Der Erfolg von Kopenhagen

Neue Definition von Erfolg: Wenn ein Ereignis, dessen Eintreten ungewiss ist, durch Maßnahmen verhindert werden soll, deren Wirksamkeit ungewiss ist, die aber nahezu mit Sicherheit erhebliche Wohlstandseinbußen nach sich ziehen.

Rechtsverkehr, Abseitsfalle und Sonntagsruhe

“Hast du schon gehört? Die EU will Großbritannien zwingen, den Rechtsverkehr einzuführen!”
“Ja. Aber London sträubt sich noch und besteht auf einem Test. Erst soll der nur für Taxis gelten.”

Friedhelm Funkel hat jetzt endlich den Grund für den Absturz der Hertha herausgefunden. Sein Abwehrchef hat nämlich vor dem Spiel immer zu seinen Mitspielern gesagt: “Ok, Jungs! Ihr macht die Abseitsfalle, und ich bleibe zur Sicherheit hinten!”

An diese Witze fühle ich mich jedes Mal erinnert, wenn es um das Gebot der Sonntagsruhe, oder volkstümlicher: den freien Sonntag, geht. (mehr…)

Kampf gegen Windmühlen?

In der heutigen FAZ fasst Hans-Werner Sinn zum kommenden “Klimagipfel” in Kopenhagen seine Thesen aus dem Buch “Das grüne Paradox” zusammen. Ich verweise darauf nicht nur, weil Sinn ein ungewöhnlich heller Kopf mit Mut zu öffentlich geäußerten eigenen Ideen ist, sondern weil er da ansetzt, wo man ansetzen muss, wenn es um politische Maßnahmen zum Klimawandel geht. Die Rolle des Ökonomen ist nicht, der Politik vorgaben zu machen. Und schon gar nicht, als Laie in der Klimadebatte mitzumischen. Sondern der Ökonom muss, wenn ihm ein Problem unterbreitet wird, ökonomisch sinnvolle Lösungen unterbreiten. Und das möglichst transparent und nachvollziehbar.

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Phallisches

Es ist doch bemerkenswert, dass sich der Moscheenstreit, der im Augenblick ja seinen Kristallisationspunkt in der Schweizer Volksabstimmung findet, ausgerechnet auf die Frage der Minarette konzentriert.Das liegt vermutlich daran, dass mit einer fundamentalen Ablehnung fremder Religionen (”Gar keine Moscheen! Muslime raus!”) im aufgeklärten Abendland kein Staat mehr machen lässt. Denn selbst die größten Islamskeptiker müssen sich zumindest offiziell an das Gebot der Religionsfreiheit halten, das zu einer Grundlage der westlichen Kultur geworden ist und jegliche Diskriminierung gegen andere Religionen stark einschränkt.

Warum aber gerade die Minarette? Viele Moscheen, die keine Minarette haben, werden trotzdem von großen Halbmonden gekrönt, mit großen, farbigen Schildern angekündigt oder von einer gülden angestrichenen Kuppel verziert. Und doch sind es die Minarette, gegen die man kämpft. Das mag vielleicht ein wenig mit der typischerweise in muslimischen Ländern von diesen Minaretten ausgehenden Lärmbelästigung durch die Gebetsrufe zu tun haben, viel wichtiger ist aber wohl ihre phallische Bedeutung.

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Ketzerei

Sobald in einer Religion, die die Wahrheit für sich gepachtet meint, nur ein Hauch Objektivität hereinzuwehen droht, wird von den Priestern mit aller Macht versucht, die Fenster geschlossen zu halten.

Selten habe ich das so erbaulich dargestellt gelesen, wie hier in der taz.

Man stelle sich vor: Da gesteht ein Greenpeace-Chef, zum Thema einer potentiell nützlichen, weil unterernährten Menschen eventuell helfenden, aber dummerweise mit der aktuell grad verteufelten Züchtungstechnik erzeugten Pflanze seine Unwissenheit ein und möchte die Frage nach just dieser Nützlichkeit wissenschaftlich geprüft sehen.

