung Wärmedämmungen an der Außenfassade von Wohnhäusern durchführten. Die Männer hätten für einen Stundenlohn von nur zwei bis drei Euro wöchentlich bis zu 70 Stunden arbeiten müssen, berichtete eine Behördensprecherin an diesem Dienstag.

Müssen? Angesichts der Tatsache, dass keine bewaffneten Aufseher an der Baustelle erwähnt wurden gehe ich davon aus, dass die Bulgaren arbeiten wollten. Sie sind immerhin extra aus Bulgarien nach Deutschland für einen dieser Jobs gekommen. Die Rettungsaktion verlief jedoch erfolgreich:

Bei den Vernehmungen stellte sich heraus, dass die Schwarzarbeiter bereits seit zwei Monaten illegal auf der Baustelle beschäftigt waren. Gegen sie wurden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, sie mussten die Tätigkeit einstellen.

Ich kann mir die Dankbarkeit in ihren Gesichtern lebhaft vorstellen…

Much of macroeconomics is anti-economics

Sagt Arnold Kling.

Ich würde dem nicht so ganz folgen, aber es ist instruktiv, wie sehr die Gegensätze, die er beschreibt, gegensätzliche Positionen im bloggerischen und politischen Meinungsstreit unterfüttern. Die sozialdemokratische bis sozialistische Linke steckt in der Regel ganz im Makrodenken, während Liberale sich konsequent auf das beziehen, was Kling nicht so richtig unparteiisch “real economics” nennt.

Damit nichts direkt zu tun hat der folgende Seitenhieb, aber so ein bisschen gegen Richtungen der modernen Ökonomie zu sticheln kann ganz amüsant sein:

It is a graduate textbook in New Keynesian economics. What that means in practice is a bunch of mathematical modeling utterly divorced from reality.

Deutsche Wertarbeit

Nachdem sich der Toyota Prius, Poster-Boy der Öko-Mobilisten, bereits in der Lebenszyklus-Analyse beim Energieverbrauch gegenüber dem Straßenumweltfrevler Nr. 1 Hummer geschlagen geben musste, kann man jetzt sogar im laufenden Straßenverkehr mit einem konventionellen 5er Diesel-BMW mehr Sprit sparen.

Und denen soll man glauben…

ineos1.jpgSchlechte Krisen-PR scheint mehr die Regel als die Ausnahme zu sein. Als gestern bei der Ineos in Dormagen ein Feuer ausbrach, saß man in unserem Wohnzimmer sozusagen auf einem Logenplatz - weit genug weg, um angesichts der Windrichtung keine Sorgen haben zu müssen, aber nahe genug dran, um ständig die Entwicklung des Feuers beobachten zu können. Da kleinere Feuer und Explosionen bei den Betrieben des Chemieparks häufiger auftreten, waren wir zunächst nicht sehr besorgt, sondern hielten den Brand für einen der typischen “Abfackelvorgänge”, bei denen Chemikalien unter Überdruck durch kontrollierte Verbrennung unschädlich gemacht werden.

Als aber nach einer guten Stunde die Intensität der Flammen nicht zurückgehen wollte, wunderte ich mich schon und schaltete um 15 Uhr den lokalen Radiosender ein, um herauszufinden, ob man dort etwas über den Vorfall berichten würde. Und tatsächlich: Ein Unternehmenssprecher der Ineos war zu hören, der berichtete, es habe ein kleines Problem mit einer Rohrleitung gegeben, die in Brand geraten sei. Der Brand sei allerdings mittlerweile unter Kontrolle, eine Gefährdung für die Bevölkerung habe es nie gegeben.

(mehr…)

Subventionsfreie Landwirtschaft

Da gibt es einmal einen deutschen Plantagenbesitzer, der freiwillig auf Agrarsubventionen verzichtet und dann wird der bescheidene Mann auch noch für sein seltenes Handwerk rechtlich belangt. So wird das nie was mit dem ehrlichen Unternehmertum, das zugunsten seiner Konsumenten so manche Gefahr eingeht und dennoch auf die Risikoübernahme durch den Staat verzichtet.

Verantwortung

Was eigentlich, glauben die Menschen da draußen, hat Unternehmen dazu getrieben, Arbeitnehmer einzustellen?

Stabwechsel

Auf Marginal Revolution ruft Fabio Rojas das Ende der Ökonomie aus:

What’s the point? It’s this: Economics, as understood for hundreds of years, has played out. The major problems of econ 101 have been solved. We know about supply and demand, marginal utility, choice under uncertainty, and budget constraints. We have a wide variety of tools, ranging from game theory to econometrics, that help us identify these processes in situations ranging from war, to car sales, to dating. We are also seeing how these processes plug into classic macroeconomic issues, such as growth and international trade.