Wie lauten die Antworten aus seiner Kirche?
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Eine Abstimmung und ihr Nachhall

Na endlich haben wir wieder einmal ein Thema, das alles leistet, was man von Politik erwarten darf: Es ist komplex, emotionalisiert und ersetzt langweilige, vom Respekt für das Gegenüber und durch den Austausch von Argumenten geprägte Diskussionen durch die Beschimpfung der Anderdenkenden.

Die Rede ist natürlich vom Schweizer Minarett-Verbot. (mehr…)

Sind Heizpilze widersinnig?

Das Umweltbundesamt ist offenbar fest davon überzeugt, dass Heizpilze widersinnig und im Zeitalter des Klimaschutzes überholt sind. Ich bin mir da nicht so sicher, jedenfalls nicht, wenn ich auch berücksichtige, welchen Zweck die Dinger eigentlich erfüllen.

Wo Heizpilze für Wärme sorgen, sitzen die Menschen draußen, Schankterrassen ohne Wärmequelle sind verwaist. “Hätten wir nicht unsere drei Heizpilze, würde kein Gast draußen sitzen”, sagt Oliver Orthey, Besitzer der “Bar Gargarin” an der Rykestraße/Ecke Knaackstraße. “An so einem Sonntag haben wir ungefähr ein Drittel mehr Umsatz.”

Da heizt ja nicht einer einfach so die Straße, sondern er heizt sie, weil er dafür recht großzügig bezahlt wird. Und er wird dafür bezahlt, weil es den Gästen des Restaurants Nutzen stiftet. Es ist also nicht klar, ob der vermeintliche Klimaschaden größer ist, als der Nutzen für Wirt und Gäste. Natürlich berücksichtigt der Wirt in dem Moment nicht den Schaden fürs Klima, aber das Umweltdbundesamt ist auch nicht besser, wenn es in den Heizpilzen einfach nur Energieverschwendung sieht. Wie wärs stattdessen mit einer Kohlendioxidabgabe auf fossile Brennstoffe, dann würde man doch sehen, ob der Schaden fürs Klima höher als der Nutzen der Heizpilze ist.

Die Mehrheit der Ökonomen ist der Meinung, dass die Grenzkosten einer Tonne Kohlendioxid bei maximal 19 € liegen. Das macht für einen Heizpilz zusätzliche Kosten von 76 Euro pro Jahr, die auf die 850 Euro Betriebskosten aufzurechnen sind, also 926 Euro. Da bin ich mir nicht so sicher, ob die Heizpilze von allein verschwinden würden, sollte sich der Umsatz tatsächlich verdreifachen. Auf jeden Fall bin ich mir sicher, dass ein Verbot keine gute Idee ist.

Denken für die Freiheit

Kleine Anmerkung in eigener Sache: Ich darf jetzt auch im “Dienst” bloggen. Das Liberale Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ist nun auch unter www.freiheitdenken.org zu erreichen.

Die Logik stinkt

Die Welt berichtet vom Preisrekord auf dem Knoblauchmarkt und macht dafür drei Gründe dingfest, von denen zwei sicherlich treffend sind, der dritte aber Unfug ist, auch wenn er so schön ins Bild des bösen Kapitalisten passt. Chinesen glauben offenbar das Knoblauch gegen die Schweinegrippe hilft und decken sich mit dem aromatischen Zwiebelgewächs ein bis zur Halskrause. Das macht Sinn. Bis vor dem Ausbruch der Wirtschaftskrise boomte die Nachfrage schon einmal, brach dann zusammen und veranlasste die Bauern zur Reduktion der Anbaufläche und damit des derzeitigen Angebots. Chinas Bevölkerung leidet offenbar nicht nur unter der Schweinegrippe, sondern auch unter dem Schweinezyklus. Schließlich sollen die Preise auch wegen der Spekulanten steigen, weil diese die damals billig eingekauften Knollen jetzt gewinnbringend auf den Markt werfen würden. Moment mal, da erhöht jemand das Knoblauchangebot um Gewinne zu machen, für die er, ganz nebenbei, zu Zeiten des Überangebots ein erhebliches finanzielles Risiko eingegangen ist und das soll die Preise treiben. Bekanntlich sinkt mit steigendem Angebot der Preis, weshalb wir chinesischen Knoblauchspekulanten sehr dankbar sein sollten. Offenbar scheuen nicht nur Vampire den Knoblauch, sondern Welt-Journalisten auch die ökonomische Logik.

Verblendung und Konditionierung

Ich ziehe hier ein Thema nach oben, um die Diskussionen zu entflechten und um einen Raum für sachbezogene Kommentare zu schaffen. In einem Kommentar zu dem Beitrag über Diskriminierung wurde gestern am Rande die These aufgestellt:

Die Konditionierung des Bewusstseins durch kommerzielle Massenmedien der werbenden Wirtschaft ist nicht weniger totalitär als die durch staatliche Propaganda [Che2001].

Che2001 stellt diese These in den Zusammenhang mit Machtmissbrauch und mit der Verblendung des Bewusstseins durch die Massenmedien. Googlehupf fragte dann sinngemäß:

Wenn wir diese Prämisse gelten ließen: Was wäre ein Lösungsansatz dafür? (…) Gibt es überhaupt einen?

Können wir diese Prämisse gelten lassen?

Che2001 erwähnt in seinem Kommentar zur Stützung dieser These beispielsweise die »Dialektik der Aufklärung«. Allerdings ist diese Theorie unter der Voraussetzung eines ganz anderen Medienzeitalters entstanden. Damals gab es Medien und Medienkonsumenten. Es gab in den Medien und Verlagen die »Türhüter«, an denen keine Meldung vorbeikam. Es gab für die Medienkonsumenten praktisch keine Möglichkeit, selbst Informationen zu publizieren. Bis etwa 1990 musste man von diesen Voraussetzungen ausgehen. Theodor W. Adorno starb 1969, Max Horkheimer 1973.

Horkheimer und Adorno waren scharfsinnige Denker. Sie konnten aber nicht in die Zukunft sehen. Sie wussten nicht, dass im Jahr 2009 so viel Wissen frei verfügbar sein würde. Sie wussten nicht, wie einfach der Zugang zu Wissen heute sein würde. Sie hatten wahrscheinlich auch keine Vorstellung davon, wie einfach man Informationen heute im Internet vernetzen kann.

Jede maßgebliche Meldung der Massenmedien wird heute entweder in anderen Medien oder im freien Internet quasi in Echtzeit hinterfragt. Diese Vorgänge kann man in Ländern mit freiem Netzzugang überhaupt nicht totalitär kontrollieren.

Beispiel: Murdoch und Microsoft. Die ersten Meldungen lasen sich wie die Abschrift einer PR-Mitteilung. Beinahe zeitgleich kamen im Netz Zweifel an der Vereinbarung auf. Dann haben auch die Mainstream-Medien kritisch über diese Partnerschaft nachgedacht.

Eine totalitäre Konditionierung erscheint mir unter diesen Voraussetzungen überhaupt nicht möglich zu sein. Aber Ihr könnt mir gern widersprechen: schreibt in den Kommentaren, wo Ihr Verblendung oder Konditionierung in der Gesellschaft seht …

Sollten sich dann doch Tendenzen eines totalitären Einflusses zeigen, wäre die nächste Frage: wie kann man diesen Tendenzen begegnen? Dazu habe ich gestern nacht kommentiert:

Der Lösungsansatz kann nur heißen: Aufklärung. Noch nie gab es so viele frei verfügbare Wissensressourcen und so viele Möglichkeiten der Vernetzung des Wissens. Begrenzt ist nur die Zeit, die wir für unsere eigene Aufklärung aufwenden können.

So, und jetzt seid Ihr dran.


Rundfunkfreiheit?

Ganz großes Geschütz fahren da 35 “renommierte Staatsrechtler” auf, um dem pösen Koch Paroli zu bieten.

Nicht weniger als die Verfassung sehen die Professoren in Gefahr, sollte es beim ZDF künftig statt eines linken einen rechten Chefredakteur geben.

Aber welche Rundfunkfreiheit kann eigentlich gemeint sein, wenn der Staat Sender installiert, sie mit steuergleichen Zwangsgebühren finanziert und seine Parteigänger ganz offiziell in die Verwaltungsgremien entsendet?
Haben sich die Professoren bisher jemals daran gestört, daß der BR ein tief scharzer Sender ist, während WDR und HR (und andere) tiefrot besetzt sind?