However, the market system itself, as indicated by Tim’s concluding chapter, depends on population, innovation, and liberal economic institutions. These, in turn, depend on psychology, group culture, and networks, the domain of sociologists, psychologists, historians, and anthropologists. Economists have shown how the market system processes the inputs, but there’s still much, much more to be said about where the inputs come from. That’s what’s going to be exciting in the decades to come, and I can’t wait to see it.

Ich teile zwar Rojas’ Neugier, bezweifle aber, ob wirklich die wichtigsten wirtschaftswissenschaftlichen Probleme gelöst sind. Aber selbst wenn dies so sein sollte (viel hängt vom Begriff “wichtig” ab), gilt das nur für die Welt der Wissenschaft, nicht für die des Alltags. Denn die weitgehende Ignoranz schon grundsätzlicher ökonomischer Erkenntnisse in Politik und Gesellschaft ist eklatant. Die Ökonomie braucht keine neue, bahnbrechende Theorie, sondern befähigte Publizisten und Politiker, die das Bekannte allgemeinverständlich vermitteln können. Also keinen Smith, Keynes oder Friedman, sondern einen Bastiat.

Die Freuden der anderen

Steven Landsburg erinnert uns in seiner neuen Slate-Kolummne an Bastiat:

If you’re facing foreclosure, Treasury Secretary Henry Paulson wants to help. “If someone is willing to make a call to reach out,” says Paulson, “there’s a chance we can save their homes.” But Paulson can’t save these homes because the homes are not endangered in the first place. They stand to change hands, not to vanish.

None of these foreclosed houses is going to disappear. After a foreclosure, one family moves out, and another moves in. We see the sad faces of the people moving out, but we don’t as often see the happy faces of the new homeowners moving in. Nevertheless, those happy faces are out there, and we should not discount them.

I predict with equal confidence that a sizable chunk of readers will attribute my observations to a failure of compassion. But which is more compassionate: to care about the fortunes of the people who happen to be in your field of vision or also to include those whom you cannot see? The homeless are out there. The starving children in Africa are out there. The would-be new homeowners are out there. Each of them, in different ways, stands to gain or to lose from the policy choices we make. To exclude them from consideration—just because they happen to be absent from the front page of this morning’s newspaper—is not a compassionate enterprise.

Persönlicher Inflationsrechner

Wer schon immer mal wissen wollte wie die persönliche Inflationsrate aussieht kann sich des persönlichen Inflationsrechners des statistischen Bundesamtes bedienen. Schönes Spielzeug…

Hochgerechnet

Arbeitsplatzabbau ist derzeit ein Verkaufsschlager der Massenmedien. Also ist es attraktiv den Beschäftigungsabbau möglichst hoch auszuweisen: Wer bringt die Schlagzeile mit den höchsten Entlassungszahlen? Und dazu bedienen sich manche Journalisten besonders durchsichtiger Methoden der “Hochrechnung”. So liest man heute bei tagesschau.de:

Allein in Deutschland würden bis zu 2000 Stellen gestrichen, weltweit seien es 3800, teilte die Siemens AG in München mit. Von weiteren 3000 Beschäftigten will sich Siemens durch Verkäufe und Partnerschaften trennen. Damit stehen insgesamt 6800 Arbeitsplätze zur Disposition.

Ich kann so manchen verstehen, der immer wieder in Bastiats “Was man sieht und was man nicht sieht”-Falle tappt, aber derartiger Nonsens stößt schon an die Grenzen des Tolerierbaren. So tun, als würden Verkäufe und Aufgabenauslagerungen Werksschließungen entsprechen. Keine Ahnung wer so etwas ernst nimmt. Aber dennoch, haben die Öffentlich-Rechtlichen einen Verbildungsauftrag?

Mensch, nackt

Die Umstrukturierung will Freenet-Chef Eckhard Spoerr schnell umsetzen, wie er dem Manager Magazin sagte. Demnach spielt Spoerr mit dem Gedanken, aus Freenet ein Medienunternehmen mit Internetportalen für Onlinespiele, Geldanlage und Erotik zu machen.

(aus: heise online)

Zocken, Gier und Geilheit - während in Villabajo noch die moralischen Sonntagsreden geschwungen werden, konzentriert man sich in Villariba schon wieder auf das ewig Gültige.

Populäre Wirtschaftsirrtümer (I)

Gegen chinesische Kosten haben westliche Unternehmen keine Chance.

Peter Schott von der Universität Yale zeigt in der Zeitschrift “Economic Policy” das Gegenteil (siehe den Artikel beim Handelsblatt).

iGentor

Apples Gier verhagelt der Firma den chinesischen Markt. Und je mehr iPhones über den Schwarzmarkt nach China gelangen, umso schwerer dürfte es sein lukrative Festverträge mit stattlichen Vertragsgeldern mit den Netzbetreibern auszuhandeln. Immerhin haben sich die größten Fans schon jetzt mit einem Schwarzimport eingedeckt. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, das Über-Handy wie ein normalsterbliches Mobiltelefon ungesperrt anzubieten?