Und wenn schon der Staat solche Sender betreibt – ist dann nicht eine politische, d.h. demokratisch legitimierte Kontrolle die einzig seriöse Option? Was soll denn “freiheitlicher” daran sein, daß Seilschaften in den Sendern ohne Mandat und Legitimation Personalpolitik betreiben?

M. E. ist dieser Professoren-Protest zutiefst verlogen und heuchlerisch. Jeder weiß, daß die Ministerpräsidenten und andere Politiker das Sagen haben bei den Staatssendern, das haben sie seit einem halben Jahrhundert. Aber daß Koch das öffentlich macht, das ist unverzeihlich für die Selbstgerechten.

Das Versagen der Giganten

Das »Handelsblatt« spricht von einem Bündnis der Giganten: Microsoft und Rupert Murdoch wollen eine Vereinbarung schließen, die auf den ersten Blick völlig absurd erscheint.

Was war? Microsoft hat nach vielen Fehlversuchen im WWW mit großem Marketing-Aufwand eine Suchmaschine namens BING gestartet. Sie hat bis heute nur einen sehr geringen Marktanteil. Und selbst bei diesem geringen Marktanteil würde ich gern mal die Statistik auswerten: Wie viele Nutzer kommen nur auf die Seite, weil BING irgendwo voreingestellt ist? Wie viele Nutzer kommen wirklich wieder?

Was ist geplant? Microsoft will nun mit News Corp folgendes Bündnis eingehen: Die Medien aus dem Imperium des Rupert Murdoch sollen ihre Seiten bewusst aus dem Google-Index heraushalten, damit sie nur noch bei BING gefunden werden.

Warum wird das nicht funktionieren? Jede interessante Nachricht wird heute praktisch innerhalb von Minuten durch andere Medien, durch Blogger oder durch Twitterer übernommen. All diese Medien, Blogs und Twitter-Meldungen werden bei Google weiterhin gefunden. Und aus diesen Medien, Blogs und Twitter-Meldungen wird es Links auf die Murdoch-Medien geben. Die Artikel dieser Medien werden also auch gefunden, wenn sie nicht direkt bei Google in den Suchergebnissen auftauchen.

Welches Prinzip haben Microsoft und Murdoch nicht verstanden? Abschottung ist im offenen Internet des 21. Jahrhunderts nicht möglich. Man wird Informationen niemals auf das »Gebiet« zweier Unternehmen beschränken können. Dem Kunden geht es immer nur um seinen Nutzen. Und sein Nutzen steigt, wenn er mit einer Suchmaschine alles findet, was er im Netz sucht. Diese Suchmaschine wird auch mit diesem Bündnis sicher nicht von Microsoft kommen.

Was bleibt? Diese Vereinbarung ist auch auf den zweiten, dritten und vierten Blick absurd. Verkaufen Sie Ihre Microsoft-Aktien und investieren Sie in ein Unternehmen, das kein Geld damit verbrennt, Informationen einsperren zu wollen;-)

Diskriminierung

Sowas geht nur mit einem Recht auf Diskriminierung: PayPal kündigt der NPD

Über politischen Stil

Wie heute bekannt wurde, entschied sich die Basis in Baden-Württemberg für Nils Schmid als neuen Landeschef. Schmid promovierte am Lehrstuhl von Ferdinand Kirchhof, dem nicht nur bluts-, sondern auch geistesverwandten Bruder des Steuerrechtlers Paul Kirchhof, der den Halbteilungsgrundsatz erfand und die Flat Tax einführen will.

Vielleicht geht es anderen auch so: Bei solchen Sätzen habe ich Déjà Vus, die vom Lesen manchen linken Bloggers herrühren. Da nach der “Small-World-Hypothese” jeder jeden über sechs Ecken kennt und diese Zahl wahrscheinlich noch eher abnehmen wird, wenn man nur eine begrenzte Region betrachtet und auch noch auf ähnliche Interessen oder Berufe einschränkt, können über gewagte Ketten die dollsten Verbindungen “entlarvt” werden.

Die beiden Sätze oben, mit denen der neue SPD-Landesvorsitzende von Baden-Württemberg in die passende Ecke gestellt werden soll, verdankt die Welt einem gewissen Peter Mühlbauer, der für “telepolis” schmiertschreibt. Man beachte die Leichtigkeit der Argumentation. Weil Schmid in Tübingen Jura studierte und beim Tübinger Professor Ferdinand Kirchhof promoviert wurde, wird er, weil sein Doktorvater einen bekannten Bruder hat, gleich mal mit dessen politischen Vorstellungen in Verbindung gebracht. Würde man sich an solche lästigen Dinge wie journalistische Standards halten, hätte man sich ja mit den konkreten Positionen Schmids auseinandersetzen müssen. Aber das hätte nicht in den Tenor des Artikels gepasst, wonach die SPD, die ihre Lust an der Umverteilung wieder entdeckt, im Grunde doch nur aus lauter verkappten “Neoliberalen” besteht. Wenn man weit genug links steht, mag man das ja so sehen. Aber wer dazu solch fadenscheinige Verbindungen herstellen muss, hat sich von ernsthafter politischer Auseinandersetzung längst verabschiedet.

OT: Die personellen Veränderungen im Ländle sind übrigens recht interessant. Die Stellung von Mappus als neuem starken Mann der CDU dürfte vor allem bei der FDP für Freude gesorgt haben, denn Schwarz-Grün scheint mit ihm wieder in sehr weite Ferne gerückt, nachdem Oettinger nach der letzten Wahl noch hörbar damit geliebäugelt hatte. Die SPD hat hingegen weder einen starken Mann noch eine starke Frau. Wer im übernächsten Jahr gegen Mappus antreten soll, ist völlig offen. Der neue Vorsitzende will es jedenfalls nicht. Dabei dürften die Chancen in zwei Jahren so schlecht nicht stehen. Wie üblich, wird bis dahin der Mechanismus des Abstrafens der jeweiligen Bundesregierung für ihr Unvermögen, das Paradies auf Erden herzustellen, einsetzen, was Schwarz-Gelb unter Druck und der SPD dank einer hierzulande nicht ernstzunehmenden SEDPDS“Linke” einen Schub verschaffen sollte. Und da die Grünen sich nicht länger an der CDU orientieren können, stünde der Koalitionspartner auch bereit. Ich habe jedenfalls bereits Fluchtwege in die Schweiz ausgekundschaftet…

Wieder On Topic: Ich empfinde es als unwürdig, dass ein Mann wie Lafontaine seine Krankheit öffentlich machen muss, weil politische Journalisten plötzlich ihren Hang zur Yellow Press entdecken und von einer angeblichen Affäre mit einer bekannten, ebenfalls verheirateten Genossin berichten. Man kann (und sollte!) über die politischen Positionen eines Lafontaine nach Herzenslust herziehen. Er wird in der Debatte meinem Eindruck auch des öfteren polemisch und biegt sich die Fakten gerne zurecht. Aber er wird nie persönlich. Den Respekt, mit dem er anderen begegnet, sollte man auch ihm entgegenbringen. Finde ich.

Überraschungen

Die Regierungsbildung ist ja schon ein Stück her, und was man als Liberaler von dieser Koalition bisher zu hören bekommt, kann nur diejenigen freuen, die alles noch schlimmer erwartet hätten. Gut, die übelsten Maßnahmen in Sachen “Innerer Sicherheit” sind vom Tisch oder wirkungsvoll suspendiert – das wäre in der GroKo nicht so passiert. Und in der Krankenversicherung endlich mal einen Schritt weg in Richtung NHS zu machen, steht einem liberalen Minister auch gut zu Gesicht. Wenn es nach den Linken geht, ist die geplante Krankenversicherungsreform das beste Einfallstor, um die Regierung entgegen all ihrer sonstigen Beschlüsse endlich der “sozialen Kälte” zeihen zu können, und ich muss sagen: Das ist eine Auseinandersetzung, auf die ich mich wirklich freue, denn gerade hier, bei diesem emotional und moralisch aufgeladenen Thema, lassen sich die Alternativen von Staatswirtschaft und Wettbewerb besonders gut aufzeigen. Aufgrund diverser privater und beruflicher Zufälle kenne ich mich in diesem Beritt auch noch einigermaßen aus und kann es deswegen kaum erwarten, mich ins Schlachtgetümmel zu stürzen.