Rent Googling

Ein Quasimonopolist bekommt Konkurrenz und warnt deshalb vor dem Weltuntergang. Rent Seeking goes Internet.

Jeder siebte Journalist kann nicht rechnen

Ok, das ist nur eine aus der Luft gegriffene Behauptung, aber angesichts dieser Meldung über Schwarzarbeit in Schlachthöfen erscheint diese Vermutung nicht unberechtigt. Da ermitteln Zollfahnder während einer bundesweiten Großrazzia bei 9530 Beschäftigten 323 Verdachtsfälle auf einen Verstoß gegen Steuer- und Sozialgesetze, die offenbar in 15 % der untersuchten Unternehmen auftraten.

Was macht der Autor des Textes daraus? Eine fette Schlagzeile, nach der jeder siebte Schlachthofarbeiter schwarz arbeitet. Unwesentlich ist dabei offenbar, dass es richtigerweise heißen müsste, in jedem siebten Schlachthof wird wahrscheinlich schwarz gearbeitet und bei jedem dreißigsten Schlachthofarbeiter gibt es Verstöße gegen Steuer- und Sozialgesetze. Aber das klingt ja auch nicht so aufregend. Abgesehen davon, wo liegt das Problem? Gönnt da jemand den Fachkräften aus Süd- und Osteuropa ihren Broterwerb nicht?

Update: Marian korrigiert mich freundlicherweise, dass nicht jeder dreißigste Schlachthofarbeiter gegen Gesetze verstoßen hat, sondern dessen nur verdächtigt wurde. Unterm Strich hat bei 64 Verfahren jetzt nur jeder hundertfünfzigste Schlachthofarbeiter ein Bußgeld- oder Strafverfahren am Hals.

High-Tech-Handys am Steinzeitkopf

Marian fragt, warum Politiker mit Kapitalismus-Kritik und Nokia-Schelte immer wieder durchkommen. Weil sie sich an die Denkmuster eines großen Teils der Bevölkerung anpassen. Bryan Caplan hat die instinktiven Fehlschlüsse des Durchschnittswählers sehr gut zusammengefasst. Paul H. Rubin liefert einen plausiblen evolutionspsychologischen Erklärungsansatz:

Our primitive ancestors lived in a world that was essentially static; there was little societal or technological change from one generation to the next. This meant that our ancestors lived in a world that was zero sum — if a particular gain happened to one group of humans, it came at the expense of another.

This is the world our minds evolved to understand. To this day, we often see the gain of some people and assume it has come at the expense of others. Economists have argued for more than two centuries that voluntary trade, whether domestic or international, is positive sum: it benefits both parties, or else the exchange wouldn’t occur. Economists have also long argued that the economics of immigration — immigrants coming here to exchange their labor for money that they then exchange for the products of other people’s labor — is positive sum. Yet our evolutionary intuition is that, because foreign workers gain from trade and immigrant workers gain from joining the U.S. economy, native-born workers must lose. This zero-sum thinking leads us to see trade and immigration as conflict (”trade wars,” “immigrant invaders”) when trade and immigration actually produce cooperation and mutual benefit, the exact opposite of conflict.

Was er “Folk Economics” nennt, hatte ich hier vor einiger Zeit zusammengefasst.
Ausführlicher kann man es in diesem Aufsatz nachlesen. Noch mehr dazu gibts in seinem Buch “Darwinian Politics: The Evolutionary Origin of Freedom“.

Die frohe Botschaft

Dem Wunsch eines Kommentators (Milfweed) nach einer erfreulichen Nachricht komme ich doch gern nach: Nokia liefert allen Kunden das Geld für eine Spende an die “Opfer von Bochum” eigenhändig. Nokia-Handys sind im Durchschnitt um 6 Euro billiger geworden.

Rückblende: Ben Bernanke vs. “Dean Glenn Hubbard”

In den letzten Tagen muss ich oft an das Video denken, dass Steven Levitt damals als “the best  economics humor ever” bezeichnet hat (via). Im Moment wird Glenn Hubbard ganz froh sein, dass er nicht an Ben Bernankes Stelle ist, sondern sich als Berater von Mitt Romney Wahlversprechen ausdenken darf.

Ich weiß, dass das jetzt wie Schadenfreude aussieht, aber das Video ist einfach zu gut. Und Schadenfreude empfinde ich absolut überhaupt gar keine, weder in Bezug auf Bernanke noch in Bezug auf die amerikanische Wirtschaftslage.

Every breath Bernanke takes

Every breath you take
Every change of rate
Jobs you don’t create
While we still stagflate
I’ll be watching you

(…)

Gewinn-Maximierung oder: Der Nokia-Mythos

Um sich ganz auf die Moral-Frage konzentrieren zu können, wird fleißig am Nokia-Mythos gestrickt. Der besagt, dass Nokia aus Gewinnmaximierungssucht ein profitables Werk schließt, nachdem die Subventionen abgezockt worden sind. (mehr…)

Nächste Seite »