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ClimateGate

Was da am Hadley Climate Center “ausgegraben” (oder besser gehackt) wurde sollte man sich nicht entgehen lassen. Luboš Motl hat schon mal eine hübsche Vorauswahl der besten Fundstücke getroffen. Übrigens, der Physiker Luboš Motl ist einer der Referenten der Konferenz “Update zur Klimaforschung” am 4. Dezember 2009 in Berlin.

Update: James Delingpole vom Telegraph hat noch ein paar hübsche Auszüge der äußerst informativen Wissenschaftlerkorrespondenz parat.

Unsere tägliche Klimakatastrophe gib uns heute

Was macht man, wenn eine Hypothese anfängt zu wackeln? Man erklärt Zweifel zum Tabu.

Über den Klimawandel will ich hier nicht reden. Erstens habe ich keine Ahnung von der Materie, und zweitens ist sich die Wissenschaft wohl weitgehend einig, dass es einen solchen zumindest gab. Nun sind Vorhersagen bekanntermaßen sehr unsicher, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen, und für komplexe Gebilde wie das Weltklima müsste das erst recht gelten. Deswegen ist mein Thema auch nicht der Klimawandel, sondern die “Klimakatastrophe”. Ersteres ist eine Materie, mit der sich die Wissenschaft befassen kann, letzteres ist ein politischer Begriff, der verschiedene Ziele verfolgt und auf verschiedenen Motiven beruht. Altbekannte Haltungen begegnen uns bei denen wieder, die ihn propagieren: Da sind die Gegner jedweden technischen Fortschritts, die schon innerhalb der Anti-Atomkraft-Bewegung ihrem Hang zu mittelalterlichem Zusammenleben Ausdruck verliehen haben und für die das moderne Leben von Übel ist. Da sind unsere Freunde vom linken Spektrum, die im Klima endlich den Sargnagel des Kapitalismus gefunden zu haben hoffen. Und da sind all die Hobby-Lehrer und Hilfssheriffs, also das versammelte Spießbürgertum, die es nicht lassen können, ihre Mitmenschen im Dienste des Richtigen, Wahren, Guten und Pflichtgemäßen zu gängeln.

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Der Fluch der Finanzmärkte

Das Buch von Hans-Werner Sinn zur Finanzkrise, “Kasino-Kapitalismus”, das ich hier schon allein wegen seiner großen Fülle an Fakten uneingeschränkt empfehlen kann, hat das getan, was ein gutes Buch tun muss: Es hat zu weiterem Nachdenken angeregt. Sinn sieht das Hauptproblem der Finanzmärkte in der mangelnden Haftung der handelnden Akteure, wobei er hier weniger die Manager als treibende Kraft sieht als vielmehr die Aktionäre selbst. Dadurch, dass Banken nur über sehr geringe Eigenkapitalquoten verfügen, können die Eigentümer das Verlustrisiko weitgehend auf die Gläubiger abschieben, was den Erwartungswert der Rendite hochriskanter Geschäfte in die Höhe treibt. Die Geldpolitik sei nicht Ursache, sondern höchstens Auslöser der Krise gewesen – eine Meinung, der ich nicht ganz folgen kann und die für meinen Geschmack im Buch auch etwas halbherzig begründet wird. Vielleicht begründet werden muss, weil die Folgen von Haftungsbeschränkungen seit seiner Dissertation Sinns Steckenpferd sind und er lieber alle Schuld dort suchen möchte, ähnlich dem Betrunkenen, der den verlorenen Schlüssel unter der Laterne sucht, weil er dort besser sieht.

Aber das war jetzt wirklich zu böse, denn Sinn identifiziert darüber hinaus noch andere Dinge, die zur Krise beigetragen haben (mehr…)

Sprüche, auf die die Welt gewartet hat (I)

Das Gute am November ist, dass auch Langschläfer mal einen Sonnenaufgang sehen.

Kritik am Abzuschaffenden

Mal abgesehen davon, dass ich die zwangsfinanzierten Staats- und Parteimedien eher abgeschafft als verbessert sehen will und ungeachtet dessen, dass ich den Herrn Wickert nicht mag – was er hier in der FAZ schreibt, trifft es als Kritik an ARD und ZDF auf den Punkt.

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